Fahrlehrerin für selbstfahrende Fahrzeuge

Vasundhara Jain bringt Autos das Fahren bei – das komplett selbstständige Fahren: Als Motion Planning Ingenieurin entwickelt sie derzeit gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Kooperationsprojekt mit Bosch Konzepte, damit vollautomatisierte Fahrzeuge in bestimmten Verkehrssituation präzise reagieren. Die Technologie soll unter anderem im ersten vollautomatisiert fahrenden Taxi zum Einsatz kommen – und dabei für Sicherheit für Fahrzeuginsassen und alle anderen Verkehrsteilnehmern sorgen. Im Interview erzählt die Ingenieurin, warum Computer ihrer Meinung nach manchmal die besseren Fahrer sein können, was ihr während der Masterarbeit und als Doktorandin bei Daimler besonders gefallen hat und warum ihr Traumberuf schon seit ihrer Kindheit feststand.

Programmieren ist essenzieller Teil von Vasundharas Arbeit.

Vasundhara, Du arbeitest aktuell im Gemeinschaftsprojekt von Daimler und Bosch daran, das erste „Self-Driving Car“ auf die Straße zu bringen. Um was geht es dabei?

In dem Projekt entwickeln wir ein vollautomatisiertes Fahrsystem, das sich per App buchen lässt. Das selbstfahrende Taxi kommt zum gewünschten Ort, um die Fahrgäste abzuholen, und bringt sie zu ihrem Ziel – ganz ohne Fahrer. Anschließend macht sich das Taxi auf den Weg zu seinem nächsten Passagier. Damit bieten wir in Zukunft eine attraktive Alternative für den Individualverkehr und reduzieren gleichzeitig die Anzahl der Fahrzeuge in den Städten.

Und im Bereich Motion Planning entwickelst Du, wie sich das Fahrzeug in bestimmten Situationen verhält?

Ganz genau. Bei dem Vorhaben kommt es natürlich besonders auf Ver¬kehrssituationen in Städten an. Hier gibt es oft Straßen, die auf beiden Seiten eng beparkt sind, sowie viele weitere Fahrzeuge und Fußgänger. Wir erarbeiten, wie das Fahrzeug reagieren soll, beispielsweise wenn ein Fußgänger die Straße überquert. Im nächsten Schritt geht es darum, das System in das Fahrzeug zu integrieren und zu testen.

Mit dem ersten Robotaxi schaffen wir eine attraktive Alternative für den Individualverkehr, reduzieren die Fahrzeuge in den Städten und machen den Straßenverkehr sicherer.
Vasundhara startete ihre Karriere bei Daimler als Praktikantin während ihres Masterstudiums in Deutschland.

Was ist die größte Herausforderung bei der Planung des Fahrverhaltens?

Eine Schwierigkeit ist, dass es das perfekte Vorhersagesystem nicht gibt. Keine Technologie kann im Vorfeld alle Situationen abdecken. Diese Unsicherheiten müssen wir als Team für die Entwicklung und Planung unserer Algorithmen stets im Hinterkopf behalten. Unsere Aufgabe ist, mit den vorhandenen Daten, die uns die Sensoren am Fahrzeug liefern, die Reaktion des Fahrzeugs so zu gestalten, dass sowohl die Passagiere als auch alle weiteren Verkehrsteilnehmer so sicher wie möglich sind. Das ist unsere oberste Priorität. Von Vorteil dabei ist, dass ein Fahrzeug nicht müde wird, oder durch einen Reiz abseits des Straßenverkehrs abgelenkt werden kann. Das macht sie in dieser Situation zu besseren Autofahrern und hilft in Zukunft, die Sicherheit im Straßenverkehr wesentlich zu optimieren. Darüber hinaus kommt es bei der Konzeption unserer Systeme auf Effizienz an.

Was meinst Du damit genau?

Es gibt hochkomplexe Programme, die komplizierteste Berechnungen in Sekundenbruchteilen durchführen – etwa, um Fahrzeugreaktionen zu steuern. Das heißt, diese Berechnungen geschehen in Echtzeit. Dafür braucht es aber enorme Rechnerkapazitäten, die sich aktuell in einem Fahrzeug nicht abbilden lassen. In unserem Team erarbeiten wir deshalb ressourcenschonende Systeme, die Sicherheit, Zuverlässigkeit und Effizienz verbinden.

Ich finde es toll, dass Daimler bei diesen Themen so weit vorne ist. Es gibt so viele „hot spots“ im Konzern, bei denen man an der Zukunft mitarbeiten kann.
Für das Interview haben wir Vasundhara im Werk Sindelfingen getroffen.

Was macht Dir bei Deiner Arbeit besonders Spaß?

Besonders toll finde ich den innovativen Charakter meiner Aufgaben. Mit unserer Arbeit leisten wir einen Beitrag zum „Next Big Thing“. Durch vollautomatisiertes und fahrerloses Fahren sind wir in Zukunft ganz anders unterwegs. Bei der Entwicklung braucht es daher auch eine komplett neue Herangehensweise. Es wird wichtiger, verschiedene Fachkompetenzen zu verbinden. Aktuell beschäftige ich mich beispielsweise viel mehr mit Programmiersprachen. Mir macht auch die Arbeit direkt an den Fahrzeugen Spaß, beispielsweise, wenn wir unsere Systeme testen.

