BATTERIE WIRD ZUM MAINSTREAM

Die Batterien der Elektrofahrzeuge werden in Zukunft noch effizienter, preiswerter und schneller zu laden sein. Und sie werden andere Materialien in sich tragen. Andreas Hintennach, promovierter Chemiker und Mediziner ist Experte für Zelltechnologie bei Daimler und arbeitet mal eben an der Veränderung der mobilen Welt. Und das in einem der forschungsstärksten Unternehmen wie er findet.

Hallo, bitte stellen Sie sich den Leserinnen und Lesern kurz vor.
Mein Name ist Andreas Hintennach, ich bin 35 Jahre alt und habe Chemie und Medizin in Zürich studiert. Ich arbeite derzeit in der Forschung & Technologie zu Energiespeichern, also Batterien. Genau genommen zu Lithium-Ionen-Batterien, wie man sie im smart electric drive oder bald im EQC vorfinden kann.

Bei Daimler bin ich 2011 nach meiner Post-Doc-Phase eingestiegen. Ich kam frisch vom MIT [Massachusetts Institute of Technology] in den USA und habe bei Daimler in der Forschung für Batterien angefangen. Ein Bereich der damals noch relativ klein war, weil Batterieforschung zu dieser Zeit ein hochspezialisiertes Nischenthema war. Mittlerweile ist die Batterieforschung enorm gewachsen und ist quasi zum Mainstream geworden – was mich natürlich riesig freut!

Sie haben zwei Doktortitel. Welche Themen stecken dahinter?
Meine Promotionen habe ich in den Bereichen der Medizin und der Chemie geschrieben. In der Medizin ging es um elektrochemische Mikro-Sensoren, genauer gesagt um in vitro (also im Körper) Blutzucker-Diagnostik. Das war damals noch eine Vision, heute ist es in der Anwendung. Der zweite Doktortitel stammt aus der Chemie: Ich habe zu Lithium-Ionen-Batterien geforscht genauer gesagt über Laserspektroskopie (das ist ein Messverfahren, das man für die Untersuchung der Struktur von z. B. den Materialien nutzt, die in Batteriezellen verbaut sind).

Klingt nicht nach dem typischen „automobilen Hintergrund“
Autos haben mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. Für mich findet sich im Auto die perfekte Anwendung von Chemie und Analytik, insbesondere bei Elektroautos bzw. bei Fahrzeugen mit Brennstoffzellen. Der Blick des Chemikers ist also nicht so weit vom Automobil entfernt. Und das Beste ist, dass Daimler diesen Blick fördert und lebt. Wir haben eine sehr vielfältige Fachkultur, die meines Erachtens nach einzigartig in der Branche.

Warum haben Sie sich für Daimler als Arbeitgeber entschieden?
Bereits als Schüler habe ich gesehen, wie weit vorne Daimler in der Brennstoffzell-Forschung war. Stichworte hierzu sind NECAR1 und seine Nachfolger. Da stach Daimler schon hervor. Die Forschungskultur sowie der lange Atem sind bemerkenswert. Insbesondere im internationalen Vergleich - Daimler ist einer der forschungsstärksten Wettbewerber.

Wie hat sich die Arbeit für Sie mittlerweile verändert?
Mein Blick ist viel weiter geworden: Früher habe ich auf die Batterie-Zellen geschaut, heute habe ich das gesamte Auto im Blick. Es geht immer darum, das optimale Gesamtpaket zu schaffen.

An welchem #nextbigthing arbeiten Sie gerade?
Mein Team und ich haben vor allem die langfristige Verbesserung der Batterie im Fokus. Wir schauen in die Zukunft und arbeiten an den Antworten zu den Fragen, die erst in 10-15 Jahren gestellt werden. Es geht dabei einerseits um Funktionsmerkmale wie Reichweite, Effizienz, Schnelladen oder auch den Preis. Bei meiner Forschung geht es aber vor allem um die nachhaltige Verbesserung der Batterie. Hierbei stehen auch die einzelnen Materialien im Mittelpunkt. Konzepte aus der Physik und der Chemie spielen dabei die größte Rolle - letztendlich ist das Grundlagenchemie in der Anwendung. So setzt sich auch unser Team zusammen: hier arbeiten hauptsächlich Chemiker und Physiker, und weniger Ingenieure.

Erklären Sie Ihren Job bitte an einem einfachen Beispiel? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Entgegen des typischen Bildes eines Wissenschaftlers besteht mein Arbeitsalltag aus sehr viel Kommunikation und Zusammenarbeit. Man sieht mich also nicht mit einem weißen Kittel im Labor. Den einsamen Wissenschaftler, der für sich alleine grübelt, gibt es so nicht mehr. Heute ist Forschung gleichbedeutend mit internationaler Teamarbeit und das ist auch das Tolle an meinem Job.

Mein Team und ich sind auch die Schnittstelle zwischen Vorentwicklung und Entwicklung. Wir sind verantwortlich für das Wissensmanagement, das heißt unser Wissen zu teilen und im Unternehmen verfügbar zu machen.

Und ich muss natürlich mein Fachwissen aktuell halten. Demnach bin ich viel auf Tagungen, Konferenzen und lese viel Forschungsliteratur.

Wieso stellen IT und AI die Mobilität auf den Kopf?
Stichwort Quantum Computing: Mit dem Quantencomputer sind Berechnungen möglich, die jetzt noch unvorstellbar sind. Dies wird meines Erachtens nach vor allem die Logistik, grundlegend verändern. Mein Wunschszenario: Wenn es optimierte Routenvorschläge für Lieferungen gibt und elektrisch angetriebene - und damit flüsterleise - Lastwagen nachts ihre Ware in die Innenstädte transportieren, dann kann das eine enorme weitere Verkehrs- und Lärmentlastung sein. Die Auslastung des ÖPNV könnte hiermit ebenfalls optimiert werden und es würde weniger Stau in den Innenstädten geben. Zusammen mit dem autonomen Fahren bietet das ein Riesenpotenzial für die Mobilität der Zukunft, und eine neue Lebensqualität in den Städten.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage. Es ist Samstagmorgen 10:30 Uhr. Wo findet man Sie da in der Regel?
Wenn ich nicht gerade in einem Flugzeug für eine Dienstreise sitze, dann spiele ich zu der Zeit wahrscheinlich Tennis. Ich bin zwar etwas verschnupft, weil ich seit dem 30. Lebensjahr plötzlich zu den „Senioren“ zähle, aber es bleibt mein großes Hobby.

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