Gemeinsam für die Antriebe von Morgen Leiterin der Abteilung Electric Power Train

Servane Lessi bringt die Elektromobilität maßgeblich voran. Als Leiterin der Abteilung Electric Power Train arbeitet sie mit ihren Entwicklerinnen und Entwicklern bei Daimler an den Antrieben für die Elektrofahrzeuge von morgen. Worauf es bei den Antrieben der Zukunft ankommt, wie sie während ihres Studiums zu Daimler kam und was der Actionheld MacGyver mit ihrer Karriere zu tun hat, erzählt uns die gebürtige Französin im Interview.

„Die Antriebstechnologien, die wir für die Fahrzeuge unserer neuen Mercedes-EQ Modellfamilie entwickeln ist echte Pionierarbeit. Das macht unsere Aufgabe so spannend.“

Frau Lessi, aktuell arbeiten Sie mit Ihrem Team am Elektroantrieb für die neue Generation der Mercedes-Benz EQ Modellfamilie. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Wenn es um Antriebstechnologie geht, haben wir bei Mercedes-Benz sehr hohe Ansprüche, zum Beispiel bei der sogenannten Laufruhe. Der Antrieb eines Herstellers von Luxusfahrzeugen wie wir es sind, muss den Insassen einen möglichst hohen Geräuschkomfort im Innenraum bieten. Und auch die Effizienz unserer Antriebe ist wichtig. Wir wollen unseren Kundinnen und Kunden mit unseren Fahrzeugen die Reichweite bieten, auf die es ihnen ankommt. Das gelingt, wenn wir den Energiebedarf der Antriebe minimieren.

Was sind die Herausforderungen dabei?

Mercedes-Benz steht seit der Erfindung des Automobils für innovative Antriebstechnologie. Daher können wir bei der Entwicklung unseres neuen Elektroantriebs auf eine unglaublich breite Basis an Kompetenzen und Erfahrungen im Unternehmen bauen. Gleichzeitig ist vieles, was wir machen, ganz neu. Die Antriebstechnologien, die wir für die Fahrzeuge unserer neuen Mercedes-EQ Modellfamilie entwickeln ist echte Pionierarbeit. Das macht unsere Aufgabe so spannend.

Servane Lessi, ihre Kolleginnen und Kollegen sind auch für Versuche unterwegs um die Antriebe in Aktion zu testen – am Prüfstand oder im Fahrzeug selbst.

Als Abteilungsleiterin haben Sie zu der Entscheidung für die neuen elektrischen Antriebe beigetragen und später die Entwicklungsabteilung selbst mit aufgebaut. Wie sieht Ihr Team aus?

In der Abteilung Electric Power Train bin ich für fünf Teams mit insgesamt 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich – alles Spitzen-Ingenieure. Das Team sitzt normalerweise in einem Großraumbüro, das ermöglicht uns, bei der Entwicklung sehr flexibel zusammenzuarbeiten. Oft sind die Kolleginnen und Kollegen aber auch für Versuche unterwegs, um unsere Antriebe in Aktion am Prüfstand oder im Fahrzeug zu testen. Wichtig ist zudem der enge Austausch mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Sindelfingen, die die Fahrzeuge entwickeln, sowie mit den Werken, welche die Antriebe produzieren. So stellen wir sicher, dass die unterschiedlichen Anforderungen stets berücksichtigt werden.

Das klingt nach spannenden Aufgaben. Was macht Daimler für Sie als Arbeitgeber besonders?

Wir teilen hier alle die gleiche Leidenschaft für Technologie und den Anspruch, etwas Hervorragendes zu schaffen. Ich schätze die vielen Entwicklungsmöglichkeiten und unterschiedlichsten Aufgabengebiete. Bei Daimler hatte ich von Beginn an die Chance, meinen Karriereweg selbst zu gestalten – angefangen bei meinem Einstieg als Trainee. Später hatte ich auch Gelegenheit, bei der Hybrid-Entwicklung in den USA Erfahrungen zu sammeln…

… und von 2011 bis 2013 waren Sie dann Assistentin der Geschäftsführung bei Mercedes-AMG.

