Alles im Blick bei der Powertrain-Software-Entwicklung

Xingyi Wang bringt Emotion auf die Straße: Die studierte Ingenieurin für Elektrotechnik koordiniert mit ihrem Team in Peking (China) die globale Entwicklung der Antriebsstrang-Software für die Mercedes-Benz Vierzylinder-Ottomotoren – und sorgt so dafür, dass die Fahrzeuge von Mercedes-Benz perfektes Fahrgefühl und großen Fahrspaß bieten. Im Interview erzählt Xingyi Wang, warum sie sich schon seit ihrer Schulzeit für Elektrotechnik begeistert, was ihr Studium in Deutschland mit ihrer Familie zu tun hat und warum bei ihrem Job manchmal auch Verhandlungsgeschick gefragt ist.

Tausende Funktionen für den Antriebsstrang

Frau Wang, was ist für Sie besonders wichtig, wenn es um die Software-Entwicklung für die Antriebe von Mercedes-Benz geht?

Bei Daimler haben wir den Anspruch, unseren Kunden nur das beste Fahrerlebnis zu bieten. Die Powertrain-Software sorgt dafür, dass unsere Motoren die Wünsche und Reaktionen des Fahrers auf die Straße übersetzen – zum Beispiel beim Drücken aufs Gaspedal oder Wechseln des Gangs. Gleichzeitig sollen unsere Motoren möglichst wenig Kraftstoff verbrauchen und eine lange Lebensdauer haben. Dahinter stecken vielschichtige Prozesse. Für die hochpräzise Steuerung unseres Antriebsstrangs sind tausende Funktionen notwendig. Und an der Entwicklung dieser komplexen Software für den Antriebsstrang sind weltweit Hunderte Ingenieurinnen und Ingenieure beteiligt.

Und bei Ihnen laufen alle Fäden zusammen?

Ja, im Team Powertrain Software Coordination arbeiten wir mit vielen verschiedenen Fachbereichen zusammen. Wir sind die Schnittstelle zwischen unseren Projektteams weltweit, einschließlich der Antriebsstrangkalibrierungsteams in China und steuern den Zeitplan für die Entwicklung der Powertrain-Software. Dafür stehen wir ständig im Austausch mit unseren Kalibrierungsingenieuren, die an den verschiedene Funktionseinheiten arbeiten. Unser Team ist auch dafür verantwortlich, die entwickelte Softwarelösungen, an die Kolleginnen und Kollegen zu liefern, die sie im weiteren Wertschöpfungsprozess einsetzen, zum Beispiel unsere Fahrzeugfabriken oder die After-Sales-Händler und Servicepartner unserer Kunden. Wir begleiten nicht nur neue Motoren, sondern optimieren die Software für unsere aktuellen Antriebe kontinuierlich weiter. Aktuell arbeiten wir an der neuesten Softwareversion für unseren Vierzylinder-Ottomotor M 260 / M 264, der in vielen Fahrzeugen von Mercedes-Benz zum Einsatz kommt – vom kompaktesten Modell, unserer A-Klasse, bis zu Muskelpaketen wie der G-Klasse.

Für die präzise Steuerung unseres Antriebsstrangs sind Tausende Funktionen notwendig. Hunderte Kolleginnen und Kollegen aus unseren Projektteams weltweit arbeiten an Lösungen, damit unsere Antriebe besten Fahrspaß, Effizienz und Qualität bieten.

Wie begleiten Sie mit Ihrem Team die Entwicklung für so eine Antriebsstrang-Software?

Wir sind im ständigen Austausch mit den unterschiedlichen Fachbereichen sowohl im Inland als auch international. Beispielsweise mit unseren Motorentwicklungsteams in China und Stuttgart oder mit den Kolleginnen und Kollegen, die mit Werkstätten und Kunden in Kontakt stehen und uns wichtiges Feedback geben, um unsere Software weiter zu verbessern. Ich habe jeden Tag mit vielen Menschen zu tun, das liebe ich besonders an meinem Job. Gute Kommunikation ist dabei natürlich sehr wichtig – und manchmal auch Verhandlungsgeschick.

Xingyi Wang und ihr Team sind im ständigen Austausch mit den unterschiedlichsten Fachbereichen, sowohl im Inland als auch international.

Warum Verhandlungsgeschick?

Wenn wir den Zeitplan für die Software-Entwicklung erstellen, müssen wir verstehen, was für die einzelnen Bereiche wichtig ist, und die unterschiedlichen Anforderungen konsolidieren. Ein Beispiel: Um die Antriebe bei Tests auf dem Prüfstand oder der Teststrecke bewerten zu können, benötigt unsere Motorenentwicklung eine Software, die sehr präzise Daten liefert. Für andere Bereiche ist Präzision ebenfalls wichtig, aber es kann auch vorkommen, dass die schnelle Verfügbarkeit einer Softwareversion mit einem kleineren Funktionsumfang eine höhere Priorität hat. Unsere Aufgabe ist es, beide Anforderungen zu erfüllen.

Und wie können wir uns Ihr Team vorstellen?

Als Gruppenleiterin bin ich für sechs Kolleginnen und Kollegen verantwortlich. Wir sind alle Ingenieure, mit unterschiedlichen Fachrichtungen – von Elektrotechnik über Maschinenbau bis hin zu Automotive. Wir ergänzen uns optimal und ich bin immer wieder begeistert von den intelligenten Lösungen, die meine Kolleginnen und Kollegen für die Entwicklung unserer Powertrain-Software finden. Da stecken ganz viel Leidenschaft und Ambition drin.

