Mit neuem Mindset zu mehr Reichweite Leiterin Team Energieeffizienz und Zertifizierung

Dr. Marta Cudeiro weiß, wie elektrische Energie zu Fahrspaß wird. Als leitende Ingenieurin sorgt sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Team Energieeffizienz und Zertifizierung bei Daimler dafür, dass die nächste Generation an Elektrofahrzeugen von Mercedes-Benz eine noch größere Reichweite erzielt. Warum bei der Entwicklung der Autos von morgen eine ganz neue Arbeitsweise gefragt ist, wie sie als Erasmus-Studentin zu Daimler kam und was der Führerschein ihrer Tochter mit ihren beruflichen Zielen zu tun hat, erzählt die gebürtige Spanierin im Interview.

Marta, wie gelingt es, dass Elektromobilität zum Erfolgsmodell wird?

Wichtig ist, dass Elektrofahrzeuge gegenüber Verbrennern in vielen Bereichen klare Vorteile bringen. Wenn sich Kunden keine Gedanken mehr über Reichweite machen müssen – zum Beispiel, ob sie mit ihrem Elektrofahrzeug auch mal in den Urlaub fahren können – dann sind wir mit Elektromobilität wirklich in der Gesellschaft ganz angekommen. In unserem Team entwickeln wir derzeit Konzepte, damit wir bei Daimler genau dieses Ziel mit unserer neuen Generation an Elektromodellen erreichen.

Blick für’s Detail: Um die Reichweite eines Fahrzeugs zu erhöhen, behält Marta den Überblick über alle Komponenten.

Wie gehst du bei der Entwicklung vor?

Für uns ist ein neues Mindset gefragt. Bei der klassischen Fahrzeugentwicklung gab es die unterschiedlichen Bereiche wie Motor, Fahrwerk, Karosserie oder Innenausstattung. Jedes Team hat recht autonom gearbeitet. Bei Elektroautos ist das anders, alle Systeme beeinflussen sich stärker gegenseitig. Deshalb betrachten wir das Fahrzeug von Beginn an als Einheit und arbeiten bereichsübergreifend noch enger zusammen. Wir überlegen dann etwa gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, die das Design entwickeln, wie ein Auto eine bessere Aerodynamik, also einen möglichst geringen Luftwiderstand, erreicht und gleichzeitig gut aussieht.

An welchen Bereichen arbeitest du, um die Reichweite der neuen Elektromodelle zu erhöhen?

Neben der Aerodynamik optimieren wir den Rollwiderstand und das Gewicht des Fahrzeugs. Elektroautos benötigen eine möglichst leichte Karosserie, die aber gleichzeitig robust ist. Schließlich steht die Sicherheit der Insassen für uns an erster Stelle. Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, die Effizienz des Antriebsstrangs und der Nebenverbraucher zu verbessern.

Wie ist dein Team zusammengesetzt?

Wir sind ein buntes Team von sechs Kolleginnen und Kollegen aus drei Nationalitäten und ganz unterschiedlichen Fachbereichen: vom klassischen Maschinenbau bis hin zu Wirtschaftswissenschaften. Jeder bringt neue Perspektiven ein, das sind die besten Voraussetzungen für Innovationen, finde ich. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit den Teams zusammen, die die Versuche unserer Fahrzeuge auf dem Prüfstand, im Windkanal oder auf der Teststrecke durchführen – zum Beispiel in Immendingen . Und bei der Zertifizierung neuer Modelle auf den Märkten weltweit sind wir viel mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Qualitätsabteilung in Kontakt.

Marta an ihrem Arbeitsplatz im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen.

Welche Schwerpunkte setzt du als Führungskraft?

Für mich als Teamleiterin ist es besonders wichtig, dass jedes Team-mitglied Spaß bei der Arbeit hat – und auch Freiräume bekommt. Jeder von uns betreut eigenständig ein bestimmtes Fahrzeugmodel. Was ich dabei besonders spannend finde: Die verschiedenen Herangehensweisen an unsere Herausforderungen. Ein Kollege bevorzugt bei Reichweitentests etwa Computer-Simulationen und ein anderer macht lieber einen zusätzlichen Versuch auf dem Prüfstand. Und hinterher können wir gegenseitig von unseren Erfahrungen profitieren.

