Interieur-Design trifft Technologie

Von der ersten Design-Skizze bis zur Serienproduktion – als Bauteilverantwortliche für Türverkleidungen begleitet Zoé Pasquay den gesamten Entwicklungsprozess. Dabei stellt die Entwicklungsingenieurin sicher, dass die Mercedes-Benz Elektrofahrzeuge der nächsten Generationen ein einzigartiges Interieur und die neuesten Technologien miteinander vereinen. Welche Schritte ein Bauteil bis zur Fertigstellung durchlebt, welche Schnittstellen den gesamten Prozess ausmachen und wie sie zu Daimler kam, erzählt uns Zoé Pasquay im Interview.

Frau Pasquay, Sie sind Bauteilverantwortliche für die Türverkleidung – was kann man sich darunter genau vorstellen?

Wir können uns sehr gerne Duzen. Ich bin in der Interieur-Entwicklung und dabei speziell für die Türverkleidung verantwortlich. Ab dem ersten Designkonzept, in das alle technischen Anforderungen überführt werden müssen, begleite ich die gesamte Entwicklung dieses Bauteils. Man kann sagen, dass ich „meine“ Türverkleidung bis hin zur letzten Schraube betrachte und gemeinsam mit den anderen Fachbereichen entwickle, bis sie zum Schluss im Fahrzeug für die Kundschaft sichtbar ist. Vorrangig bin ich für die technische Entwicklung der Türverkleidung verantwortlich und koordiniere dabei die Schnittstellen zu den anderen Entwicklungsabteilungen. Dazu zählen zum Beispiel Design, Logistik, Einkauf, sowie die passive Sicherheit.

Dann arbeitest du mit ganz schön vielen Schnittstellen zusammen.

Das stimmt. Mit den Kolleginnen und Kollegen stimmen wir uns von Anfang an regelmäßig ab. Dabei geht es kontinuierlich darum, die technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, weil ich als Bauteilverantwortliche einen großen Blumenstrauß an Anforderungen an meine Türverkleidung bekomme – langweilig wird es also nie. Das Spannendste ist, dass ich alle Entwicklungsphasen durchlaufe. Dabei lerne ich jeden Tag etwas Neues dazu.

"Das Spannendste ist, dass ich alle Entwicklungsphasen durchlaufe. Dabei lerne ich jeden Tag etwas Neues dazu."

Wie lange dauert der Prozess von einer Designskizze bis zur Fertigstellung in etwa?

Das dauert einige Zeit (lacht). Wenn ich an all die Schnittstellen und Abstimmungen denke wird mir immer wieder bewusst, dass wir unsere Ziele nur erreichen können, wenn alle effektiv zusammenarbeiten. Zurzeit bin ich in der Industrialisierung der Türverkleidung für ein kommendes EQ Modell.

Welche Entscheidungen kommen auf dich zu, um all die Anforderungen an die Türverkleidung zu erfüllen?

Neben den Design-Meetings, achten wir in unseren Bauraumbesprechungen zum Beispiel darauf, wie wir unsere Bauteile unter Einhaltung der Designsprache innerhalb der technischen Entwicklung optimieren können. Dabei steht auch die Unterbringung von Komponenten wie Schalter, Zierteile und Lichtelemente in der Türverkleidung, sowie ein bestmögliches Sounderlebnis durch die Lautsprecher im Fokus. Außerdem gehen wir auf ergonomische Kriterien ein, um einen höchstmöglichen Komfort für die Insassen zu ermöglichen. Über die Türverkleidung im Innenraum hinaus, werden auch von außen angrenzende Bauteile, wie das Türmodul, Leitungssätze und der Rohbau mit den jeweiligen Fachbereichen abgestimmt.

Und nach der Entwicklungsphase geht es für dich dann weiter zur Produktion?

