Was Wolken mit Autonomen Fahren zu tun haben

Über 100.000 Punkte blitzen auf. Unsichtbare Laserstrahlen schießen von Objekt zu Objekt. Sekundenschnell wird die Umgebung gescannt und erfasst. Was wie eine Science-Fiction-Episode klingt, ist in Wahrheit ein Lidar-Scanner. Der arbeitet nämlich auf Hochtouren, wenn es um die Entwicklung des vollautomatisierten Fahrzeugs geht. Andras Tüzkö ist studierter Informatiker sowie Ingenieur für Umgebungserfassung und gibt einen Einblick in die Welt des autonomen Fahrens und der Formula Student Germany. Dort konnte er sein Wissen das erste Mal praktisch anwenden.

Herr Tüzkö, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Ich bin 28 Jahre, komme aus Ungarn und bin im Herbst 2017 bei Daimler eingestiegen. Aktuell arbeite ich an vollautomatisierten und fahrerlosen Fahrzeugen in einem von Daimler und Bosch gemeinsam durchgeführten Projekt. Ich bringe unseren Autos das sensorbasierte Verstehen ihrer Umgebung bei. Zuvor habe ich meinen Master in Informatik mit dem Schwerpunkt „Maschinelles Lernen“ am KIT Karlsruhe abgeschlossen.

Wie sind Sie zu Daimler gekommen?
Das war ganz zufällig über die Formula Student Germany, einem Konstruktionswettbewerb für Studenten. Als ich 2017 daran teilgenommen habe, war es das erste Jahr, in dem Studenten auch ein fahrerloses Fahrzeug bauen durften. Ich war ganz happy. Denn das war meine Chance als Informatiker an einem Auto mitzuarbeiten. Daimler hat unser KIT-Driverless-Team gesponsert und bei der Fahrzeugkonstruktion mit Mentoren aus verschiedenen Fachbereichen unterstützt. Als ich beim Rennen auf der Tribüne saß und unser Fahrzeug auf der Rennstrecke beobachtet habe, hat sich plötzlich ein Kollege von Daimler umgedreht und gefragt „Brauchst Du einen Job?“. Wir haben dann dort auf der Tribüne quasi ein Speed-Bewerbungsgespräch geführt.

Das klingt skurril. Einfach so?
Ja, er muss wohl mitbekommen haben, dass ich mich um die Sensoren des fahrerlosen Autos gekümmert habe. Das hat ihn neugierig gemacht. Heute bin ich sehr froh, dass er mich so spontan angesprochen hat. Ganz ohne Formalien ging es aber natürlich nicht. Ich habe mich danach offiziell bei Daimler beworben und ein richtiges Bewerbungsgespräch geführt.

Wie genau läuft die FSG ab? Was waren die Herausforderungen im Driverless Team?
Die Teams arbeiten ziemlich genau ein Jahr lang an ihrem Fahrzeug und werden dabei von Unternehmen gesponsert. Zusätzlich stellen einzelne Unternehmen noch Mentoren zur Seite, also Fachexperten in ihrem Gebiet, die die Studenten bei dem Fahrzeugaufbau unterstützen. Daimler ist seit 2008 Partner der FSG und deshalb stark involviert. Die Herausforderung speziell für uns im Driverless Team war, dass wir komplett bei null anfangen mussten. Denn es gab keine vergleichbaren Fahrzeuge aus den vorherigen Jahren.

Sie sagen, Sie haben sich um die Sensorik gekümmert. Was bedeutet das genau?
Die Strecke wird mit Pylonen abgesteckt und das Kamerasystem, das ich entwickelt habe, hat diese Pylone dann erkannt und entsprechend bewertet. Das heißt, dass ich die Software so programmieren musste, dass beispielsweise die unterschiedlichen Farben der Pylone von der Kamera erfasst und beurteilt werden konnten. Sprich, gelb bedeutete beispielsweise links fahren, blau rechts. Heute mache ich das in einer etwas komplexeren Art und Weise in meinem Job als Ingenieur für Umgebungserfassung.