Was macht für Sie Daimler als Arbeitgeber aus?

Für mich als Ingenieurin hat Daimler einfach einen ganz besonderen Reiz. Hier habe ich so viele Möglichkeiten, um mich weiterzuentwickeln und an der Zukunft der Mobilität mitzuarbeiten. Im Unternehmen gibt es eine sehr offene Atmosphäre und viel Wissensaustausch, das ist das perfekte Umfeld für Innovationen. Und es ist natürlich cool für ein Unternehmen wie Daimler zu arbeiten. Ich liebe das Design unserer Fahrzeuge, besonders den neuen sportlichen Mercedes-Benz CLS oder auch das Mercedes-Benz E-Klasse Coupé. Diese Modelle haben eine besondere Eleganz.

Waren Sie schon immer so technologiebegeistert?

Meine Eltern sind beide Ingenieure und es hat mich schon als Kind fasziniert, was möglich ist, wenn Wissen zu Werkstoffen und physikalischen Gesetzen sinnvoll kombiniert wird. Später in der Schule hatten wir dann ein Projekt, bei dem wir aus elektrischen Bauteilen die einfache Version eines Radios gebaut haben. Das war mein erster Berührungspunkt mit Elektrotechnik und es hat, bildlich gesprochen, sofort bei mir gefunkt. Deshalb habe ich mich später auch für ein Studium der Elektrotechnik entschieden.

Für Ihr Studium sind Sie von China nach Deutschland gezogen. Wie kam es dazu?

Nach meinem Schulabschluss wollte ich Erfahrungen außerhalb Chinas sammeln und andere Länder kennenlernen. Ich habe mich informiert und hatte verschiedene Hochschulen weltweit ausgewählt, die für mich infrage kamen. Meine Mutter ist Maschinenbau-Ingenieuren und hat zu mir gesagt: „Wenn Du Ingenieurin werden willst, geh nach Deutschland.“ (lacht) Im Frühjahr 2006 habe ich dann mein Bachelorstudium an der Fachhochschule Aachen begonnen und nach dem Bachelor-Abschluss mein Masterstudium an der RWTH Aachen fortgesetzt.

„Die offene Atmosphäre und die zahlreichen Möglichkeiten, um an der Zukunft der Mobilität mitzuarbeiten, machen Daimler als Arbeitgeber aus.“

Insgesamt haben Sie zehn Jahre in Deutschland gelebt. Wie haben Sie das Land wahrgenommen?

Die Menschen sind sehr offen und wollen etwas bewegen. Nach meinem Masterstudium an der RWTH in Aachen hatte ich die Chance, zwei Jahre in der Automobilindustrie zu arbeiten. In Deutschland habe ich besonders die aufgeschlossene Kultur zu schätzen gelernt. Das direkte Feedback war für mich erstmal ungewohnt, aber der offene Austausch bringt oft ganz neue Sichtweisen. Außerdem liebe ich die schönen Landschaften in Deutschland. Von der Innenstadt in Aachen ist man bereits in wenigen Minuten mitten in der Natur umgeben von Wäldern und Flüssen – das habe ich sehr genossen.

Und wie sind Sie dann zu Daimler gekommen?

Damals war ich für einen Automobilzulieferer in Deutschland tätig und habe von einer spannenden Stelle am Daimler Standort in Peking im Bereich Powertrain-Software erfahren. Ich hatte ein Gespräch mit dem damaligen Vorgesetzten und es hat sofort gepasst. Nachdem ich in meinem Team in Peking gestartet bin, hatte ich auch die Möglichkeit, für ein weiteres Jahr nach Deutschland zu gehen, zum Daimler Hauptsitz in Stuttgart. Das war nochmal eine tolle Erfahrung, bei der ich sehr viel über moderne Prozesse und innovative Technologien gelernt habe. Mit vielen Kolleginnen und Kollegen, die ich damals kennengelernt habe, arbeite ich heute noch zusammen.

Noch eine persönliche Frage: Wenn Zeitreisen möglich wären, wohin würden Sie reisen?

Ich glaube, ich würde darauf verzichten. Die Vergangenheit ist vergangen und lässt sich nicht ändern – und bei Reisen in die Zukunft ist der Spoiler ja schon vorprogrammiert (lacht). Die Zukunft heute mitzugestalten, das ist, was mich sehr antreibt.

Persönlich: In der Familie von Xingyi Wang (32) ist Technologiebegeisterung Programm. Sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter sind Ingenieure. Fasziniert von Elektronik entscheidet sich Xingyi Wang für ein Studium der Elektrotechnik und zieht dafür von ihrer Heimat China nach Deutschland. Bei ihrem Studium in Aachen erwirbt Xingyi Wang nicht nur ihre Kompetenz für Elektrotechnik, sondern entdeckt auch ihre Vorliebe für deutsche Hausmannskost – Mettbrötchen gehören noch immer zu ihren Lieblingssnacks. In ihrer Freizeit verbringt Xingyi Wang am liebsten Zeit mit ihrer Familie oder spielt Computerspiele. Die Balance aus Entspannung und Konzentration beim Erfüllen der Spiel-Missionen schätzt sie besonders.

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