Programmieren ist wie Profisport

Emir Aritürk ist Profi, wenn es um Softwareentwicklung geht. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen vom Team User Interaction Software arbeitet er derzeit daran, dass Nutzer der kommenden Mercedes-Benz S-Klasse noch besser mit dem Fahrzeug interagieren können – und dass das Cockpit zu einem noch schöneren Erlebnis- und Wohlfühlort wird. Was Programmieren zum Profisport macht, warum es in Zukunft noch mehr auf die Software im Fahrzeug ankommt und was er als Ingenieur mit türkischen Wurzeln besonders am Technologiestandort Deutschland schätzt, erläutert Emir Aritürk im Interview.

Emir Aritürk in seinem Großraumbüro in Sindelfingen.

Herr Aritürk, Sie haben großes Talent, wenn es um Softwareentwicklung geht. Was reizt Sie am Programmieren?

Ich bin ursprünglich Ingenieur für Elektrotechnik und habe während meines Studiums schnell gemerkt, dass Programmieren die beste Möglichkeit ist, etwas Neues und Innovatives zu schaffen. Um große technologische Sprünge zu erreichen, wird in Zukunft Software noch wichtiger. Das gilt auch für die Entwicklung neuer Fahrzeuge. Natürlich hat die Motorleistung oder die Batterieleistung (bei Elektrofahrzeugen) weiterhin eine hohe Bedeutung. Es geht aber auch verstärkt darum, Wohlfühlräume für die Fahrzeuginsassen zu schaffen. Die sogenannte „User Interaction Software“ als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine spielt dabei eine wichtige Rolle.

Aktuell arbeiten Sie an der neuen S-Klasse, die im Herbst auf den Markt kommt. Wie gehen Sie dabei vor?

Bei der Entwicklung der User Interaction Software arbeiten wir bei Daimler auf verschiedenen Ebenen. Wenn es um die Programmierung der entsprechenden Teile geht, kommen wir ins Spiel.
Bei der Programmierung führen wir die Ergebnisse von Konzept und Design zusammen. Wir entwickeln die User Interaction Software von Grund auf – vom sogenannten „Frontend“, also dem Bereich, den die Fahrzeuginsassen später sehen, bis hin zum „Backend“.

Was ist das Besondere an der User Interaction für die neue S-Klasse?

Das ist natürlich noch streng geheim (lacht). Was ich aber verraten darf: wir werden viel mit visuellen Elementen arbeiten. Eine wichtige Rolle dabei spielen die neuen hochwertigen Bildschirmsysteme, die im Cockpit integriert sind. Die S-Klasse ist schon immer das Glanzstück von Mercedes-Benz. Im neuen System werden Fahrzeuginsassen in Zukunft mit künstlicher Intelligenz unterstützt. Kurz gesagt: Es wird einfach supercool.

Bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge geht es darum, Wohlfühlräume zu schaffen. Die User Interaction Software spielt dabei eine wichtige Rolle.
Bei der Programmierung führen wir die Ergebnisse von Konzept und Design zusammen“ sagt Emir Aritürk über seine Arbeit.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit in Ihrem Team?

In meinem Team arbeite ich mit neun Kolleginnen und Kollegen zusammen, allesamt sehr erfahren in der Entwicklung. Das macht natürlich besonders Spaß, weil ich immer etwas Neues lernen kann. Gleichzeitig ist der hohe Qualitätsanspruch bei Daimler eine Herausforderung. Damit Fahrzeuginsassen später das perfekte Fahrerlebnis haben, muss bei der Programmierung alles stimmen. Dafür müssen wir uns immer fit halten.

Was meinen Sie damit?

Programmieren ist wie ein Profisport, denn regelmäßiges Training ist enorm wichtig. In der User Interaction Software nutzen wir aktuellste Kenntnisse der Softwareentwicklung. Um auf diesem Niveau zu arbeiten, müssen wir uns regelmäßig, unter anderem mit Fachtexten, „up-to-date“ bringen.

Sie haben türkische Wurzeln und kennen Deutschland und die Türkei. Was reizt Sie am hiesigen Standort?

Deutschland ist bekannt für seine Innovationskraft. Das hatte natürlich für mich als Ingenieur einen besonderen Reiz. Während meines Studiums habe ich hier zwei Praktika, eines am KIT und eines bei Daimler Trucks in Untertürkheim, absolviert und meine Bachelorarbeit in Kooperation mit Daimler geschrieben. Zurück in der Türkei war ich für den Konzern in Istanbul tätig. Dann hat es mich wieder hierher gezogen und ich habe die Stelle in der Entwicklung in Sindelfingen angenommen. Solange ich jung bin, möchte ich internationale Erfahrungen sammeln. Bei Daimler habe ich sehr gute Möglichkeiten dazu.

Mit 26 Jahren bin ich eines der jüngsten Teammitglieder, bekam aber von Anfang an viel Vertrauen und Verantwortung.
Emir Aritürk hat mit Software Engineering sein Hobby zum Beruf gemacht.

Seit knapp eineinhalb Jahren arbeiten Sie mittlerweile im Team User Interaction. Wie waren die ersten Monate für Sie?

Wir arbeiten an sehr anspruchsvollen Projekten. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich detailliert eingearbeitet und mir alles erklärt. Ich wurde sofort in die Abläufe einbezogen. Das hat mich motiviert und mir den Einstieg wirklich deutlich erleichtert. Mit 26 Jahren bin ich eines der jüngsten Teammitglieder, bekam aber von Anfang an viel Vertrauen und Verantwortung.

Sind Sie auch privat ein Autofan?

Autos begeistern mich schon seit meiner Kindheit und Daimler steht wie kein anderes Unternehmen für Innovationen. Meine zweite Leidenschaft sind Flugzeuge. Ganz besonders das Cockpit mit seinen vielen Systemen und Knöpfen (lacht). Diese Faszination bringe ich auch ein, wenn ich bei meiner Arbeit neueste Technologien in das Cockpit der nächsten S-Klasse einbinde.

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie nicht programmieren?

In meiner Freizeit treibe ich regelmäßig Sport und mache Musik. Ich spiele Gitarre und singe dazu, darüber hinaus kann ich auch relativ gut Schlagzeug spielen. Dabei kommt es mir gar nicht so sehr auf die Musikrichtung an. Ich mag alles außer Rap (lacht). Außerdem beschäftige ich mich auch über die Arbeit hinaus gerne mit Softwareentwicklung. Ich lese gerne Fachbücher und lerne über neue Software-Technologien Den größten Teil meiner Programmierkenntnisse habe ich mir selbst beigebracht.

In der neuen S-Klasse werden Fahrzeuginsassen in Zukunft mit künstlicher Intelligenz unterstützt. Kurz gesagt: Es wird einfach supercool.
Als Emir Aritürk 2019 für seine Stelle als Softwareentwickler nach Sindelfingen kam, beherrschte er die deutsche Sprache bereits perfekt – schließlich war er während seines Studiums schon zum Praktikum am Karlsruher Institut für Technologie sowie bei Daimler Trucks in Untertürkheim. Um den sympathischen schwäbischen Akzent seiner Kolleginnen und Kollegen zu verstehen, musste er die Sprache bezie-hungsweise den Dialekt dennoch noch einmal tiefgehend auffrischen. Bei der Entwicklung klappte die Verständigung mit den Programmier-sprachen Python und C++ bereits vom ersten Tag an ausgezeichnet.

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