Was schätzen Sie an der FSG? Warum sollte man als Student oder Mentor teilnehmen?
Ich finde die Herausforderung toll. Als ich selbst teilgenommen habe, konnte ich unheimlich viel lernen. Nicht nur für meine eigene Fachexpertise, dem Kamerasystem, sondern auch von mir bisher fachfremden Themen. Zum Beispiel habe ich in meinem Team auch bei der Entwicklung des Emergency Brake Systems mitgeholfen. Das sind Dinge, die ich ohne die FSG gar nicht hätte machen können. Man lernt auch, wie man in einem großen Team arbeitet. Deshalb bin ich dieses Jahr auch als Mentor von Daimler dabei. Ich möchte mein Wissen teilen, die Erfahrung weitergeben und die Studenten unterstützen.

Heute arbeiten Sie an einem Projekt gemeinsam mit Bosch. Was steckt genau dahinter?
Wir möchten ein autonomes Fahrzeug entwickeln, mit dem wir einen vollautomatisierten und fahrerlosen Mitfahrservice anbieten können. Es geht also um ein Car2Go, das zu mir kommt, wenn ich es brauche. Wir sitzen gemeinsam mit den Kollegen in einem Büro und arbeiten an dem Konzept. Das ist ein hochspannendes Projekt!

Was sind hier Ihre Aufgaben?
Ich bin im Lidar-Team und wir entwickeln unterschiedliche Algorithmen für die Umgebungserkennung der Sensoren. Das funktioniert über sogenannte Lidar-Scanner. Hierbei werden für den Menschen ungefährliche Laserstrahlen ausgesendet, die von einer Oberfläche reflektiert werden. Die Sensoren messen dabei die Zeit bis die Strahlen wieder zurückkommen. Eine Oberfläche kann dann beispielsweise ein vorausfahrendes Auto, die Leitplanke oder eine Ampel sein. Das Ergebnis dieser Laserstrahlmessung nennt man Punktwolke. Es ist wie eine Landkarte, auf der man die Objekte und die Entfernung dazu erkennen kann.

Das klingt sehr komplex.
Ja, diese sogenannte Punktwolke besteht dabei meist aus über 100.000 Punkten, die erkannt werden müssen. Konkret bedeutet das, dass unser Team programmiert, ob ein einzelner Punkt gerade ein Fahrzeug, die Straße oder ein Gebäude trifft. So nähern wir uns langsam an die automatische Erkennung an.

Erzählen Sie uns bitte ein bisschen über Ihr Team. Wie setzt es sich zusammen?
Wir sind ein junges Team, alle Ingenieure und bringen einen breiten Studienhintergrund mit. Von Informatik und Elektrotechnik über Physik oder Mathematik ist alles dabei. Einige sind eher für die Hardware zuständig, andere für die Software. Bei letzterem liegt natürlich der Schwerpunkt, wenn es um das autonome Fahren geht.

Weitere Informationen zu FSG finden Sie hier.

Die Formula Student Germany (FSG) ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Studierende. Für Daimler ist die FSG eine ideale Plattform, um sich mit angehenden Fahrzeugingenieurinnen und -ingenieuren auszutauschen. Der Wettbewerb fördert Engagement, unternehmerisches Denken, eigenverantwortliches Arbeiten und den Mut zur Innovation bei den Studierenden – Eigenschaften, die für die Gestaltung der Mobilität der Zukunft entscheidend sind. Daimler unterstützt die Teams nicht nur monetär, sondern stellt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen als Mentoren zur Seite, die zum einen das Wissen weitergeben und zum anderen gleichzeitig die Talente für die Zukunft fördern. Auch in der nächsten Saison wird Daimler wieder mehrere Team Sponsorings vergeben.

FSG Infobox

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