Ja. Das war eine wirklich spannende Zeit. Ola Källenius leitete damals die Mercedes Hochleistungs-Sparte. Ich habe viel über Strategie, Management und Führung gelernt. Davon profitiere ich als Führungskraft noch heute.

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit als Führungskraft wichtig?

Ich lege großen Wert darauf, dass die Teammitglieder wissen, welchen Beitrag sie leisten. Das hat für mich etwas mit Wertschätzung zu tun. Ein offener Austausch ist dabei sehr wichtig. Ich starte jeden Tag mit meinen Teamleitern bei einem „Morning Coffee“ – wir setzen uns zusammen, tauschen uns aus und besprechen, was ansteht. Dazu gehört auch, dass wir uns die Zeit nehmen, einen Erfolg zu feiern, wenn wir gemeinsam ein Ziel erreicht haben.

Sie beschäftigen sich nahezu Ihre gesamte Karriere mit Antriebstechnologie. Wie kam es eigentlich dazu?

Das stimmt. Interessant dabei ist, dass ich ursprünglich aus einem ganz anderen Bereich komme. In meinem Studium habe ich mich auf elektronische Energieversorgung spezialisiert. Viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen sind heute bei Energiekonzernen oder kommunalen Energieversorgern tätig. 2003 habe ich bei Daimler die Möglichkeit bekommen, meine Abschlussarbeit zum Thema Brennstoffzellen zu schreiben. Das war mein erster Kontakt zur Automobilindustrie und die Aufgaben, die das Unternehmen für Ingenieure bietet, haben mich schnell begeistert. Daimler war von Anfang an mein „best fit“ als Arbeitgeber. Das ist bis heute so.

Bei Daimler hatte ich von Beginn die Chance, meine Karriere selbst zu gestalten. Meine Abschlussarbeit bei Daimler war mein erster Kontakt zur Automobilindustrie.
Die Suche nach Lösungen begeistert Servane Lessi bis heute und treibt sie bei ihrer Arbeit an.

Und warum sind Sie Ingenieurin geworden?

Ich war in meiner Jugend Fan der Fernsehserie MacGyver (lacht). MacGyver hat immer mit alltäglichen Dingen einen Ausweg aus brenzligen Situationen gefunden. Das fand ich super. Passend dazu sagte unser Dekan an meinem ersten Tag an der Uni: „Ein Ingenieur ist jemand, der für Probleme, von denen man nicht weiß, ob es Lösungen gibt, eine Lösung findet.“ Die Suche nach Lösungen ist etwas, das mich bis heute bei meiner Arbeit begeistert und antreibt. Ich will auch in Zukunft daran mitarbeiten, die Elektromobilität voranzubringen. Ich möchte diese Entwicklung aktiv mitgestalten und unseren Weg zu effizienten Antriebskonzepten weitergehen.

Noch eine persönliche Frage. Wenn Zeitreisen möglich wären, wohin würden Sie reisen?

Ich würde hierbleiben (lacht). Ich bin genau dort, wo ich hingehöre. Die Zukunft heute zu gestalten, ist doch viel spannender, als sie vorab zu erleben oder die Vergangenheit nachzuholen

Persönlich: Servane Lessi (41) ist in Frankreich in der Stadt Longwy, direkt an der Grenze zu Belgien und Luxemburg, geboren. Als Tochter eines italienischen Vaters und einer französischen Mutter fühlt sie sich schon als Kind als echte Europäerin – und genießt die Ausflüge mit ihren Eltern am Wochenende nach Belgien, wo es natürlich immer Schokolade gibt. Um bei ihrem Ingenieursstudium am École Centrale de Paris mehr Erfahrung und Einblicke zu erhalten, entscheidet sich Servane Lessi, ihr Studium in Deutschland fortzuführen. Hier schließt sie 2003 erfolgreich mit dem Doppel-Diplomingenieurstudium an der Technischen Universität Berlin ab. Wenn Servane Lessi gerade nicht an den Elektrofahrzeugen von morgen arbeitet, sucht sie am liebsten Ausgleich in ihrem kleinen Stadtgarten. Beim Gärtnern im Blumenbeet zwischen Rhododendren und Funkien kann sie am besten entspannen.

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