Fasziniert von KI und Archäologie

Als Data Scientist sorgt Nela Reichsöllner dafür, dass Maschinen und Fahrzeuge in Zukunft selbst intelligente Entscheidungen treffen können. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen bei Daimler TSS entwickelt sie Anwendungen für maschinelles Lernen und vorausschauende Wartung, die im gesamten Konzern zum Einsatz kommen – von der Produktion bis hin zum Fahrzeug. Warum „selbstdenkende“ Maschinen wichtig für unsere Gesellschaft von morgen sind, wie Daten Mobilität in Zukunft sicherer machen und was ein Hackathon mit ihrem Einstieg bei Daimler zu tun hat, erklärt uns die Spezialistin für Künstliche Intelligenz im Interview.

Der Austausch mit ihren Kolleginnen und Kollegen ist für Nela Reichsöllner enorm wertvoll.

Frau Reichsoellner, bei Daimler TSS arbeiten Sie an Konzepten, um Maschinen intelligenter zu machen. Um was geht es dabei genau?

Wir sind bei Daimler TSS so etwas wie die interne IT-Beratung. Wir erstellen ganzheitliche IT-Lösungen für den Konzern. Das heißt, die verschiedenen Fachbereiche von Daimler kommen mit ihren Fragestellungen und Datenquellen auf uns zu – beispielsweise, wenn es um ein Projekt zum automatisierten Fahren geht. Unsere verschiedenen Teams unterstützen die Fachbereiche, entwickeln Modelle und machen die Daten nutzbar. In meinem Team beschäftigen wir uns mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) und wie sie sich für die sogenannte Predictive Maintenance, also vorrausschauende Wartung, nutzen lässt.

Um was geht es bei Predictive Maintenance genau?

Bei Predictive Maintenance nutzen wir Künstliche Intelligenz, um den technischen Zustand des Fahrzeugs präzise vorauszusagen. Wenn zum Beispiel ein Bauteil vor seiner baldigen Verschleißgrenze steht, erhält der Fahrer rechtzeitig einen Hinweis, noch bevor etwas kaputtgehen kann. Das macht Fahrzeuge noch sicherer.

Und beim Thema Computer Vision?

Dabei dreht sich alles um das Lernen aus Bildern. Hierzu werden künstliche neuronale Netzwerke eingesetzt. Die Systeme registrieren etwa mithilfe der Bilddaten, die eine Kamera im Auto liefert, ob ein Fußgänger steht oder läuft und in welche Richtung er sich bewegt. Das Ergebnis könnte dann in die Entscheidung einfließen, wie sich ein selbstfahrendes Fahrzeug im Straßenverkehr verhält. In einem aktuellen Projekt arbeiten wir an einer Anwendung, die anhand von Bildern unsere Fahrzeugmodelle erkennt und präzise die technischen Details dazu liefert.

Mit Künstlicher Intelligenz und Predictive Maintenance gehören Pannen bald der Vergangenheit an. Damit machen wir Fahrzeuge noch sicherer.
Nela Reichsöllner an ihrem Arbeitsplatz in Stuttgart-Vaihingen.

Woher kommt Ihre Begeisterung für Datenströme und Künstliche Intelligenz?

Ich bin einfach ein KI-Mensch (lacht). Wir arbeiten oft mit sehr komplexen Algorithmen oder haben riesige Datenmengen. Solche Herausforderungen finde ich toll. Bei meiner Arbeit entwickle ich Anwendungen, die Menschen in Zukunft im Alltag unterstützen und die für mehr Sicherheit sorgen. Das ist etwas ganz Besonderes. Mit Künstlicher Intelligenz können wir Daten, die heute einfach zu komplex sind, um Zusammenhänge zu erkennen, in Zukunft Maschinen überlassen. So können wir Lösungen finden, die heute noch unerreichbar scheinen. Das bietet uns und unserer Gesellschaft immense Chancen.

Und was macht Ihnen bei Ihrem Job besonders Spaß?

Meine Arbeit ist sehr vielseitig. Einen Großteil meiner Zeit programmiere ich. Mir macht es Spaß, selbst Anwendungen und Algorithmen zu entwickeln und KI weiterzubringen. Mir gefällt es aber auch, wenn ich ab und zu an Hochschulen zu Gast bin, um Workshops zu leiten. Die Zusammenarbeit mit den Studierenden ist einfach erfrischend.

