In die Zukunft navigieren Vehicle Functions & Cloud Platform

Es gibt fast nichts, was Matthias Schneider im IT-Umfeld nicht schon gemacht hat: Bereits in den 90ern hat er am Autonomen Fahren gearbeitet, Internet ins Fahrzeug integriert, die Navigationssysteme aktualisiert und dann die Software-Basis der MBUX entwickelt. Heute leitet Matthias Schneider den Bereich „Vehicle Functions & Cloud Platform“ und gibt einen Ausblick, wie die IT die Mobilität weiter auf den Kopf stellen wird.

Herr Schneider, bitte stellen Sie sich den Leserinnen und Lesern kurz vor.
Ich bin 45 Jahre alt und bei Daimler für die Weiterentwicklung unserer Cloud-Technologie verantwortlich. In meiner Freizeit verbringe ich gerne Zeit mit meiner Familie und versuche auch hier spielerisch das Thema Softwareprogrammierung einzubauen. Ich kann einfach nicht anders. Zum Beispiel habe ich mit meinen Kindern eine Modelleisenbahn gebaut, die wir nun automatisiert fahren lassen. Ansonsten gehe ich gerne laufen, auch mal einen Marathon, und bin im Winter auf Skiern unterwegs.

Wann sind Sie bei Daimler eingestiegen?
Ich bin fast schon ein Urgestein in der Daimler Welt, ich habe 1994 parallel zu meinem Studium in Elektro- und Automatisierungstechnik hier angefangen. Ich habe dann schnell meine Leidenschaft für Forschung und Entwicklung entdeckt und mich während meiner Diplomarbeit mit dem autonomen Fahren beschäftigt. Konkret ging es dabei um den Einsatz neuronaler Netze und Künstlicher Intelligenz. Wir sind sogar schon stellenweise teilautomatisiert gefahren – natürlich in Prototypen. Und das schon vor 20 Jahren.

Wie ging es dann für Sie weiter?
Nach dem Studium bin ich im Bereich der Elektrotechnik eingestiegen. Hier habe ich mich mit dem Thema Digitalisierung und Fahrzeugvernetzung beschäftigt. Ich war damals einer der wenigen Software-Experten. Das war eine sehr spannende Zeit. Danach war ich für ein Jahr in Chicago (USA) und habe bei einem Dienstleister für Daimler Software entwickelt. Im Anschluss bin ich zurück zu Daimler und habe relativ schnell die ersten Führungsaufgaben übernommen.

Voll in seinem Element: Matthias Schneider an UX-Testständen.

Dann kam das Internet…
Das ist richtig. Unser Ziel war es, einen Internetbrowser ins Fahrzeug zu bringen. Also mit WAP-Technologie [Internetprotokoll für langsame Übertragungsraten und kleine Mobilfunkdisplays, Anm. d. Red.] das Fahrzeug ans Internet anzuschließen. Das war 2002. Danach habe ich mich um die Software unserer Navigationssysteme gekümmert, für alle Pkw.

Und dann hat schon die nächste Erfindung auf Sie gewartet: die MBUX.
Zumindest haben wir die Basis dafür geschaffen. Ich war drei Jahre in unserem RD-Center im Silicon Valley und habe dort ein neues Team aufgebaut. Unsere Aufgabe war es, eine völlig neue User Interface Software zu entwickeln. Das wurde dann die technische Basis für das User Interface der MBUX (Mercedes—Benz User Experience), unser lernfähiges Infotainmentsystem. Zurück in Deutschland habe ich die grafische Userschnittstelle mit meinem Team bis zur Serienreife entwickelt. 2018 haben wir damit dann Weltpremiere gefeiert.

Wow, das ist eine lange Liste an Innovationen. Was kommt als nächstes?
Nach der erfolgreichen MBUX-Einführung habe ich die Verantwortung für einen neuen Bereich übernommen, der sich um das Thema Cloud-Technologie kümmert. Hier geht es sprichwörtlich um das Gehirn unserer Fahrzeuge und darum, Elemente aus der Cloud ins Auto zu bringen. Wir wollen damit die digitale Transformation unserer Firma weiter vorantreiben.

