Job Sharing Im Tandem unterwegs

Ein Tandem kennt fast jeder - ein Fahrrad, das Platz für zwei Personen bietet. Bei Daimler gibt es schon einige Mitarbeiter, die damit unterwegs sind. Allerdings nicht auf dem Rad, sondern im Job. Sie teilen sich eine Stelle und teilen flexibel ihre Life-Balance ein. Beate Eder und Ansgar Winbeck aus dem Truck-Einkauf machen seit einigen Monaten Job Sharing. Gemeinsam leiten sie ein Team im Bereich Beschaffung. Ein Interview.

Was gab den Ausschlag, dass Sie im Job Sharing arbeiten?
Ansgar Winbeck: Bei mir liegt es vor allem an meiner aktuellen familiären Situation. Auf mich warten daheim zwei kleine Kinder. Deshalb haben meine Partnerin und ich beschlossen, dass wir beide jeweils in Teilzeit arbeiten wollen – mit 30 Stunden. Wir haben für uns festgestellt, dass wir so am besten allen Ansprüchen gerecht werden können und auch als Familie gut funktionieren.

Beate Eder: Ich habe mich entschieden, meine Stunden zu reduzieren, um mich mehr um meine Mutter zu kümmern, die eine angehende Demenz hat. Vor zwei Jahren standen mein Mann und ich vor der Entscheidung, wie wir ihre Betreuung sicherstellen können. Meine Mutter wollte partout nicht in ein Pflegeheim, und daher beschlossen wir, sie bei uns zu Hause aufzunehmen. Das bedeutete natürlich eine komplette Umstellung für uns alle. Dank der Anpassung meiner Arbeitszeit und einer Pflegekraft auf Abruf sowie der Möglichkeit, meine Mutter auch mal in die Tagespflege zu geben, kann ich guten Gewissens meinen Job ausfüllen und habe zudem die Flexibilität, wenn zum Beispiel Teamworkshops oder Lieferantentermine anstehen.

„Der Mehrwert eines Job Sharing liegt eindeutig in der Möglichkeit, sich Freiräume zu schaffen und sich flexibel zu organisieren.“

Ansgar Winbeck

Wie haben Sie sich als Tandem gefunden?
Ansgar Winbeck: Beate und ich sind schon länger im gleichen Bereich. Wir kannten uns vom Sehen. Ich war schon in einer anderen Funktion auf einer Teilzeitstelle mit 30 Stunden. Da Beate auch auf 30 Stunden gehen wollte und ich bereit für einen Funktionswechsel war, haben uns unsere Führungskräfte diese Kombination vorgeschlagen. Das hat strukturell und menschlich gut zusammengepasst.

Beate Eder: Ich kam ja von einer Vollzeit-Stelle und stand aus den genannten Gründen vor der Entscheidung, entweder auf 30 Stunden zu reduzieren oder gar nicht mehr berufstätig zu sein. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meinem damaligen Chef bedanken. Er hat mich in diesem Prozess super unterstützt und mein Anliegen vorangetrieben. Für uns beide war klar, dass wir die 30 Stunden Variante präferieren. Und dank seines Einsatzes hat es in der Kombination mit Ansgar geklappt.

Wie teilen Sie sich zeitlich und strukturell auf?
Beate Eder: Wir arbeiten beide 30 Stunden – sprich in Summe füllen wir zusammen 60 Stunden auf der Teamleiterfunktion aus. Wir haben uns so aufgeteilt, dass Ansgar morgens da ist und ich dann gegen halb zwölf ins Büro komme und dafür länger bleibe. Unser Modell ist, das wir beide jeden Tag im Büro sind und uns mittags überschneiden.

Ansgar Winbeck: Genau so ist es. Wir sehen uns in der Regel mindestens ein Mal am Tag, denn vor halb zwölf bin ich nie weg. Dann gehen wir meistens zusammen mit unserem Team Mittagessen – das ist uns beiden wichtig. Rein fachlich und strukturell sind wir so aufgestellt, dass wir gemeinsam für die Erreichung des Teamergebnisses verantwortlich sind. Dabei hat es sich als erfolgreich gezeigt, Schwerpunkte zu setzen. Bei uns bietet sich da die Aufteilung nach Waren, die wir einkaufen, an: Beate ist eher im Bereich Lager unterwegs und ich im Alu-Einkauf. Das halten wir aber bedarfsgerecht flexibel.

Beate Eder: Und das ist auch gut so. Denn wenn Sonderthemen aufkommen oder einer gerade ein sehr hohes Arbeitspensum hat, dann sprechen wir uns eng ab und unterstützen uns gegenseitig. Ansgar hat zum Beispiel gerade einige kleinere Projekte aus meinem Bereich übernommen, da ich gerade in einem Sonderthema eingespannt bin.

Wie klappt die Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Ihnen?
Beate Eder: Die Überschneidungszeit nutzen wir dazu, um uns zu besprechen und abzustimmen. Und das gilt für Personal- als auch für Fachthemen. Wir schätzen diese Möglichkeit sehr, uns gemeinsam zu diesen Themen auszutauschen. In der Regel ist ein Teamleiter bei diesen Themen ja eher auf sich alleine gestellt.

Ansgar Winbeck: Theoretisch kann ich mir als Teamleiter natürlich auch Rat von Kollegen holen. Bei uns ist dieser Austausch eben strukturell schon mit eingebaut – was gut ist.

„Das Thema Job Sharing gewinnt im Unternehmen an Bedeutung.“

Beate Eder

Was bedeutet Ihr Arbeitsmodell für das Team?
Ansgar Winbeck: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind je nach Aufgaben dem Bereich Lager oder Alu zugeordnet. Fachliche Rücksprachen halten wir dann jeweils im Verantwortungsbereich. Bewertungen und Feedbackgespräche bereiten wir zusammen vor, führen sie aber nicht gemeinsam durch. Einmal die Woche haben wir einen gemeinsamen Shopfloor, wo verantwortungsbereichsübergreifend berichtet wird.

Beate Eder: Ich denke, ein Vorteil für unsere Mitarbeiter ist, dass sie sich eine differenziertere Rückmeldung einholen und auf unsere beiden Expertisen zurückgreifen können. Ansgar kommt beispielsweise stärker aus dem Projektmanagement, ich habe einen internationalen Background und war unter anderem auch schon bei Pkw im Einkauf. Wenn ein Mitarbeiter Rat braucht, dann kann er sich den bei uns beiden holen oder kommt nur auf einen von uns zu.

Tauschen Sie sich auch mit anderen Job Sharing Paaren aus?
Ansgar Winbeck: (schmunzelnd) Ich mach das jeden Abend. Spaß beiseite. Ich tausche mich eher weniger mit anderen aus, weiß aber, dass es bei Daimler eine Plattform für Job Sharing gibt.

Beate Eder: Was wir schon merken ist, dass das Thema Job Sharing im Unternehmen an Bedeutung gewinnt. Ende Februar gab es zum Beispiel einen Business Lunch mit unserem Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche. Wir waren eins von sechs Tandems, das eingeladen war. Es war schön zu sehen, dass sich unser „Chef“ Zeit für dieses Thema nimmt und beeindruckend, wie gut er darüber informiert ist. Ich fand es zudem richtig spannend, sich mit ihm auszutauschen, aber auch die Erfahrungen der anderen Tandems zu hören.

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