Künstliche Intelligenz für die Geschäftsmodelle von morgen

Mit Künstlicher Intelligenz (KI) einen echten Unterschied machen, das ist das Ziel von Chaitali Purkayastha. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen bei Mercedes-Benz Research & Development im indischen Bangalore entwickelt sie Geschäftsmodelle für die Mobilität von Morgen. Mit Daimler AI Vision hat die Expertin für KI und maschinelles Lernen eine einzigartige interne Plattform gegründet, die dem gesamten KI Geschäftsfeld dient. Wie diese digitale Community, die durch die Unterstützung von Kollege und Mentor Patrick Klingler entstand, die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von konzernweiten KI-Anwendungen verbessern kann, was sie sich für das Jahr 2090 erhofft und warum ihre Eltern bis heute ihre stärksten Vorbilder sind, erzählt Chaitali Purkayastha im Interview.

Frau Purkayastha, welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in den Fahrzeugen der Zukunft?

KI-Technologien sorgen gerade in ganz vielen Bereichen für einen enormen Entwicklungsschub – dabei ist es egal, über welche Zukunftsthemen der Mobilität wir uns unterhalten. Bei der Elektromobilität sorgen maschinelles Lernen und KI unter anderem für eine optimale Batterieauslastung und damit für eine höhere Reichweite. Wenn es um autonomes Fahren geht, brauchen wir Künstliche Intelligenz, um die Umgebung der Fahrzeuge zu erkennen, für die Pfadplanung sowie für die Interpretation von Sensordaten. Darüber hinaus entstehen ganz neue Services, die erst dank dieser Technologien möglich werden. Hier kommen wir ins Spiel. Wir können uns übrigens, gerne duzen. Ich bin Chaitali (lacht).

Gerne. Chaitali, mit Deinem Team entwickelst Du neue Geschäftsmodelle zum Thema Mobilität. Hast Du ein Beispiel dafür?

Ein Projekt, das wir umgesetzt haben, ist das Mercedes-Benz Truck Sharing. Der Service ermöglicht es Unternehmen, Lkws und Nutzfahrzeuge von Mercedes-Benz anderen Anwendern zur Verfügung zu stellen oder bei Bedarf von anderen Betrieben zu leihen. Unternehmen können ihre ungenutzten Lkws einfach online und unabhängig vom Ort freigeben. Dank Tracking behalten sie immer den Überblick über die Fahrzeuge. Die Fahrerinnen und Fahrer, die den geliehenen Lkw übernehmen, erhalten per Smartphone-App Zugang zu den benötigten Informationen, was den Prozess deutlich einfacher macht. Das bietet Unternehmen bei der Fuhrparkplanung ganz neue Möglichkeiten.

„Wenn wir Einsatzmöglichkeiten für KI sehen, tauschen wir uns mit den Kolleginnen und Kollegen aus und prüfen, wie wir mit neuen Technologien einen Mehrwert schaffen können.“

Wie gehst Du mit Deinem Team vor, wenn Du an solchen Apps arbeitest?

Oft kommen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen mit ihren Geschäftsideen auf uns zu. So war es auch beim Truck Sharing. Wir überlegen dann gemeinsam, welche Funktionen wichtig sind, um unseren Kunden optimalen Mehrwert zu bieten. Beim Truck Sharing haben wir das gesamte Softwarepaket mit den neuesten Technologien in einem agilen Projekt entwickelt. Innerhalb des Prozess haben wir zunächst das MVP (minimal funktionsfähiges Produkt) kreiert, bis hin zur produktionsfähigen Lösung für den Nutzer.

Dein Team begleitet die Services also von der ersten Idee bis zum Go-live?

Ja, das ist ganz oft so. Neben den Projekten, die wir für die Bereiche umsetzen, entwickeln wir auch eigenständig Anwendungen und Konzepte. Wir sind im Konzern weltweit gut vernetzt und wenn wir eine Einsatzmöglichkeit sehen, tauschen wir uns mit den Kolleginnen und Kollegen aus und prüfen, wie wir neue Technologien bestmöglich nutzen können und den Prozess verbessern können.

Eine Deiner Ideen war Daimler AI Vision. Um was geht es dabei genau?

Daimler AI Vision ist eine KI Community, mit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Daimler noch einfacher bereichsübergreifend bei den Themen Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zusammenarbeiten können. Im Konzern haben wir weltweit zahlreiche Entwicklungsteams, die an innovativen neuen Technologien forschen. Viele davon lassen sich mit wenig Aufwand für ganz unterschiedliche Anwendungen adaptieren, insbesondere dann, wenn wir uns über eine kollaborative Plattform austauschen. Mit meiner Expertise zu unterschiedlichen Technologien und meinem Wissen zu Produktentwicklung und –management, kam ich auf diese Community Idee, um das KI Geschäftsfeld innerhalb des Konzerns zu stärken.

