Expedition Brennstoffzelle: Neuland entdecken Entwicklungsingenieur

Wasserstoff plus Sauerstoff macht was? Genau: Strom. Und damit kann man Fahrzeuge bewegen. Obwohl die Brennstoffzelle schon seit vielen Jahren erprobt wird, gilt sie noch als eine vergleichsweise junge Technologie. Daimler hat mit dem Mercedes-Benz GLC F-CELL nun das weltweit erste Elektrofahrzeug mit Brennstoffzelle und Plug-in-Hybrid auf den Markt gebracht. Der Clou dabei: Er „tankt“ Strom und Wasserstoff. Eine Kombination, an der Holger Richter als zuständiger Entwicklungsingenieur maßgeblich beteiligt war.

Bild: Mercedes-Benz GLC F-CELL (Wasserstoffverbrauch kombiniert: 0,34 kg/100 km, CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km, Stromverbrauch kombiniert: 13,7 kWh/100 km)

Hallo Herr Richter, bitte stellen Sie sich kurz vor. Wie war Ihr bisheriger Werdegang?

Richter: Da fange ich am besten mit meiner Schulbildung an. Mein Weg war zwar konsequent, aber nicht immer der einfachste. Denn ich habe eigentlich alle Schulen besucht, die es so gibt. Ich war auf der Hauptschule, Realschule, auf dem Gymnasium und habe schlussendlich meinen Diplomingenieur an einer Fachhochschule gemacht. Während eines Wochenendstudiums habe ich dann noch berufsbegleitend meinen Master of Business Administration (MBA) abgeschlossen. Ins Berufsleben bin ich dann als Entwicklungsingenieur gestartet und hatte von Anfang an mit der Brennstoffzelle zu tun.

Sie haben schon Ihre Diplomarbeit zum Thema „Recyclingkonzept der Brennstoffzelle“ geschrieben. Woher kommt die Faszination für diese Technologie?
Ich war schon immer von alternativen Antriebsformen angetan, die völlig emissionsfrei funktionieren. Speziell bei der Brennstoffzelle handelt es sich um eine recht junge Technologie. Das heißt, es gibt keine Bibliothek voller Wissen, sondern man fängt auf Neuland an. Es gibt keine vorgebahnten Wege, sondern hier ist viel Kreativität gefragt. Das erweckt bei mir ein sehr starkes Pioniergefühl und es reizt mich, Dinge zu entwickeln, die es noch nicht gibt.

Warum haben Sie sich für Daimler als Arbeitgeber entschieden?
Daimler ist Pionier, wenn es um die Entwicklung der Brennstoffzelle geht und arbeitet schon seit mehr als 20 Jahren an der Technologie. Schon 1994 wurde das erste Brennstoffzellenfahrzeug von Mercedes-Benz, der NECAR 1, vorgestellt. Eine Innovation, die mich damals schon begeistert hat. Auch deshalb habe ich mich für Daimler als Arbeitgeber entschieden.

Sie sind für das Thema „Steuerung Produktprojekte Electric Drive Large Cars“ zuständig. Was bedeutet das genau?
Ich bin für den Antriebsstrang der Brennstoffzelle des Mercedes-Benz GLC F-CELL zuständig. Das heißt, ich koordiniere alle Entwicklungsaktivitäten rund um die Antriebsstrangentwicklung und bin dafür verantwortlich, dass das ganze Projekt läuft. Das ist eine hundertprozentige Schnittstellenaufgabe.

Das klingt nach viel Projektmanagement. Wie lernt man sowas?
Das ist viel “training on the job”. Zusätzlich hatte ich bei Daimler die Gelegenheit, eine Fortbildung zum Projektmanager zu machen. Das Seminar ging sechs Monate mit jeweils zwei Präsenztagen im Monat. Das konnte ich gut neben der Arbeit bewältigen und war eine schöne Weiterbildungsmöglichkeit für mich. Es ist toll, dass Daimler solche Chancen bietet.

Wie lange haben Sie an dem GLC F-CELL gearbeitet?
Alles zusammen habe ich schon so fünf bis sechs Jahre an dem Projekt gearbeitet. Angefangen von der ersten Konzeptidee über die Entwicklung des Musterstrangs bis hin zur finalen Technologie. Ich bin sehr stolz, dass wir damit jetzt auf dem Markt sind. Gleichzeitig freue ich mich auch auf ein neues Projekt. Da bietet Daimler zum Glück sehr viele Möglichkeiten - es bleibt also spannend.

Beim GLC F-CELL wurde eine Brennstoffzelle mit einem Batterieantrieb kombiniert. Wieso?
Wir sind bis dato der einzige Hersteller, der diese Kombination anbietet. Der Vorteil für den Kunden ist, dass wir mit der zusätzlichen Plug-in-Batterie eine elektrische Alternative bieten, wenn man beispielsweise nur in der Stadt unterwegs ist. Bei einer längeren Reise kann man dann den Wasserstoff nutzen und kommt damit insgesamt auf eine Reichweite von rund 480 Kilometern.

Gibt es weitere Vorteile?
Ja, die Dynamik. Die Brennstoffzelle bietet eine vergleichsweise geringe Beschleunigung. Das sieht bei der Batterie ganz anders aus. Hier ist innerhalb weniger Millisekunden eine Beschleunigung möglich. Das macht das Fahren sportlicher und dem Kunden somit auch mehr Spaß. Der große Vorteil bei der Brennstoffzelle ist wiederum die schnelle Betankungszeit von gerade mal drei bis vier Minuten. Man hat also nicht die langen Ladezeiten wie bei einer Batterie. So kann man in kürzester Zeit weite Strecken fahren.

Wie setzt sich das Team bei Ihnen in der Entwicklung zusammen?
Bei uns im Team ist es bunt gemischt. Wir sind ein eher kleines Team, das heißt fünf Personen. Darunter ein Betriebswirt, ein Wirtschaftsingenieur und drei technische Ingenieure. Vom Alter her bin ich mit meinen 44 Jahren schon der Älteste. Das Team ist also auch noch sehr jung und es macht Spaß in einer so bunten Zusammensetzung zu arbeiten.

Vielen Dank für das Interview.

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