Wie KI-Forschung neuen Luxus im Fahrzeug schafft

„Hey Mercedes, fahr mich zur Arbeit“ – mit Künstlicher Intelligenz (KI) interagieren wir in Zukunft ganz intuitiv mit unserem Auto. Sogar Smalltalk ist dann möglich, meint Dr. Teresa Botschen. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen im AI Research Team bei Mercedes-Benz arbeitet die promovierte Informatikerin und KI-Expertin daran, Fahrzeuge intelligenter zu machen – für noch mehr Komfort und das perfekte Fahrerlebnis. Wie sie die Brücke zwischen Forschung und Fahrzeug spannt und wie bei ihr im Team ganz unterschiedliche Köpfe gemeinsam Ideen umsetzen können, erzählt sie uns im Interview.

Frau Dr. Botschen, sind Fahrzeuge bald so schlau wie Menschen?

Das kommt auf Ihre Definition von „schlau“ an (lacht). Fahrzeuge werden in Zukunft sicher viel flexibler auf unterschiedliche Situationen reagieren können. Möglich macht das Machine Learning. Das prominenteste Beispiel dafür ist ja aktuell die Entwicklung automatisierter Fahrzeuge. Künstliche Intelligenz bietet aber noch viel mehr Anwendungsfelder. Bei Daimler nutzen wir die Technologie in den unterschiedlichsten Bereichen. Ein Feld, das ich besonders spannend finde, ist die Fahrer-Fahrzeug-Kommunikation, also die Frage: Wie kommunizieren und interagieren wir künftig mit unseren Fahrzeugen? Hier ist das Potenzial riesengroß.

Bei Daimler für KI unterwegs: Im AI Research Team unterstützt Dr. Teresa Botschen Anwender aus dem gesamten Konzern dabei, Machine Learning einzusetzen.

Im AI Research Team sind Sie die Expertin für Natural Language Processing. Um was geht es dabei genau?

Vereinfacht gesagt bringe ich unseren Autos bei, menschliche Sprache besser zu verstehen. Eine große Herausforderung für Maschinen ist dabei die Mehrdeutigkeit unserer Sprache. Das führt ja auch bei der Kommunikation zwischen Menschen oft genug zu Missverständnissen. Ein einfaches Beispiel: Wenn Sie Ihrem selbstfahrenden Fahrzeug in ferner Zukunft sagen „Parke bei der Bank“, könnte die Sitzbank am Straßenrand gemeint sein oder die Bankfiliale um die Ecke. Es kommt auf den Kontext an. In unserem Team entwickeln wir Methoden, um Fahrzeugen situationsbezogene Entscheidungen zu ermöglichen, zum Beispiel, indem wir zusätzlich Kameras nutzen und Sprach- und Bildverarbeitung multimodal kombinieren.

Das heißt, in Zukunft können wir uns mit unserem Fahrzeug richtig unterhalten?

Fast (lacht). Stellen Sie sich vor, Sie sind morgens auf dem Weg zur Arbeit und lassen sich von Ihrem Fahrzeug die neuesten Nachrichten vorlesen, Sie kommentieren die News und das Auto sucht passend zu Ihrem Kommentar entsprechende weitere Infos. Das kann einer echten Unterhaltung schon sehr nahekommen, wobei wir ein großes Augenmerk auf einen transparenten und verantwortungsvollen Einsatz von KI legen. Unser Ziel ist nicht, dem Fahrer einen Menschen vorzugaukeln, sondern ihn im Auto bestmöglich zu unterstützen. Auf jeden Fall wird die Interaktion von Mensch und Fahrzeug viel intuitiver, gleichzeitig werden die Fahrzeuge auch proaktiver.

Was meinen Sie damit?

Wenn Sie Ihrem automatisierten Fahrzeug etwa den Auftrag geben „Fahre mich nach Stuttgart“, könnte das System erkennen, wer gerade einsteigt, und uns dazu individuelle Vorschläge für die Route machen. Sie steigen also zum Beispiel frühmorgens mit Ihrer Laptoptasche ein. Der Algorithmus kombiniert daraus, dass Sie auf dem Weg zur Arbeit sind, und bietet Ihnen einen Zwischenstopp bei Ihrem Lieblingsbäcker an. Und wenn Sie nachmittags mit Ihrer Familie einsteigen vielleicht eher einen Zwischenstopp auf einem schönen Rastplatz mit Spielplatz.

Ein Feld, das ich besonders spannend finde, ist die Fahrer-Fahrzeug-Kommunikation, also: Wie kommunizieren wir künftig mit unseren Fahrzeugen. Hier ist das Potenzial für KI riesengroß.
Gut vernetzt zur nächsten Innovation: Bei der Entwicklung smarter KI-Lösungen ist Dr. Teresa Botschen mit Start-ups der Community und Forschung im Austausch.

