Jäger der Produktfälschungen Jurist für Markenschutz in Asien

Fälscher aufspüren, sich in neue Rechtssysteme einarbeiten, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Kollegen auf der ganzen Welt: Sven-Eric Widmayer ist Jurist für Markenschutz und der richtige Ansprechpartner bei Daimler, wenn es um Produktfälschungen von Drittanbietern geht. Das kann von einer gefälschten Bremsscheibe über einen Airbag bis hin zum nachgebauten Radsatz gehen. Worauf Kunden achten können, wie er den Fälschern auf die Schliche kommt und wieso man als Jurist bei Daimler einsteigen sollte, verrät der 34-Jährige im Interview.

Hallo Herr Widmayer, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Ich bin 34 Jahre und seit 2014 bei Daimler. Studiert habe ich in Tübingen. Dort habe ich auch mein erstes und zweites Staatsexamen absolviert. Währenddessen konnte ich durch Praktika in kleinen und großen Kanzleien erste Berufserfahrung sammeln. 2012 bin ich dann als Referendar bei Daimler eingestiegen, damals mit dem Schwerpunkt Kartellrecht.

Warum haben Sie sich für Daimler als Arbeitgeber entschieden?
Ich habe mich im Studium zwar auf Wirtschaftsrecht spezialisiert, allerdings hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in einem Konzern arbeiten würde. Im Studium wollen die meisten Star-Anwalt werden und für große Mandanten arbeiten. Später habe ich für mich herausgefunden, dass ich einen Job möchte, bei dem ich immer wieder Neues erlebe und mich mit Herzblut engagieren kann. Eine solche Arbeitskultur bietet mir Daimler. Im Bereich Intellectual Property gibt es unglaublich spannende juristische Themen. Und mit Mercedes-Benz haben wir eine der wertvollsten Marken der Welt im Portfolio – das weckt bei Produktfälschern viele Begehrlichkeiten.

Was motiviert Sie in Ihrem Job?
Meine Arbeit bewirkt etwas. Ich weiß, warum ich jeden Tag aufstehe. Jedes Jahr holen wir gefälschte Produkte, z.B. Ersatzteile, von der Straße, die potenziell gefährlich sind. Das heißt, ich helfe aktiv dabei, dass weniger Unfälle passieren. Das macht mich stolz.

Wie genau kann man sich die Arbeit als Markenschützer vorstellen?
Vereinfacht gesagt, sind wir die Jäger der Produktfälschungen. Wir greifen ein, wenn ein Dritter unsere Schutzrechte verletzt. Dabei kann es sich um technische Patente, Urheberrechte oder schlichtweg Produktfälschungen handeln. Wir spüren diese auf und ziehen sie möglichst rasch aus dem Verkehr. Schließlich sollen die Fälschungen nicht auf die Straße kommen. Dabei arbeiten wir eng mit lokalen Behörden zusammen, durchsuchen gemeinsam Lagerhallen oder verfolgen Transporte. Zwar verbringe ich viel Zeit am Schreibtisch, da will ich jetzt kein falsches Bild erzeugen. Dennoch müssen wir auch mal die Ärmel hochkrempeln und in einen Container steigen, um ihn zu durchsuchen – eine spannende Abwechslung.

Welche Aufgaben warten dann am Schreibtisch auf Sie?
Die Aufgaben sind sehr unterschiedlich. Neben der klassischen internen Beratung kümmern wir uns beispielsweise auch um Anfragen des Zolls bei Aufgriffen von Fälschungen. Daneben recherchiere ich auch online nach Produktfälschungen, zum Beispiel auf Plattformen oder bei einzelnen Verkäufern. Wenn wir einen Fälscher identifiziert haben, überlegen wir uns zusammen mit dem lokalen Partner die richtige Strategie. Dafür muss man auch die Rechtslage vor Ort berücksichtigen, man kann also nicht immer nach dem gleichen Schema vorgehen. Ich kann mir keinen spannenderen Job vorstellen!

Wie können sich Kunden vor gefälschten Ersatzteilen schützen?
Es gibt von Daimler autorisierte Händler. Bei denen kann man sich als Kunde sicher sein, dass Originalteile eingebaut werden. Wenn man sich für einen Kauf über eine Online-Plattform entscheidet, sollte man immer auf das eigene Bauchgefühl hören. Kostet das Produkt beispielsweise nur noch die Hälfte vom ursprünglichen Preis, ist es sehr fraglich, ob es sich hierbei tatsächlich um ein Originalteil handelt.

Sie sind speziell für die Region Asien zuständig. Gibt es hier Besonderheiten?
Die Statistiken sagen, dass über 80 Prozent aller Fälschungen ihren Ursprung in Asien haben. Daher ist das für uns eine enorm wichtige Region. Unser Job ist es zu verhindern, dass die Fälschungen das Herkunftsland verlassen. Sind die Produkte erst einmal im Umlauf, ist es erheblich schwieriger, diese wieder aufzuspüren.

Erzählen Sie uns bitte ein bisschen mehr über Ihr Team. Wie setzt sich dieses zusammen?
Bei uns arbeiten nicht nur Volljuristen, wir haben auch Wirtschaftsjuristen oder Produktexperten im Team. Grundsätzlich sind wir nach Regionen aufgeteilt. Unsere Arbeitsatmosphäre ist locker und wir haben viel Kontakt mit Ingenieuren oder Produktmanagern. Das macht den Job so spannend. Ein großer Vorteil ist auch, dass wir international arbeiten und täglich Kontakt mit Kollegen aus anderen Ländern haben. Ich bin zwar Anwalt für deutsches Recht, befasse mich aber beispielsweise auch mit chinesischem oder amerikanischem Recht.

Was ist für Sie Daimler in einem Satz?
Daimler ist cool, dynamisch, werteorientiert und für mich ein Stück Heimat mit faszinierenden Produkten und einem tollen Wir-Gefühl.

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