Wie bist du eigentlich zu Daimler gekommen?

Ich komme ursprünglich aus Spanien und habe in Barcelona an der Polytechnischen Universität Maschinenbau studiert. Am Ende meines Studiums wollte ich Auslandserfahrung sammeln. Deutschland gilt ja als das Land der Ingenieure, deshalb habe ich mich als Erasmus-Studentin an der Universität in Stuttgart eingeschrieben. Mercedes steht in der Branche einfach für außergewöhnliche Entwicklungen. Das hat mich gereizt, deshalb habe ich mich für meine Diplomarbeit im Konzern beworben.

Der Austausch mit den verschiedenen Entwicklungsbereichen ist Schlüsselfaktor für den Erfolg von Martas Arbeit.

Und nach dem Studium bist du direkt im Unternehmen geblieben.

Ja. Ich hatte als Studentin sofort das Gefühl, gut aufgehoben zu sein und habe in der Zeit viel gelernt. Die Zusammen¬arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen hat von Anfang an gepasst. Ich war dann erst fünf Jahre in der Motorentwicklung tätig. In der gleichen Zeit habe ich auch meine Promotion mit Daimler an der Universität Stuttgart gemacht. Danach bin ich in den Bereich E-Mobilität gewechselt und habe an der Entwicklung des elektrischen smart mitgearbeitet.

Wie war deine Zeit als Doktorandin bei Daimler?

Ich fand es schön, dass ich nicht nur einen wissenschaftlichen Text schreibe, sondern meine Forschungsergebnisse direkt in die neuen Fahrzeugmodelle einfließen. Wenn ich heute auf der Straße eines unserer Fahrzeuge sehe mit dem Motor, an dem ich mitgearbeitet habe, ist das für mich als Ingenieurin natürlich sehr cool. Und es gibt für Doktoranden im Unternehmen viel Unterstützung, viele Weiterbildungsangebote, ein gutes Doktorandennetzwerk und Austauschmöglichkeiten. Das ist echt hilfreich.

Marta arbeitet aktuell am Mercedes-Benz EQS, der 2021 vorgestellt werden soll.

Was hast du bei Daimler noch vor?

Die Automobilbranche hat beim Thema Elektromobilität meiner Meinung nach noch viele Chancen, die es zu nutzen gilt. Mein persönliches Ziel ist es, dass mich meine Tochter, wenn sie in 16, 17 Jahren ihren Führerschein macht, fragt, warum wir früher alle einen Verbrenner gefahren haben (lacht).

Noch eine persönliche Frage: Was darf in deinem Traumbüro auf keinen Fall fehlen?

Ganz klar, spannende Aufgaben und gut gelaunte Kolleginnen und Kollegen. Da bin ich bei Daimler am richtigen Platz. Wir haben wirklich viel Spaß bei der Arbeit – und auch der Humor kommt nicht zu kurz (lacht).

Persönlich: Dr. Marta Cudeiro (33) ist die Begeisterung für Technologie in die Wiege gelegt – auch ihr Vater ist leidenschaftlicher Ingenieur. Fasziniert von Mechanik und dem Fluss von Energie, entscheidet sich die geborene Katalonierin für ein Maschinenbau-Studium in Barcelona, das sie später mit dem Erasmus-Programm an der Universität in Stuttgart abschließt. Heute ist die Stadt am Neckar für sie zur zweiten Heimat geworden, in der sie mit ihrem Partner und der gemeinsamen Tochter gerne Kraft tankt. Wenn Dr. Marta Cudeiro bei Daimler nicht gerade Lösungen findet, um den neuen E-Modellen von Mercedes Benz mehr Effizienz und Reichweite zu verleihen oder ihre kleine Tochter verwöhnt, treibt sie gerne Sport – oder schaut entspannt Filmklassiker. Am liebsten Meisterwerke von Billy Wilder wie „Mache mögen´s heiß“ oder „Das Appartement“.

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