Daten- und Finanzexperten arbeiten Hand in Hand

Timo Gemmecker hat ein Ziel: die Arbeit seiner Kolleginnen und Kollegen bei Daimler einfacher und noch effektiver zu machen. Als Teamleiter für Business Analytics treibt er die Digitalisierung im Bereich Finance und Controlling voran und sorgt dafür, dass Technologien wie Künstliche Intelligenz in Zukunft so normal sind wie heute Office-Anwendungen. Im Interview erzählt der studierte Chinawissenschaftler und Betriebswirt, wie er zu seinem ersten Einsatz für Daimler in China kam, weshalb bei Veränderungsprozessen Vertrauen wichtig ist und warum Digitalisierung kontinuierliches Lernen braucht.

Herr Gemmecker, auf was kommt es Ihrer Meinung nach bei der Einführung neuer digitaler Technologien an?

Oftmals überraschenderweise weniger auf die Technologie selbst (lacht). Wichtiger ist, dass die Menschen auf die neuen digitalen Werkzeuge vorbereitet sind und verstehen, welche Möglichkeiten sie uns für unsere Arbeit bieten. In einem aktuellen Produkt führen wir beispielsweise Künstliche Intelligenz bei der Analyse von Daten ein. Ein von uns trainierter Machine Learning Algorithmus berechnet präzise Prognosemodelle. Die neue Technologie wird uns so in Zukunft unter anderem eine wesentlich genauere Budgetplanung ermöglichen. Gelingt es uns, unseren Kolleginnen und Kollegen diesen Nutzen verständlich zu machen, wird der Umstieg schneller und einfacher. Das funktioniert aber auch nur mit dem nötigen Vertrauen.

Was meinen Sie damit?

Wenn wir neue Technologien in unsere bewährten Finanzprozesse integrieren, geschieht das meistens im laufenden Betrieb. Manchmal lassen wir eine Zeit lang die alten und neuen Systeme nebeneinander laufen. Das gibt Sicherheit und baut bei gleichen oder gar besseren Ergebnissen langsam Vertrauen in die neuen Algorithmen und Tools auf. Wir investieren auch stark in die Erklärbarkeit der neuen Lösungen. Hinzu kommt, dass durch die Digitalisierung oft Teams zusammenarbeiten, die vorher wenig miteinander zu tun hatten. Datenexperten arbeiten plötzlich Hand in Hand mit Finanzexperten. Auch hier muss natürlich Vertrauen aufgebaut werden.

Wie schaffen Sie dieses Vertrauen?

Transparenz ist dabei besonders wichtig. Vertrauen entsteht erst, wenn die neue Lösung inhaltlich nachvollziehbar und der Vorteil klar spürbar wird. Wir tauschen uns deshalb sehr früh mit den Kolleginnen und Kollegen aus und arbeiten über Abteilungsgrenzen hinweg als ein Team zusammen. Nur so können wir die gemeinsame Aufgabe der Transformation im Finanzbereich hinbekommen.

Persönlicher Austausch scheint also ein Erfolgsfaktor zu sein. Wie gehen Sie damit in aktuellen Zeiten von mobilem Arbeiten um?

Der persönliche Austausch ist jetzt wichtiger denn je. Mit moderner Software für digitale Kooperation klappt das auch in der aktuellen Lage richtig gut. Auch bei unserem Data & Analytics Trainingsprogramm setzen wir noch stärker als bisher auf eLearning.

Digitalisierung verlangt einen Kulturwandel. Dieser andauernde Lernprozess ist immer mehr Teil unserer Arbeit.
Timo Gemmeckers Karriere bei Daimler startete vor 10 Jahren mit einem Praktikum in Shenzen.

Erzählen Sie uns mehr über das Programm…

Gerne. Jedes KI-Modell kann noch so gut sein, erfolgreich wird es erst in der Kombination mit unserer menschlichen Expertise. Eben deshalb sind Schulung und Weiterbildung so ein wichtiger Punkt für uns. Unser Ziel ist es, unseren Finanzexperten die nötigen Fähigkeiten zu vermitteln, um die Zukunft aktiv mitzugestalten. Konkret bilden wir Data Scientists, Data Engineers und Data Analysts aus. Und auch für unsere Führungskräfte haben wir einen Entwicklungsgpfad zum Data Executive. Neben den Schulungsangeboten geht es auch darum, einen Kulturwandel anzustoßen.

Wohin geht dieser Kulturwandel?

