Einer allein wird die Welt nicht verändern können!

Dass Daimler beim Thema Quanten Computing ganz weit vorne mit dabei ist, wissen die wenigsten. Dafür gesorgt hat unter anderem Dr. Andreas Riegg mit seiner Projektgruppe im IT Innovation Management, die uns auf die kommende IT-Revolution vorbereitet! Der gelernte Elektrotechniker beschreibt, welchen Stellenwert Quanten Computing für Daimler haben wird und was es heißt ein Technology Scout zu sein.

Andreas Rieggs Arbeitsplatz: Der Daimler-Campus in Möhringen.

Hallo! Stellen Sie sich bitte unseren Leserinnen und Lesern kurz vor.

Mein Name ist Andreas Riegg, ich bin 59 Jahre alt und habe Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Software an der Universität Stuttgart studiert. In diesem Themenfeld habe ich auch promoviert.
Bei Daimler eingestiegen bin ich vor fast 30 Jahren, das war 1991. Damals habe ich bei der DEBIS (im Systemhaus) angefangen, zu jener Zeit die Tochtergesellschaft für Dienstleistungsfunktionen. Im Jahre 2000 habe ich dann „auf die andere Seite des Schreibtisches“ gewechselt, nämlich vom Dienstleister zum Auftraggeber Daimler.
Heute bin ich im Bereich IT-Innovation-Management für das sogenannte „Technology Scouting“ zuständig. Das heißt, ich schaue, was es so Neues gibt. Und sobald es mir relevant erscheint, schaue ich noch genauer hin!

„… ich schaue, was es so Neues gibt. Und sobald es mir relevant erscheint, schaue ich noch genauer hin!“

Und gibt es etwas, worauf Sie derzeit genauer schauen?
Und ob! Das Stichwort ist „Quanten Computing“. Diese Technologie hat man vor zwei Jahren noch gar nicht auf dem Radar gehabt. Sie ist auch heute noch weit weg von einer Anwendung. Aber Quanten Computing wird die IT wie wir sie kennen, revolutionieren. Und hier sorgt unser Projektteam dafür, dass Daimler vorbereitet ist.

Inwiefern stellt Quanten Computing eine derartige Innovation dar?
Der Stellenwert von Quanten Computing ist vergleichbar mit dem der Halbleitertechnologie Anfang der 70er Jahre. Sie war ja der Beginn der Digitalisierung. Quanten Computing steckt jetzt zwar noch in den Kinderschuhen und ist nur etwas für Spezialisten. Aber das Zukunftspotenzial ist riesig.

Aktuell läuft die Arbeit von Andreas Riegg noch nicht an einem Quantencomputer ab. Das könnte sich irgendwann ändern.

Was kann denn Quanten Computing?
Mit dieser Technologie werden Berechnungen und Simulationen einer bestimmten Größenordnung überhaupt erst möglich. Ein Beispiel hierfür ist die Batteriezellen-Technologie für Elektroautos: Um die Batterien noch besser machen zu können, muss die chemische Ebene erforscht und viel getestet werden. Da die Anzahl der chemischen Möglichkeiten aber so groß ist, ist es zeitlich und finanziell ausgeschlossen, all diese Varianten auszuprobieren. Mit Quanten Computing kann man diese Möglichkeiten aber simulieren. Man errechnet also im Vorfeld, mit welcher Chemie es sich lohnt, weitere Versuche zu machen. Simulationen dieser Größe sind mit den heutigen Rechnern nicht durchführbar. Dafür würde man mehr als den Strom benötigen, der weltweit an einem Tag verbraucht wird.

Wann wird Quanten Computing den Reifegrad einer Anwendung haben?
Das ist natürlich schwer zu sagen - vielleicht in 5-10 Jahren. Wir bereiten jetzt alles vor, damit Daimler loslegen kann, wenn es soweit ist.

Was genau machen Sie und ihr Projektteam für die Vorbereitung?
Letztendlich müssen wir die Anwendungsfälle mathematisch formulieren. Dafür gibt es gewisse Vorgaben, also Algorithmen, damit man die Simulationen auf einem Quantencomputer überhaupt durchführen kann. Die rechnen nämlich ganz anders als die heutigen Computer.

„Ich freue mich, dass ich die Entwicklung des Quanten Computing aktiv mitgestalten kann.“

Welche Jobprofile werden dafür benötigt?
Man braucht Menschen, die die Anwendungsfälle in eine mathematische Fragestellung übertragen und diese dann wiederum in Quantenalgorithmen darstellen können. Das ist natürlich nicht trivial. Denn das müssen ja Experten sein, die einerseits das fachliche Problem verstehen als auch Quantenalgorithmen schreiben können.
Interessanterweise haben wir genau solche Menschen auch schon innerhalb von Daimler gefunden: Wir haben Kolleginnen und Kollegen ausfindig gemacht, die in den 80er und 90er Jahren Physik studiert haben und sich gut mit Quantenmechanik auskennen. Weil das damals eher ein Nischenthema ohne Anwendungspotenzial war, sind diese Kollegen in die IT gegangen. Das Thema lag bei denen also 20 Jahre in der intellektuellen Schublade und erlebt nun sozusagen seinen zweiten Frühling.

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit?
Das fachübergreifende Miteinander, diese thematische und inhaltliche Vielfalt ist unglaublich inspirierend. Ich kann mir vorstellen, dass das gerade auch für junge Leute super attraktiv ist. Man lernt jeden Tag viel Neues und kommt mit so vielen Leuten von überall auf der Welt in Kontakt. Und das ist auch gut so, denn einer alleine wird die Welt nicht verändern können!

Was mögen sie an Daimler?
Worüber ich mich sehr freue ist, dass Daimler beim Thema Quanten Computing so weit vorne mit dabei ist, dass es also gelungen ist, sich an einer neuen Technologie so früh zu beteiligen. Es gibt viele externe Partner, die sagen „Hut ab!“. Das erfüllt mich schon mit Stolz und ich freue mich, dass ich diese Entwicklung aktiv mitgestalten kann.

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