Unternehmensjurist Interview mit Frederic Clemens

Welche Einstiegsmöglichkeiten für Juristen bietet Daimler? Und was macht die Arbeit als Jurist in der Automobilbranche besonders interessant? Über diese und weitere Fragen haben wir uns mit Frederic Clemens unterhalten, der nach seinem Wirtschaftsrechtstudium bei Daimler als Unternehmensjurist eingestiegen ist.

Hallo Herr Clemens, bitte stellen Sie sich unseren Leserinnen und Lesern kurz vor.

Mein Name ist Frederic Clemens und ich bin gebürtiger Rheinländer. In Köln habe ich mein Diplom in Wirtschaftsrecht erlangt und zusätzlich einen Master of Laws in „European and International Business Law“ an der Universität Leiden in den Niederlanden gemacht. Während des Studiums habe ich als Werkstudent, Praktikant und Diplomand in der Sozietät Friedrich Graf von Westphalen, bei Porsche USA und Maserati Deutschland gearbeitet. Aktuell bin ich als Manager im Antitrust Project Management Office in der Rechtsabteilung tätig und steuere verschiedene, divisionsübergreifende kartellrechtliche Programme innerhalb der Daimler AG.

Warum haben Sie sich für Daimler als Arbeitgeber entschieden? Was reizt Sie als Jurist am Arbeiten bei Daimler?

Neben der Leidenschaft für Automobile hat mich die Vielfalt der Tätigkeitsfelder eines globalen Unternehmens wie Daimler gereizt. Ich habe gehofft, dass mir als Jurist verschiedenste Wege innerhalb des Konzerns offen stehen und ich vielfältige Einsatzmöglichkeiten ergreifen kann. Dies hat sich voll und ganz bewahrheitet!

Wie sieht Ihr bisheriger Weg bei Daimler aus – beginnend beim ersten Tag im Unternehmen bis heute?

Ende 2010 bin ich über das Traineeprogramm „CAReer“ bei der Daimler AG eingestiegen. Das Programm sieht grundsätzlich vor, dass man in einem Zeitraum von etwa 15 Monaten drei oder vier Projekte in verschiedenen Bereichen des Konzerns durchläuft. Neben einem Einsatz in der Produktion und Niederlassung findet auch ein Projekt im Ausland statt.

Das erste Projekt findet in dem Bereich statt, in dem man auch nach erfolgreichem Abschluss eingestellt wird. Mein Zielbereich und somit erster Projekteinsatz war das Vertragsmanagement im Mercedes-Benz Cars Produktionsmaterialeinkauf. Im Rahmen des Programms konnte ich außerdem Projekte in den Bereichen Group Compliance in Deutschland und in Argentinien, strategischer Produktionsmaterialeinkauf in Peking und External Affairs betreuen und vorantreiben.

Nach dem CAReer-Programm habe ich als Jurist in meinem Zielbereich Mercedes-Benz Cars Produktionsmaterialeinkauf begonnen. Zu meinen Aufgaben gehörte insbesondere die juristische Betreuung des operativen Einkaufs mit dem Schwerpunkt im allgemeinen Vertragsrecht neben Wettbewerbsrecht und Recht am geistigen Eigentum. Hierzu zählten insbesondere die Verhandlung von Liefer- und Entwicklungsverträgen und die Verhandlung von Rahmenverträgen mit Produktionsmateriallieferanten für die Sparte Mercedes-Benz Cars. Darüber hinaus konnte ich an der strategischen Weiterentwicklung der Vertragswerke – in Zusammenarbeit mit der zentralen Rechtsabteilung der Daimler AG – mitwirken. In verschiedenen crossfunktionalen Arbeitsgruppen und Projekten konnte ich die Rolle als Interessensvertreter des Mercedes-Benz Cars Produktionsmaterialeinkaufs wahrnehmen.

Mitte 2013 habe ich eine neue Aufgabe mit strategischem Fokus im selben Bereich übernommen, die sich hauptsächlich mit der Neukonzeption der Vertragsbeziehungen mit US-amerikanischen Lieferanten und mit der Ausgestaltung von Prozessen und Methoden hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen dem Mercedes-Benz Cars Produktionsmaterialeinkauf und der Logistikorganisation von Daimler befasste. Darüber hinaus unterstützte ich die Ressortleitung bei der Ausarbeitung unterschiedlicher Unterlagen für Strategie-Dialoge, Vorstands- und Verbandstreffen.

Seit dem 1. Mai 2015 bin ich nun als Manager im Antitrust Project Management Office im Bereich Legal Regulatory Compliance tätig.

Wofür ist Ihre Abteilung genau verantwortlich und welche Aufgaben haben Sie dort?

Der Bereich Legal Regulatory Compliance umfasst die Fachgebiete Kartellrecht, Strafrecht und öffentliches Recht. In unserer Abteilung wirken wir an der Konzeption, Etablierung und Durchführung präventiver kartellrechtlicher Maßnahmen mit und bilden regelmäßig die Klammerfunktion über kartellrechtliche Vorgänge und Projekte innerhalb des Konzerns. Das Spannende an der täglichen Arbeit ist insbesondere die Vielfalt und Schnelllebigkeit. Innerhalb des Konzerns hat man nicht bloß mit einer kleinen Gruppe von Kolleginnen und Kollegen Kontakt, sondern mit jedem Geschäftsbereich und jedem darin angesiedelten Fachbereich. Eine zentrale Herausforderung ist sicherlich, die Volatilität der kartellrechtlichen Entwicklung auf den Weltmärkten nicht aus den Augen zu verlieren und daraus die für uns relevanten Spielregeln abzuleiten , ohne die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen unnötig einzuschränken.

Ihr persönlicher Tipp an Jurastudenten, die sich für einen Einstieg bei Daimler interessieren?
Mein Tipp an Studentinnen und Studenten ist, frühzeitig Praxiserfahrung zu sammeln. Ganz gleich, ob im Rahmen eines Praktikums oder eines Nebenjobs. Dadurch sieht man zum einem, was einem genau gefällt und – ganz entscheidend – das theoretische Wissen wird mit dem „wahren Leben“ konfrontiert. Dieser Praxis-Check hilft später ungemein bei der Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Fachbereichen. Hier sind rechtssichere, aber vor allem praktikable Lösungen gefragt, die bei der täglichen Arbeit unterstützen.

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