Eher Daten als Benzin im Blut! – IT Innovation Management

Mit 14 Jahren hat er seinen ersten Computer zusammengebaut – zum Zocken, wie er sagt. Jahre später baut er bei Daimler weiter, dieses Mal Prototypen zu Künstlicher Intelligenz (kurz: KI) unter anderem den virtuellen Assistenten „Ask Mercedes“. Patrick Klingler, Innovation-Manager in der IT bei Daimler erzählt, wie er die Künstliche Intelligenz im Unternehmen demokratisieren will. Der Gründer einer internen KI-Community gibt Einblicke in seine Arbeit, seinen Werdegang und berichtet, wie jemand, der eigentlich kein typischer „Car Guy“ ist, von Daimler begeistert werden kann.

Hallo Patrick! Stell dich unseren Leserinnen und Lesern kurz vor.
Mein Name ist Patrick Klingler, ich bin 31 Jahre alt und bei Daimler im Bereich IT für das Innovationsmanagement mit Fokus auf KI zuständig. Studiert habe ich Management mit Schwerpunkt IT und Innovation in Stuttgart-Hohenheim. Eigentlich bin ich nicht der typische „Car Guy“ – ich habe eher Daten als Benzin im Blut. Wenn ich die Wahl zwischen einem größeren Motor oder dem neuesten Infotainment-System hätte, würde ich ganz klar das Infotainment-System wählen.

Wann bist du bei Daimler eingestiegen?
2014 habe ich als Werkstudent in der Produktstrategie angefangen. Damals hatte ich ehrlich gesagt noch keine richtige Vorstellung und Begeisterung für Daimler: Ich dachte, das ist ein traditioneller Konzern, der gutbezahlte Jobs bietet. Ich hatte meine berufliche Zukunft eher in der Beratung oder in einer Tech-Firma gesehen. Aber dann konnte ich die Modelloffensive neuer Fahrzeuge live miterleben. Ich konnte zukünftige Baureihen entstehen sehen, erleben wie „digital“ gedacht wurde und was es für einen Veränderungswillen für Mobilität bei Daimler gibt. Die Arbeitskultur war ebenfalls ganz anders als erwartet. Ich habe gemerkt: „Hier wird etwas angepackt“. Mit dieser Begeisterung bin ich 2015 in ein internationales Talentprogramm bei Daimler eingetreten.

Wie ging es dann für dich weiter?
Ich habe KI-Prototypen für Apps „gebaut“. Wir sagen bauen, meinen aber eigentlich entwickeln und programmieren. Mein liebstes Baby ist „Ask Mercedes“. Ich hatte die große Chance, dieses Projekt dem Topmanagement vorzustellen. Und nun ist es ein Produkt, das unsere Kunden nutzen. Dahinter steht eine ganze Mannschaft, die tagtäglich tolle Arbeit leistet und dafür sorgt, dass das Produkt stetig weiterentwickelt wird.

Patrick unterstützt im „reverse monitoring“ das Top Management beim Thema Künstliche Intelligenz, unter anderem auch Sabine Scheunert (Leiterin Digital & IT Mercedes-Benz Cars Sales & Marketing)

Wie kann man einem Außenstehenden „Ask Mercedes“ erklären?
Ask Mercedes ist ein virtueller Sprach-Assistent, z.B. für das Smartphone, der Fragen rund um das Fahrzeug und seine Funktionen beantwortet. Die App ist eine Verbindung aus einem Chatbot und Augmented Reality – „seamless“ integriert sagen wir dazu. Die Plattform kann generisch wachsen, das bedeutet, dass sowohl weitere Funktionen oder Fahrzeugmodelle als auch weitere Chat-Bots integriert werden können.

Klingt spannend, ein Produkt direkt für den Endkunden. Gab es noch weitere innovative Projekte im Hintergrund?
In Kooperation mit unserer Achsen-Produktion in Mettingen habe ich einen Prototyp für ein Diagnose-Tool für Maschinen entwickelt. Dieser Prototyp basiert auf einer lernfähigen Suchmaschine. Mit diesem System konnten die Produktionsmitarbeiter Fehler viel schneller erkennen, einordnen und effizient reparieren.

Und was machst du jetzt?
Heute steht die Entwicklung von Prototypen bei mir nicht mehr im Vordergrund. Darum kümmern sich sehr kompetente Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Fachbereiche, die die Anwendungsfälle für KI identifizieren und umsetzen. Meine Mission ist jetzt die „Demokratisierung“ von KI im Unternehmen.

Das musst du erklären
Letztendlich geht es darum, KI zu skalieren, also im gesamten Unternehmen nicht nur bekannt zu machen, sondern eine Infrastruktur und eine Kultur zu schaffen, die es ermöglicht KI nach und nach als zentrales Instrument zu etablieren. Vor einem Jahr habe ich die KI-Community im Intranet gegründet. Hier können sich Experten und Interessierte austauschen und das Thema weiter vorantreiben. Die Community umfasst mittlerweile über 2.500 Mitglieder. Ich engagiere mich auch im „reverse mentoring“: hier unterstütze ich Top Manager beim Thema KI. Dabei geht es einerseits um das Aufzeigen von Möglichkeiten, auf der anderen Seite um die Entmystifizierung des Themas.

Entmystifizierung im Sinne von „KI kann alles“?
Ja, richtig. Es ist sehr wichtig eine realistische Einschätzung der Potentiale von KI zu vermitteln, um Verunsicherungen oder auch überzogenen Erwartungen vorzubeugen. Dazu gehört auch aufzuzeigen, was die Technologie kann. Noch wichtiger ist aus meiner Sicht allerdings darüber zu sprechen, was die Technologie nicht kann – wo also (zum heutigen Stand) ihre Grenzen liegen. Auch das Aufzeigen der notwendigen Voraussetzungen, beispielsweise die Verfügbarkeit von Daten, trägt zum allgemeinen Verständnis bei.

Erkläre deinen Job bitte an einem einfachen Beispiel? Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Den gibt es zum Glück nicht wirklich, mir wird nämlich schnell langweilig. Ich habe natürlich eine klare Mission und Aufgabe, nämlich neue KI-Technologie ins Unternehmen zu tragen und das Thema zu fördern, aber jeder Tag sieht anders aus. Ich bin beispielsweise häufig auf Fachmessen und Konferenzen unterwegs, ich recherchiere und lese viele Blogs, wissenschaftliche Publikationen, um auf dem neusten Stand zu bleiben. Ich darf aber aktiv neue technologische Trends oder Methoden ausprobieren. Ganz zentral in meiner Arbeit ist ein breites Netzwerk: so bin ich ständig in Austausch mit Universitäten, Tech-Konzernen und Fachleuten.

Enough of Business. Was machst du in deiner Freizeit?
Da suche ich bewusst den Ausgleich. Reisen gehört zu meiner Leidenschaft. Außerdem mache ich sehr viel Sport wie Fußball, Schwimmen oder Beachvolleyball – ich kann nämlich nur schwer still sitzen.

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