Life Hack per App "pacTris" löst mit künstlicher Intelligenz ein alltägliches Problem

Sebastian Thiemt ist studierter Maschinenbauer mit Schwerpunkt Industriedesign. Mit zwei Kollegen hatte er 2015 im Rahmen eines Innovations-Wettbewerbs auf dem konzerninternen „Digital Life Day“ die Idee für eine App. Mittlerweile ist für diese App ein ganzes Team verantwortlich: Elf Kolleginnen und Kollegen entwickeln „pacTris“. pacTris hilft Kundinnen und Kunden, durch künstliche Intelligenz (KI, Artificial Intelligence, AI) ihr Auto effizient zu beladen. Im Interview erklärt uns Sebastian die Besonderheiten dieser App und wie aus einer Idee ein Team wurde.

Aus der Idee wird ein Team: Mittlerweile arbeiten 11 Kolleginnen und Kollegen an „pacTris“.

Hallo Sebastian, du bist 2012 bei Daimler als Trainee in einem internationalen Talentprogramm gestartet. Das war aber nicht dein erster Kontakt mit Daimler.
Richtig, noch als Student habe ich ein Praktikum bei Daimler in Palo Alto, USA gemacht. Ganz ehrlich: Ich hatte davor eigentlich geglaubt, bei Daimler arbeiten die ‚grauen Herren‘ aus Momo. Aber dieses Industriepraktikum bei RDNA (Research & Development North America) hat mich eines Besseren belehrt: Wir haben dort in einem internationalen Team Innovationen erforscht und entwickelt. Unter anderem haben wir eine der ersten Mercedes-Apps programmiert. Meine Affinität zum Digitalen ist dort erst richtig entstanden und letztendlich hat diese Zeit den Grundstein für unsere „pacTris-App“ gelegt.

Was war denn so ganz anders als erwartet bei Daimler?
Einerseits die Innovationskraft und die Suche und der Wille nach den besten Lösungen, andererseits aber auch die Arbeitskultur: dass mit Menschen aus unterschiedlichsten Fachgebieten ein tolles Team aufgebaut werden kann und auch, wie man eine heterogene Gruppe motivieren kann. Das habe ich dort erlebt und viel für meine jetzige Arbeitsgruppe lernen können.

Sprechen wir mal über deine „pacTris“-App. Wie hat das angefangen?
Zwei Kollegen, die ich im Talentprogramm kennengelernt hatte, und ich wollten bei dem ersten Digital Life Day 2015 mitmachen. Das Motto des dortigen Innovations-Wettbewerbs lautete „Technologie für den Kunden erlebbar machen“. Und wir hatten die Idee, dass man eine App mit einer Künstlichen Intelligenz entwickeln sollte, die dem Kunden im Baumarkt oder im Möbelhaus anzeigt, ob das, was er kaufen will, noch in sein Auto passt und auch, wie er es am besten einladen könnte – eigentlich ein typisches „Knapsack-Problem“, also – einfach gesagt – wie bekomme ich verschiedene Dinge am besten und idealerweise vollständig in einen Rucksack, einen Koffer oder eben eine Kofferraum gepackt.

Ich hatte davor eigentlich geglaubt, bei Daimler arbeiten die ‚grauen Herren‘ aus Momo.
Nah an der Zielgruppe: Den Gabelstaplerführerschein hat Sebastian Thiemt, um die operative Logistik besser zu verstehen.

Wie bist du darauf gekommen?
Wahrscheinlich, weil ich selbst so oft umgezogen bin – mit einem sehr kleinen Auto. Ich habe mir für meinen ersten Umzug mit Excel ein Programm geschrieben, das mir ausgerechnet hat, wie ich möglichst effizient meinen Wagen beladen kann. Aber das Programm war natürlich total unflexibel und es ist ja auch sehr unpraktisch, mit einer Excel-Tabelle im Möbelhaus zu stehen.

Ihr habt mit dieser Idee gewonnen, richtig?
Ja, das war toll und der Startschuss unserer Entwicklungsphase. Angefangen hat es mit „pacTris“ für smart. Unser Traum war damals aber schon, alle Mercedes-Benz Modelle abbilden zu können. Und das hat letzten Endes auch geklappt. Mittlerweile arbeiten wir zu elft im Team und wir werden nach und nach pactris für alle Mercedes-Benz Baureihen anbieten. Der Algorithmus der KI hat sich über die Jahre ziemlich geändert: Wir haben inzwischen KI-Entwickler im Team und vom ursprünglichen Algorithmus ist nicht mehr viel übrig [lacht].