Wie arbeiten Sie in Ihrem Team zusammen?

Wir sind sieben Kolleginnen und Kollegen hier in Stuttgart, weitere acht sitzen in Ulm. Wir tauschen uns zu unseren Projekten und Erfahrungen aus und helfen uns gegenseitig, die beste Lösung zu finden. In unserem Team passt es menschlich – auch über die Arbeit hinaus. Weil wir uns aufgrund der Corona-Situation nicht persönlich treffen konnten, hatten sogar das ein oder andere digitale After-Work-Treffen.

Wie sind Sie eigentlich zu Daimler gekommen?

Ich war damals Studentin der Medieninformatik an der Hochschule der Medien in Stuttgart und habe am Daimler TSS Artificial Intelligence Garage Hackathon teilgenommen. Mein Team hat den dritten Platz beim Programmierwettbewerb belegt und die Ansprechpartner von Daimler TSS haben uns angeboten, an einem KI-Projekt mitzuarbeiten. Das war spannend und die kreative Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen hier hat mir von Anfang an Spaß gemacht.

Während meines Studiums habe ich am Daimler TSS Artificial Intelligence Garage Hackathon teilgenommen. Anschließend hat mir das Team die Mitarbeit an einem Projekt angeboten.
Frederike Rüppel (links) arbeitet eng mit Nela Reichsöllner zusammen - ihr Interview wird bald ebenfalls auf unserer Website zu finden sein!

Und danach Sie sind bei Daimler eingestiegen?

Ich habe dann erstmal meine Bachelorarbeit mit Daimler als Partner geschrieben. Dabei ging es um ein Projekt im Bereich Computer Visi-on und die Frage, wie sich Fahrzeuge auf Satellitenbildern identifi-zieren lassen – etwa um Staus zu erkennen. Nach meinem Abschluss bin ich dann 2019 in meinem jetzigen Team eingestiegen.

Was macht Daimler für Sie als Arbeitgeber aus?

Daimler bietet mir die Möglichkeit, mich persönlich weiterzuentwickeln. Gerade fange ich mit meinem Masterstudium im Bereich Artificial Intelligence an der University of Bath an. Ich habe mich bewusst für eine Universität in Großbritannien entschieden, weil ich einen neuen Blick auf das Thema gewinnen will. Bei Daimler habe ich die Flexibilität dazu und darüber hinaus kooperiert Daimler auch mit vielen Hochschulen. Wenn es um Studium und Weiterbildung geht, gibt es hier sehr viele Möglichkeiten.

Noch eine persönliche Frage: Wenn Zeitreisen möglich wären, wohin würden Sie reisen?

Geschichte begeistert mich schon immer. Ich habe sogar Geschichte und Archäologie studiert. Besonders fasziniert mich die Antike. Die Menschen damals hatten eine sehr weltoffene Kultur und waren uns in manchen Dingen voraus. Wenn es um die Gleichberechtigung von Frau und Mann geht, waren die Etrusker beispielsweise schon sehr weit. Eine Reise in diese Zeit würde mich reizen (lacht).

Die Begeisterung für Algorithmen und Datenströme liegt bei Nela Reichsoellner in der Familie – schließlich sind auch drei ihrer vier Brüder studierte Informatiker. Weil sie die Vergangenheit ihrer Heimat besser verstehen will, entscheidet sich die gebürtige Rumänin zunächst für ein Studium in Geschichte mit dem Zweitfach Englisch. Später studiert Sie Archäologie in Innsbruck. Nach einem Umzug nach Stuttgart und inspiriert von ihren Brüdern beginnt Nela Reichsoellner dann ein Studium in Medieninformatik an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Durch ein Praktikum bekommt sie die Gelegenheit, ein automatisiert fahrendes Fahrzeug zu testen – und ist sofort von der dahinterstehenden Technologie fasziniert. Heute nutzt sie ihre analytischen Fähigkeiten nicht nur, um Fahrzeuge und Maschinen bei Daimler intelligenter zu machen, sondern auch privat. Bei einem aktuellen Projekt verbindet sie ihre Leidenschaft für KI und Archäologie und entwickelt Konzepte für eine App, die anhand von Bildern historische Fundstücke genau datiert und einer Kultur zuordnet.

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