Und im AI Research Team erarbeiten Sie Lösungen, um solche Technologien bei Daimler einzusetzen?

Ja, aber Language Processing und Fahrer-Fahrzeug-Kommunikation machen nur einen Teil unserer Projekte aus. Mit unserem Team unterstützen wir Fachbereiche aus dem ganzen Konzern dabei, verschiedene Technologien rund um Machine Learning für ihre Prozesse einzusetzen – ob als Werkzeug der Entwicklung oder im Fahrzeug z. B. für eine Digital Luxury Experience, also Anwendungen, die in unseren Fahrzeugen für das perfekte Fahrerlebnis sorgen. Jedes Projekt ist anders. „One-Size fits all“ gibt es bei uns nicht. Das macht meine Arbeit so spannend.

Wie können wir uns Ihr Team vorstellen?

Ziemlich bunt und interdisziplinär. Wir sind Kolleginnen und Kollegen aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten – von Physik und Mathematik bis hin zu Elektrotechnik und Informatik. Das ist auch wichtig, wenn wir an neuen, innovativen Themen arbeiten. Je nachdem, welche Expertise für ein Projekt gefragt ist, stellen wir unsere Projektgruppe mit zwei, drei Kolleginnen und Kollegen zusammen. Wir arbeiten natürlich dabei immer ganz eng mit den Entwicklungsbereichen aber auch mit Legal zusammen. Und für Projekte, bei denen es um Sprach- und Textverarbeitung geht, habe ich gemeinsam mit einem Kernteam eine konzernübergreifende NLP (Natural Language Processing) Community etabliert.

Neue Ideen einfach ausprobieren: Bei Daimler hat Dr. Teresa Botschen viel Freiraum, um die Forschung an KI voranzutreiben – und direkt in die Praxis umzusetzen.

Was ist für Sie das Besondere am AI Research Team?

Wir sind eine motivierte und kreative Gruppe. Der interdisziplinäre Austausch ist super spannend und bringt oft ganz neue Blickwinkel. Und wir haben einen großartigen Teamgeist, nicht nur im AI Research Team, sondern in der ganzen Abteilung. Oft bieten wir in unserem Team auch Abschlussarbeiten oder Projekte für Studierende. Der Austausch mit Universitäten und Startups ist für mich persönlich sehr wichtig.

Weil Sie selbst aus der Forschung kommen?

Ja, bevor ich im AI Research Team gestartet bin, war ich Doktorandin an der TU Darmstadt und habe dort im Forschungsfeld Natural Language Processing promoviert und Systeme zur automatischen Textanalyse und zum multimodalen Sprachverstehen entwickelt. In dieser Zeit war ich unter anderem auf einer internationalen Konferenz, auf der auch meine späteren Kollegen von Daimler neue Forschungsergebnisse vorgestellt haben, und wir kamen ins Gespräch. Mich hat beeindruckt, mit welchem fachlichen Tiefgang bei Daimler zu Künstlicher Intelligenz geforscht wird.

Was macht Daimler für Sie als Arbeitgeber aus?

Was ich persönlich toll finde, ist, dass ich hier die Möglichkeit habe die Ergebnisse aus der Forschung in konkreten Anwendungen zu verwirklichen. Bei Daimler wird viel in die Zukunft investiert. Wir haben eine große Innovations-Werkstatt, in der wir Prototypen bauen und neue Ideen einfach mal ausprobieren können. Forschung heißt ja, dass auch mal etwas herauskommt, das nicht sofort in Serie produziert werden kann. Hier haben wir die Freiheit, die Forschung an KI voranzutreiben.

Zum Abschluss haben Sie einen Wunsch frei: Was darf in Ihrem Traumbüro nicht fehlen?

Ein Plätzchen für meine Schäferhündin. Sie leistet mir gerade im Homeoffice Gesellschaft und jede Videokonferenz mit Kolleginnen und Kollegen wird viel lockerer, wenn sie sich zwischendurch mal ins Bild schiebt und guckt, mit wem ich da eigentlich rede (lacht).

Dr. Teresa Botschen (30) bringt bei Daimler neueste KI-Technologien aus der Wissenschaft ins Auto. Gemeinsam mit ihrem interdisziplinären Team treibt sie die KI-Forschung im Konzern voran. Die Expertin für Natural Language Processing startete ihre Reise mit der Künstlichen Intelligenz im Studiengang Kognitionswissenschaft an der Universität Tübingen. Ihrem Master in Computational Statistics and Machine Learning am University College London ließ sie eine Promotion mit dem Thema Natural Language Processing an der TU Darmstadt folgen. Neben ihrer Forschung bei Daimler entdeckt sie gerne die Welt in Städtereisen und Bergtouren, singt Musical-Lieder im Chor oder hat viel Spaß beim Training mit ihrer Hündin.

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