Genau. Ich bin dann mit Werkzeugmachern und Qualitäts-Kolleginnen und Kollegen in Abstimmung. Mit unseren Hardware Komponenten werden auch Crash-Tests gemacht, die ich begleite. Das ist sehr interessant, weil man sieht, wie sich eine Komponente unter hohen Belastungen verhält. Andere spannende Termine sind beispielsweise die Verbauversuche. Dabei steht unter anderem die Montage und die Qualität der Bauteile im Vordergrund, damit die Industrialisierung starten kann und der Anlauf erfolgreich wird. Dafür ist es wichtig, sich je nach Produktionsstandort mit den internationalen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.

Wie sieht dein Team und eure Zusammenarbeit aus?

Unser Team besteht aus 12 Beschäftigten – jede und jeder ist dabei für ein bestimmtes Bauteil zuständig. In meinem Team bin nur ich für die Türverkleidung eines kommenden EQ Modells verantwortlich. Die anderen Kolleginnen und Kollegen übernehmen Interieur-Umfänge, wie Türverkleidungen anderer Baureihen, Cockpit, Mittelkonsole, Luftdüsen oder Handschuhkasten. Da wir jeweils selbstständig arbeiten, stellen wir in unseren Team-Meetings sicher, dass wir gegenseitig Synergien ausschöpfen und uns auf dem Laufenden halten.

Die Studiengänge Design- und Projektmanagement, sowie Fahrzeugbau waren für Zoé Pasquay die richtige Wahl für Ihre Stelle als Bauteilverantwortliche.

Was hast du studiert und wie bist du eigentlich zu Daimler gekommen?

Mein Bachelor- und Masterstudium habe ich in jeweils ganz verschiedenen Fachrichtungen gemacht, die allerdings eine sehr gute Kombination für meine Tätigkeit sind: Meinen Bachelor habe ich in Design- und Projektmanagement mit Vertiefungsschwerpunkt Technik absolviert und mich dann mit dem Masterstudiengang Fahrzeugbau mit dem Schwerpunkt Karosserieentwicklung spezialisiert. Der Anlass dazu war meine Bachelorarbeit, die ich bei Daimler geschrieben habe. Dabei wurde mir bewusst, dass das genau das Richtige für mich ist. 2017 stieg ich dann bei Daimler als Bauteilverantwortliche ein und das wird sich auch nicht so schnell ändern, denn diese Tätigkeit gefällt mir sehr.

Was macht das Arbeiten bei Daimler für dich aus?

Zum einen ist es ganz klar die gute Atmosphäre. Es macht unfassbar viel Spaß mit den Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten und es ist einfach toll, meinen eigenen Beitrag in unserem Team einzubringen. Wenn man sein Bauteil dann am Ende im Fahrzeug sieht, ist das einfach ein Glücksgefühl, weil man weiß, wie viel Arbeit und Herz drinsteckt. Aus meiner Sicht haben Mercedes-Benz Fahrzeuge ein herausragendes Interieur. Außerdem habe ich bei Daimler so viele Möglichkeiten, meine Talente und meine Persönlichkeit weiterzuentwickeln – das motiviert mich jeden Tag aufs Neue.

Noch eine persönliche Frage: Bist du auch privat gerne kreativ und nutzt deine technischen Kenntnisse?

Kreativität habe ich auch gerne im Privaten. Ich renoviere zum Beispiel Möbel oder polstere Sessel. Oft überlege ich auch, was man im Alltag technisch verbessern könnte – als Entwicklerin hat man da den ein oder anderen Gedankengang. Neue Lösungen und Ideen zu generieren macht mir sehr viel Spaß.

Zoé Pasquay (29) war schon immer technikbegeistert. Deshalb entschied sie sich nach ihrem Bachelor in Design- und Projektmanagement an der FH SWF für ein Masterstudium in Fahrzeugbau an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg. Heute lebt die Bauteilverantwortliche gemeinsam mit ihrem Freund und ihrer Katze in Grafenau bei Sindelfingen. Wenn Zoé Pasquay gerade nicht an neuen technischen Interieur-Lösungen bei Daimler arbeitet, spielt sie gerne Tennis, geht Wandern und freut sich als gebürtige Saarländerin besonders auf den Besuch bei ihren Eltern mit frischen Baguettes aus dem fünf Minuten entfernten Frankreich.

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