Technologie wird unsere Arbeit langfristig tiefgehend umgestalten. Künstliche Intelligenz und Advanced Analytics werden dann so normal sein wie Office-Anwendungen heute. Grundlage dafür ist eine „Datenkultur“. Konkret heißt das: neue Verhaltsweisen beim Erfassen, Analysieren und Teilen von Daten. Dieser andauernde Lernprozess ist immer mehr Teil unserer Arbeit. Das ist eine Erfahrung, die ich für mich selbst bei Daimler als Teamleiter für den Bereich Controlling in China gemacht habe.

Worum ging es bei Ihrer Arbeit in China?

Ich bin 2015 für Daimler nach Peking gegangen. Gemeinsam mit meinen zehn Teammitgliedern haben wir das Controlling für die gesamte Zentrale von Daimler in China verantwortet. Aufgrund des rasant wachsenden Marktes ist die Komplexität der Aufgaben dort sehr schnell gestiegen. Wir hatten oft hunderte Anfragen am Tag. Das war für das Team auf Dauer nicht zu schaffen. Schnell war klar, dass wir unsere Arbeitsweise digitalisieren und unsere Prozesse neu strukturieren müssen.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Wir haben klein angefangen und zum Beispiel Schritt für Schritt klassische Tabellenkalkulationsprogramme und Papierlösungen komplett aus den Prozessen verbannt. Das war ein großer Schritt für das Team und erstmal ungewohnt. Besonders wichtig war es deshalb, den Kolleginnen und Kollegen Bedenken zu nehmen. Als unsere neue Systemlandschaft dann lief und die Arbeit im Controlling wesentlich erleichterte, beschleunigte und neue Analysemöglichkeiten bot, war das natürlich ein besonderes Erfolgserlebnis für uns als Team.

Der persönliche Austausch ist jetzt wichtiger denn je. Mit moderner Software für digitale Kooperation klappt das auch in der aktuellen Lage richtig gut.
Wie viele unserer Kolleginnen und Kollegen arbeitet Timo Gemmecker derzeit größtenteils im Home-Office.

Ihren ersten Einsatz für Daimler hatten Sie bereits 2010, ebenfalls in China. Wie kam es dazu?

Ich habe damals „Modern Chinese Studies“ an der Universität Köln studiert. Aus der Zeitung habe ich erfahren, dass Daimler mit dem chinesischen Unternehmen BYD das Joint-Venture „Denza“ für den Bau von Elektrofahrzeugen in Shenzhen gründet. Das hat mich direkt begeistert: Das erste EV Joint-Venture eines deutschen OEM und damals war eMobilität ja noch ein Nischenthema. Und dann war da noch der Standort: Shenzhen – die Tech-Metropole Chinas, des Landes von dem ich Sprache und Kultur ja bereits von einem Auslandssemester in Shanghai kannte…

… also haben Sie sich bei Daimler beworben.

Ja. Ich habe mich initiativ beworben! Eine Woche später hat tatsächlich der Finanzchef des Joint Ventures persönlich geantwortet und mir ein Praktikum angeboten. Ich war dann für sechs Monate in Shenzhen. Als Vermittler zwischen den Kulturen habe ich beispielsweise dafür gesorgt, dass die Prozesse und Systeme zu China passen und dass die Kommunikation funktioniert. Ich hatte dabei von Anfang an sehr viel Verantwortung.

Deshalb sind Sie auch nach Ihrem Einsatz bei Daimler geblieben?

Das war einer von mehreren Gründen. Bei Daimler habe ich die Möglichkeit gesehen, die technologische Zukunft mitzugestalten. Von Mobilität der Zukunft und Künstlicher Intelligenz bis Blockchain – Daimler ist bei den großen Themen vorne mit dabei. Das hat einen besonderen Reiz für mich. Gleichzeitig schätze ich die Diversität. Hier arbeiten viele unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Hintergründen und Fähigkeiten zusammen. Das ist sehr spannend.

Eine letzte Frage: Wie digital sind Sie privat unterwegs?

Schon sehr, aber ich mag auch analoge Technik. Eines meiner Hobbies ist die Fotografie. Dabei greife ich besonders gerne auf meine analogen Filmkameras zurück.

Von der Mobilität der Zukunft über Künstliche Intelligenz bis Blockchain – Daimler ist bei den großen Themen vorne mit dabei.
Persönlich: Timo Gemmecker (36) Seitdem sein Vater ihm als Kind ein traditionelles Spielzeug von einer China-Reise mitbrachte, ist Timo Gemmecker begeistert vom Reich der Mitte. Heute verbindet ihn noch viel mehr mit dem Land – schließlich lernte er seine heutige Frau während eines Praktikums¬aufenthalts bei Daimler in Shenzhen kennen.

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