Ohne Teamwork geht es nicht. „Bei mir kümmern sich 80 Kolleginnen und Kollegen um Cloud Technologie, IT-Infrastruktur und moderne Softwareentwicklung.“

Warum haben Sie sich für Daimler als Arbeitgeber entschieden?
Ich war damals mit mehreren Unternehmen in Kontakt und habe mich letztendlich für Daimler entschieden, weil mir die Atmosphäre hier am besten gefallen hat. Es wurde Eigeninitiative und –Verantwortung gefordert und gleichzeitig Freiraum geboten. Für mich die perfekte Kombination. Auch die Möglichkeit im Ausland zu arbeiten – und das mit der ganzen Familie zu erleben – war für mich ein Highlight. Hinzu kamen spannende Themen, an denen Daimler damals schon dran war, wie Elektrifizierung, Automatisiertes Fahren und Vernetzung.

Erklären Sie Ihren Job bitte an einem einfachen Beispiel? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Wir haben heute viele Millionen Autos auf der Straße, die alle schon mit dem Internet verbunden sind. Das bekannteste Beispiel hierfür ist, dass fast alle Autos Verkehrsdaten aus sogenannten „Clouds“ beziehen. Diese Daten werden über Rechenzentren oder Cloudinfrastrukturen an das Fahrzeug übertragen. Wir kümmern uns nun darum, dass die Fahrzeuge nicht nur empfangen, sondern auch senden können und wir die Daten sinnvoll weiterverarbeiten können. Natürlich immer nur wenn der Kunde das möchte und zustimmt.

Was würde das Fahrzeug denn zum Beispiel „Senden“?
Natürlich keine persönlichen Informationen des Fahrers, sondern Daten wie beispielsweise zur Erkennung von Glatteis. Stellt das Fahrzeug fest, dass es über Glatteis fährt und das ESP im Auto eingreift, kann es automatisch diese Info in die Cloud senden. Andere Fahrzeuge, die auf der gleichen Strecke fahren, können dann rechtzeitig diese Info erhalten und reagieren. Solche Mechanismen erhöhen letztendlich unsere Fahrsicherheit.

Ein wichtiger Bestandteil seines Jobs: Alle Daten im Blick zu behalten.

Wieso stellt IT/AI die Mobilität auf den Kopf?
In der klassischen Fahrzeugentwicklung ging es vor allem darum, Dinge mit wenig Rechenleistung zu lösen. Denn wir hatten damals keine anderen Möglichkeiten. Heute haben wir viel mehr Datenvolumen und Rechenleistung zur Verfügung, was das automatisierte Fahren überhaupt erst möglich macht. Wir können die enormen Datenmengen verarbeiten und übertragen. Deshalb stellen IT und AI die Mobilität auf den Kopf.

Und an welchem #NextBigThing arbeiten Sie heute?
Das Auto wird mehr und mehr zum Softwareprodukt. Dem Fahrer werden zunehmend Aufgaben abgenommen. Gleichzeitig steigt die Unterhaltung und Gamification im Fahrzeug wie zum Beispiel mit unserer MBUX. Damit entwickelt sich das Auto immer mehr zu einem Ort, an dem man gerne auch seine Freizeit verbringt. Diesen Ort versuchen wir mit Hilfe von Cloud Technologie zu schaffen.

Erzählen Sie uns bitte ein bisschen über Ihren Bereich. Wer arbeitet dort und wen suchen Sie?
Bei mir kümmern sich rund 80 Kolleginnen und Kollegen um Cloud Technologie, IT-Infrastruktur und moderne Softwareentwicklung. Wir suchen Experten, die uns helfen, unsere Cloud-Infrastruktur auf modernste Technologien aufzusetzen und weiterzuentwickeln. Ein weiteres Feld ist die IT Security. Das Vertrauen in unsere Marke und der sichere Umgang mit Daten ist uns enorm wichtig. Daher suchen wir auch hier Experten, die uns in diesem Feld unterstützen.

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