Umgebungserfassung Interview mit Markus Enzweiler

Markus Enzweiler arbeitet in der Entwicklung im Bereich Umgebungserfassung. Im Interview berichtet er davon, was ihn am Autonomen Fahren fasziniert und wie er sich die Zukunft von Fahrerassistenzsystemen vorstellt.

Hallo Herr Enzweiler, bitte stellen Sie sich den Leserinnen und Lesern kurz vor.

Mein Name ist Markus Enzweiler. Ich arbeite derzeit an selbstfahrenden Fahrzeugen in einem von Daimler und Bosch gemeinsam durchgeführten Projekt in Stuttgart-Vaihingen. Dabei bringe ich unseren Fahrzeugen das sensorbasierte Verstehen ihrer Umgebung bei. Ich bin Informatiker und habe in Bonn, Toronto, Ulm und Heidelberg studiert, wo ich im Jahr 2011 promovierte. Bereits während meines Studiums habe ich meine Studienarbeiten bei Daimler absolviert und wurde schließlich im Jahr 2010 als Vollzeitmitarbeiter eingestellt.

Warum haben Sie sich für Daimler als Arbeitgeber entschieden?

Ich habe mich schon recht früh dafür interessiert, wie man Maschinen beibringen kann, ihre Umgebung wahrzunehmen und zu verstehen. Das Arbeiten in einem wissenschaftlichen Umfeld, in dem die Basistechnologien der künstlichen Intelligenz erforscht und entwickelt werden, hat mich nie ganz befriedigt, da eine wichtige Komponente fehlte, nämlich aus einer spannenden Technologie ein Produkt zu machen, das für den Alltag der Menschen Bedeutung hat. Daimler war schon immer ein Vorreiter in der Verbesserung von Sicherheit und Komfort mittels intelligenter Fahrerassistenzsysteme. Die maschinelle Wahrnehmung ist in diesem Bereich eine grundlegende Komponente. Da ich auch eine große Leidenschaft für Autos hege, schien damals das Arbeiten an intelligenten Fahrzeugen bei Daimler perfekt zu mir zu passen. Und das tut es immer noch!

Wie sieht Ihr bisheriger Werdegang aus – und welche Aufgaben hatten Sie bisher bei Daimler?

Während meiner Promotionszeit habe ich an einem kamerabasierten System für Fußgängererkennung gearbeitet. Nachdem ich zu Daimler kam, hatte ich die Möglichkeit, dieses System in einem Produkt auf den Markt zu bringen. Ich war Teil des Teams, das die Stereokamera entwickelte, die zum ersten Mal in den S-Klasse- und E-Klasse-Modellen im Jahr 2013 zum Einsatz kam. Danach lag mein Arbeitsschwerpunkt auf automatisiertem Fahren, was für mich die Königsdisziplin intelligenter Fahrzeuge ist. Ich war Teil des Teams, das "Bertha", eine automatisierte S-Klasse, dazu brachte, autonom auf der historischen Bertha-Benz-Strecke von Mannheim nach Pforzheim zu fahren. Weiter war ich an einigen Vorentwicklungsprojekten beteiligt, die sich mit aktuellen und zukünftigen Systemen rund ums automatisierte Fahren befassten.

Erzählen Sie uns bitte ein bisschen mehr über Ihr Team und Ihre Aufgaben. Mit welchen Herausforderungen beschäftigen Sie sich momentan?

Zusammen mit Bosch wollen wir ein RoboTaxi für den Stadtverkehr entwickeln – etwas, das es vorher noch nie gab. Diese Aufgabe ist auf mehr als nur eine Weise herausfordernd. Aus technischer Sicht wollen wir in unserem Team eine dem menschlichen Leistungsniveau entsprechende Performance erreichen, indem wir das "Gehirn" unserer selbstfahrenden Autos entwickeln – mithilfe modernster Sensortechnologien und maschinellem Lernen. Die Lösung solch komplexer Probleme erfordert auch neue Arbeitsmodelle, die sehr anspruchsvoll sind, gleichzeitig aber auch immense Vorteile bieten. Wir arbeiten dabei in gemischten Daimler-Bosch-Projektteams in einem äußerst agilen Entwicklungsprozess, der eine Vielzahl sehr kreativer und inspirierender Arbeitsweisen mit sich bringt.

Auch neben Ihrer Arbeit im Bereich Umfelderkennung sind Sie viel beschäftigt. Sie sind als Lehrbeauftragter tätig und engagieren sich bei der Formula Student Germany. Was genau machen Sie bei der Formula Student Germany?

Ich bin wirklich ganz schön ausgelastet, aber auf eine positive Weise. Eine meiner stärksten Motivationen besteht darin, die Verknüpfungen zwischen Wissenschaft und Industrie zu stärken, insbesondere auf dem Wege der Unterstützung junger Ingenieure und Forscher. Meine Aktivitäten als Junior-Fellow der deutschen Gesellschaft für Informatik, als nebenamtlicher Dozent und in der Formula Student Germany (FSG) unterstützen dieses Ziel sehr. Meine Mitarbeit in der FSG begann im Jahr 2016, als ich dabei mitwirkte, die "Formula Student Driverless" als neue Challenge zu definieren. Teil der FSG in Hockenheim zu sein war eine außergewöhnliche Erfahrung. Ganz besonders beeindruckt war ich von der enormen Professionalität der teilnehmenden Teams. In diesem Jahr bin ich als Mentor für die von Daimler unterstützten Teams tätig und fungiere als Juror bei der FSK. Ich freue mich sehr darauf, die ersten fahrerlosen Rennwagen auf der Strecke zu sehen und wünsche allen Teams viel Erfolg und eine tolle Zeit in Hockenheim.

Wie stellen Sie sich die Zukunft des Autonomen Fahrens vor?

Die Zukunft wird sicherlich sehr interessant sein. Meine persönliche Meinung zu autonomem Fahren ist, dass wir gleichzeitig evolutionäre und revolutionäre Produkte sehen werden. Die gegenwärtigen Fahrerassistenzsysteme werden mit immer mehr autonomen Funktionen zur Unterstützung des Fahrers ausgestattet sein. Aber es wird in naher Zukunft auch Systeme geben, die den menschlichen Fahrer nicht mehr benötigen. Dieser entscheidende Moment wird dann den Impuls für neue Geschäftsmodelle geben und die Kreativität entfachen, um das Auto und die Mobilität als Ganzes neu zu definieren. Vieles ändert sich und wir gestalten diese Zukunft der Mobilität mit voller Leidenschaft.

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