Entwicklung des Mercedes-Benz Werks Ludwigsfelde

Das Transporterwerk Ludwigsfelde, südlich von Berlin, verfügt über eine lange Automobilbautradition. Bereits in den 1930er Jahren war Ludwigsfelde ein Industriestandort, seit 1965 wurden dort Nutzfahrzeuge produziert. In der Automobilbaustadt Ludwigsfelde – sagt man – haben die Menschen Benzin im Blut.

An einem frühen Herbstmorgen im November 1989 betreten große Teile der Ludwigsfelder Bevölkerung die Hallen des Volkseigenen Betriebs (VEB) Ludwigsfelde. Gerade war die Mauer gefallen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wussten nicht genau, wie lange sie noch den Gang in das Industriewerk fortsetzen würden. Nach der anfänglichen Euphorie machte sich bei vielen DDR-Bürgern die Existenzangst breit. Die Zeiten, in der mehr als 10.000 Menschen im Werk ein und aus gingen, waren längst vergessen. Dazu kam der politische Umbruch, der schwerwiegende Folgen für den Volkseigenen Betrieb in Ludwigsfelde hatte. Er schlitterte in eine wirtschaftliche Schieflage. Nachdem die Absatzmärkte in den ehemaligen Ostblockländern wegbrachen, musste die Produktion des Lkw-Werks ab Ende 1990 eingestellt werden. Das Werk stand kurz vor dem Aus.

Neustart 1991

Doch Daimler glaubt an den Standort und so entwickelte sich in dieser Phase eine enge Zusammenarbeit mit der damaligen Daimler-Benz AG. Der Neuanfang bot nicht nur eine neue Perspektive für das Werk, sondern auch eine wohlverdiente Chance für die Menschen, die Stadt und die gesamte Region. Insgesamt investierte Daimler-Benz in den ersten Jahren fast 300 Millionen Deutsche Mark in das Werk Ludwigsfelde. Es entstehen neue Ausbildungsstellen, Fertigungshallen und – wonach in dieser ungewissen Zeit viele Menschen strebten – sichere Arbeitsplätze. Bereits Anfang Februar 1991 lief der erste Mercedes-Benz Lkw vom Typ LN2 vom Band. Ab 1994 machte Daimler-Benz das Werk Ludwigsfelde zu einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft: der Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH. Zwei Jahre später ging der Transporter VARIO in Serie.

Die Geschichte des Mercedes-Benz Werks Ludwigsfelde

Das Gelände wurde nach Ende des Krieges errichtet. Hier rollten Motorroller, Geländewagen, Dieselameisen (ein spezielles Lastenfahrzeug) und Rennbootmotoren über die Bänder. Ab Dezember 1962 wurde der Standort zu einem Lkw-Werk ausgebaut. Für den Bau der neuen 72.000 Quadratmeter großen Fertigungs- und Montagehalle nahm die DDR-Regierung über 230 Millionen Mark der DDR in die Hand. Damit markierte der Bau in Ludwigsfelde die erste Großinvestition in den Automobilbau der DDR.

Die Geschichte des Standorts Ludwigsfelde reicht jedoch noch einige Jahre weiter zurück, nämlich bis in die Zeit des Nationalsozialismus. In den 1930er Jahren siedelte sich Daimler-Benz erstmalig in der Region an. Mit dem ersten Spatenstich zum Bau des Daimler-Benz Flugmotorenwerkes Genshagen (heute Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde) im Januar 1936 begann die industrielle Entwicklung Ludwigsfeldes. Im Zweiten Weltkrieg werden Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in die deutschen Betriebe gebracht. Auch im Daimler-Benz Flugmotorenwerk Genshagen arbeiten in dieser Zeit Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Daimler hat sich intensiv mit der eigenen Geschichte während des Nationalsozialismus beschäftigt und in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts seine Firmenarchive für wissenschaftliche Forschung geöffnet sowie unabhängigen Historikern der „Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“ den Auftrag zur Erforschung dieser Zeit gegeben. Das Unternehmen übernimmt die historische und moralische Verantwortung für die Zwangsarbeit in seinen Betrieben während des Nationalsozialismus und engagiert sich auch in der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die unter anderem humanitäre Leistungen für ehemalige Zwangsarbeiter erbrachte.

Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde Luftbild 1997

Ludwigsfelde heute

Mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern zählt Ludwigsfelde heute zu einem der größten industriellen Arbeitgeber in Brandenburg und ist das viertgrößte Transporter-Montagewerk von Daimler weltweit. Dank seiner Effizienz und seinen Innovationen zählt Ludwigsfelde zu den modernsten Standorten des Konzerns. Vielfältige Produkte haben die Fertigungsgeschichte des Standortes geprägt und das Gesicht der Fabrik immer wieder verändert. Mittlerweile ist das Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde ausschließlich auf die Fertigung großer Transporter spezialisiert. Seit 2006 läuft der Sprinter in Ludwigsfelde vom Band. Für die Produktion wurde eine komplett neue Fertigungslinie mit automatisierten Produktionsanlagen errichtet. Inzwischen fährt der Sprinter in mehr als 130 Ländern und wurde seit seiner Markteinführung 1995 mehr als 3,7 Millionen Mal verkauft. Damit ist der Sprinter eines der erfolgreichsten Nutzfahrzeuge und einer der Bestseller im Daimler-Produktportfolio. Wie damals glaubt Daimler auch heute an den Standort Ludwigsfelde. Jeder fünfte Mitarbeiter der heutigen Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde GmbH zählte bereits vor 25 Jahren zur Belegschaft und leistete seinen persönlichen Beitrag zum erfolgreichen Neustart des Standorts. Trotz aller Höhen und Tiefen: Die Ludwigsfelder Mannschaft hat sich nie unterkriegen lassen. In der Automobilbaustadt Ludwigsfelde haben heute die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter also nicht nur Benzin im Blut, sondern auch den Mercedes-Stern im Herzen.

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