Über einen Bericht im Intranet ist dann ein Logistikplaner von Daimler auf euch aufmerksam geworden…
Ja genau. Und inzwischen pilotieren wir „pacTris pro“. Das ist eine App speziell für die Logistik; und zwar nicht nur für die Planer, sondern direkt für die Gabelstaplerführer, die die Container beladen müssen. Ich habe mittlerweile auch einen Gabelstapler-Führerschein, denn ich wollte die Welt der operativen Logistik verstehen und nicht ein Produkt nur vom Schreibtisch für den Schreibtisch konzipieren. Die App reagiert in Sekundenschnelle auf Abweichungen. Das heißt: Wenn eine Ladung nicht gekommen ist oder in einem größeren Paket als geplant angeliefert wurde, dann erfasst das die App sofort und berechnet innerhalb von wenigen Sekunden für den Gabelstapelführer neu. Das Ganze ist auch deshalb so besonders, weil das System total flexibel ist. Ein vergleichbares Produkt auf dem Markt würde für eine Neuberechnung Stunden brauchen.

Ich habe mir für meinen ersten Umzug mit Excel ein Programm geschrieben, das mir ausgerechnet hat, wie ich möglichst effizient meinen Wagen beladen kann.
Mit “pacTris pro” soll die Lagerlogistik in Zukunft noch effizienter gestaltet werden.

Wie schafft das eure App?
Der Erfolg von „pacTris pro“ baut eigentlich auf drei Merkmalen auf: Erstens haben wir einen sehr schlauen Datencrawler, zweitens kombiniert unsere KI zwei Technologien miteinander (nämlich genetische Algorithmen und das sogenannte „Reinforcement Learning“) und drittens verknüpfen wir alles mit neuartigen 3D-Sensoren.
Wir pilotieren das System gerade in einer großen Logistikhalle bei Speyer. Das Ergebnis ist sehr vielversprechend und hat unsere Erwartungen übertroffen: Durch unsere App können komplette Schiffsladungen an Containern eingespart werden! Es gibt auch schon Anfragen aus anderen Konzernbereichen.

Das klingt wirklich toll und wir sind gespannt, wo uns in Zukunft „pactris“ noch begegnen wird. Kannst du uns sagen, was dir an Daimler als Arbeitgeber gefällt?
Diese Möglichkeiten! Dass es vereint in einem Konzern so viele verscheiden Fachbereiche gibt und man auf ein großes Netzwerk von Expertinnen und Experten zugreifen kann, das ist schon einmalig!

Ich habe mittlerweile auch einen Gabelstapler-Führerschein, denn ich wollte die Welt der operativen Logistik verstehen und nicht ein Produkt nur vom Schreibtisch für den Schreibtisch konzipieren.

Und noch eine private Frage zum Abschluss: Es ist Samstag 10:30 Uhr. Wo trifft man dich da in der Regel an?
Ganz ehrlich? Sehr wahrscheinlich im Baumarkt. Im Herzen bin ich ja Ingenieur und habe eigentlich jedes Wochenende ein kleines Bauprojekt am Start! Ich gehe immer mit meinem kleinen Sohn – der liebt Baumärkte nämlich auch!

Sebastian Thiemt ist 32 Jahre alt und Maschinenbauer mit dem Schwerpunkt Industriedesign. Studiert hat der Vater eines zweijährigen Sohnes in Stuttgart. Seine erste Berufserfahrung sammelt Sebastian in einer Werkzeugfirma mit der Entwicklung von Kettensägen. Sein erstes Trainingsmodul im Traineeprogramm von Daimler wird Sebastian nicht so schnell vergessen: es ist das Jahr 2014 und gemeinsam schaut man das Fußball-WM-Halbfinale Brasilien - Deutschland. Der spätere Weltmeister Deutschland gewinnt 1:7. Delikaterweise findet sein zweites Trainingsmodul drei Monate später in Brasilien statt.

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