Ein sehr klarer Ansatz. Wie ging es damit weiter?

Ich habe die Idee ausgearbeitet und mit meinem Team auf einem Innovations- und Entwicklungsevent von Daimler vorgestellt. Wir haben direkt positives Feedback und Unterstützung, sowie die notwendigen Mittel erhalten. Ich kontaktierte direkt Patrick Klingler, Lead Data & AI Architecture, der dem Team und mir dabei half die Plattform zum Leben zu erwecken und einen wirklich guten Fortschritt zu machen. Ich bin froh, einen so guten Mentor gefunden zu haben.

Viele Kolleginnen und Kollegen weltweit schätzen das Konzept von Daimler AI Vision. Mit unserer Communtiy möchten wir das Thema Künstliche Intelligenz voranbringen.

Wie bist Du eigentlich zu Daimler gekommen?

Ich habe damals für ein Telekommunikationsunternehmen gearbeitet und bin durch Zufall auf meine jetzige Stelle bei Daimler gestoßen. Bei meinem Bewerbungsgespräch hat mir mein späterer Vorgesetzter erklärt, mit welchen innovativen Themen und Technologien sich die Kolleginnen und Kollegen beschäftigten – von Chatbots über Mixed Reality, die Vermischung von Realität und virtueller Realität, bis zu Künstlicher Intelligenz. Das hat mich fasziniert und ich wusste sofort: hier kann ich viel lernen und mich weiterentwickeln. Kurz darauf bin ich dann im Team gestartet.

Wie können wir uns Dein Team vorstellen?

Wir sind zehn Kolleginnen und Kollegen. Jeder hat seinen eigenen Fachbereich: maschinelles Lernen, User-Interface- und User-Experience-Design, Data-Science und Full Stack Development. Alle begeistern sich total für neue Technologien und wir inspirieren uns gegenseitig bei unseren Projekten. Wir haben einen super Teamspirit und unternehmen auch nach der Arbeit viel zusammen.

Chaitalis Eltern haben sie immer zu inspiriert, unserer Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Und woher kommt Deine Technologie-Begeisterung?

Die kommt von meinen Eltern (lacht). Mein Vater hat als Statistiker in der nationalen Organisationsplanung der indischen Regierung gearbeitet und meine Mutter ist Telekommunikations-Ingenieurin. Beide haben mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass viele Menschen hier in Indien ein komfortableres Leben führen können. Das fand ich schon als Kind bemerkenswert – und das wollte ich auch erreichen. Im Studium hatte ich dann meinen ersten Kontakt zur Softwareentwicklung - für mich eines der wichtigsten Schlüsselelemente, um unsere Welt positiv zu verändern. Mit KI-Technologie können wir heute wirklich Großes schaffen, um unsere Gesellschaft und unser Business voranzubringen. Das motiviert und treibt mich an.

Noch eine persönliche Frage: Wenn Zeitreisen möglich wären, wohin würdest Du reisen?

Ich glaube, dann würde ich in das Jahr 2090 reisen. Der Blick in die Zukunft reizt mich: Ob wir dann bereits auf anderen Planeten leben, beispielsweise auf dem Mars oder sogar interstellar in andere Sonnensysteme vorgedrungen sind. Und natürlich möchte ich sehen, welche Auswirkungen die globale Erwärmung auf unsere Erde hat, damit wir heute noch mehr Maßnahmen dagegen ergreifen können.

Persönlich: Kreativität und die Leidenschaft für Menschen Produkte zu schaffen, die Mehrwert haben – das treibt Chaitali an. Ihr Bachelorstudium im Straßenbau-Ingenieurswesen absolviert sie an der Institution of Engineering India in ihrer Heimatstadt Kalkutta. Später entdeckt sie ihre Faszination für Software-Programmierung und macht ihren Master in Computer Science. An der IIMK (Indian Institute of Management Kozhikode) studiert sie zusätzlich Produktstrategie und hat auch einen Micromaster in Künstlicher Intelligenz an der Columbia Universität, USA erworben. Wenn Chaitali heute nicht mit ihrem Team bei Mercedes-Benz an innovativen Geschäftsmodellen für die Mobilität von morgen arbeitet, lebt sie ihre Kreativität als Tänzerin, Choreographin und Sängerin aus. Die Pflege traditioneller indischer Tänze wie dem Kathak ist der Philanthropin genauso wichtig wie ihr Engagement für soziale Projekte und die Unterstützung benachteiligter Kinder und Familien.

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