Deine Arbeit klingt sehr vielfältig!

Das ist sie! Und ich finde es toll, dass Daimler bei diesen Themen so weit vorne ist. Es gibt so viele „hot spots“ im Konzern, bei denen man an der Zukunft mitarbeiten kann: Wenn wir uns zum Beispiel die neue S-Klasse anschauen, bei der voraussichtlich hochautomatisiertes Fahren der Stufe 3 möglich gemacht wird. Oder auch die Kooperation mit NVIDIA zur Entwicklung einer intelligenten Rechnerarchitektur für alle zukünftigen Mercedes-Benz Baureihen. Für mich als Ingenieurin ist das super interessant und attraktiv.

Anm. d. Redaktion: Das hochautomatisierte Fahrsystem übernimmt unter bestimmten Randbedingungen dynamische Fahraufgaben. Dennoch ist weiterhin ein jederzeit übernahmebereiter Fahrer notwendig. Der Fahrer muss die Kontrolle (mit einigen Sekunden Vorlaufzeit) über das Fahrzeug übernehmen, wenn er durch das System zur Übernahme aufgefordert wird.

Du bist als Praktikantin bei Daimler eingestiegen und hast dann deine Masterthesis hier geschrieben. Wie kam es dazu?

In der Automobilbranche zu arbeiten, war schon immer mein Traum. Ich bin in Neu-Delhi in Indien aufgewachsen. Schon als Kind war ich fasziniert von Autos. Die Wände meines Zimmers waren tapeziert mit Postern von Fahrzeugen und Formel-1-Fahrern. In meiner Jugend habe ich dann viel über Technik gelesen. Mir war schnell klar, dass ich etwas mit Fahrzeugen machen wollte und habe mich für das Bachelor-Studium Mechanical Engineering entschieden. Dann bin ich für mein Master-Studium nach Deutschland gekommen und habe das Angebot eines Praktikums bei Daimler erhalten. Die Arbeitsatmosphäre hier hat mich sofort begeistert. Deshalb bin ich auch nach meinem Studium sehr gerne im Unternehmen geblieben.

Bei Daimler stehen mir viele Karrierewege offen, unabhängig davon, ob das persönliche Ziel ist, Führungskraft zu werden oder Expertin für Fahrerassistenzsysteme.
Vasundhara schätzt die Arbeitskultur bei Daimler – ihrer Meinung nach “das optimale Klima für Innovationen!“

Was macht die Atmosphäre bei Daimler für Dich aus?

Diese offene Kultur. Ideen und Vorschläge werden geschätzt, gefördert und weiterentwickelt – das ist das optimale Klima für Innovationen. Gleichzeitig gibt es auch sehr gute Karrierechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Unabhängig davon, ob das persönliche Ziel ist, Führungskraft zu werden oder Expertin in einem speziellen technischen Bereich.

Aktuell arbeitest Du an Deiner Dissertation …

Ja. Ich promoviere am Karlsruher Institut für Technologie. Auch dabei geht es um autonomes Fahren und darum, mit welchen Konzepten sich Kollisionen sicher und effektiv vermeiden lassen. Als Doktorandin erhalte ich mit Daimler als Partner viel Unterstützung, etwa wenn ich für meine Forschung eine bestimmte Ausstattung wie Software benötige. Und wenn ich an einer Stelle nicht weiterkomme, hat mein Vorgesetzter immer einen guten Tipp oder Vorschlag und hilft mir dabei, eine Lösung zu finden.

Noch eine persönliche Frage: Wie würdest Du die Zeit verbringen, wenn Du heute auf Deinem Arbeitsweg ein selbstfahrendes Auto nutzen könntest?

Ich würde mich entspannen oder per App die Nachrichten checken. Und wenn die Fahrt länger dauert, würde ich wahrscheinlich lesen. Ich bin ein großer Fan von Fantasy-Romanen, beispielsweise von Terry Prachett (lacht).

Persönlich: Vasundhara Jain (29) Ihre Begeisterung für Autos wurde Vasundhara Jain in die Wiege gelegt. Auch ihr Vater ist fasziniert von Fahrzeugen und Motoren und hat seine Tochter schon früh auf Touren im Familienauto in und um Neu Delhi mitgenommen. Heute arbeitet die studierte Ingenieurin bei Daimler daran, dass selbstfahrende Fahrzeuge in Zukunft sicher auf den Straßen unterwegs sind. Ihre ausgereifte Problemlösungskompetenz trainiert Vasundhara aber nicht nur, wenn sie dem ersten Robotaxi das Fahren lehrt, sondern auch bei ihrer privaten Leidenschaft für Rätsel und Puzzle aller Art. An Deutschland beeindruckt die geborene Inderin vor allem die Innovationskraft des Automobilstandorts – auch wenn sie sich an das süddeutsche Essen erst gewöhnen musste.

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