Trabi, Wartburg und ein SL Traumsportwagen: Zurück in die Zukunft

Wenn man an das Jahr 1989 denkt, fällt einem vor allem eines ein: der Fall der Berliner Mauer. Aber welche Fahrzeuge haben die Menschheit damals bewegt? Gemeinsam blicken wir auf ein Kapitel der Geschichte des Automobils.

Wir schreiben das Jahr 1989 – noch ist Deutschland ein geteiltes Land. Kein Mensch ahnt, dass die Wiedervereinigung bald bevorsteht und Berlin durch die zu Fall gebrachte Mauer landesweit in der Presse erscheinen wird. Noch lässt sich nicht vorhersehen, dass sich Menschen bald vor Freude in den Armen liegen werden und Trabi-Konvois über die Landesgrenzen fahrend bejubelt werden.

Aber eines ist klar: Egal, wo wir uns in Deutschland damals befinden … das Automobil vermittelte bereits – etwas mehr als 100 Jahre nach seiner Erfindung – ein Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit.

Alles Trabi oder was?

Wahrscheinlich kommt jedem das folgende Automobil in den Sinn, wenn man an die Deutsche Demokratische Republik (DDR) denkt: der Trabant 601. Liebevoll auch „Trabi“ genannt, wurde das Fahrzeug mit dem Zweitakt-Zweizylinder von 1964 bis 1990 in den Sachsenring Automobilwerken in Zwickau gefertigt. Er war nicht nur als Symbol der DDR bekannt, sondern auch das dort meistgebaute Automobil. Zu Produktionsbeginn noch mit einer Motorisierung von 23 PS (17 kW) ausgestattet, konnte man den Trabi ab dem Jahr 1969 mit einem 26 PS-starken Motor (19 kW) erhalten. Neben der Variante als dreitüriger Kombi war der Trabant auch als Limousine und Kübelwagen für das Militär erhältlich. Heute undenkbar: Die Karosserie des Fahrzeugs wurde im gesamten Produktzyklus nur aus Duroplaste – speziellen Kunststoffen - gefertigt. Auch wenn der Trabant in all den Jahren in der Fahrzeugtechnik und Karosserie unverändert blieb, war er sehr gefragt: Kunden mussten teilweise bis zu 15 Jahre auf ihr Fahrzeug warten.

Alter Wartburg Oldtimer aus der ehemaligen DDR

Mit dem Wartburg 353, dem Zweitakter aus den Automobilwerken Eisenach, wurden Familienträume in der DDR wahr. Die unter der Marke Wartburg – angelehnt an die historische Burg in Eisenach – von 1966 bis 1989 produzierten Automobile waren als Limousine, Kübelwagen und Kombi erhältlich. Mit seinen 50 PS (37 kW) war der Wartburg 535 nicht nur stärker motorisiert als der Trabant, sondern vor allem eines: größer. Ein richtiges Platzwunder, in dem die ganze Familie und alle sieben Sachen Platz fanden. Einer Fahrt an die Ostsee oder in die Datsche - dem Wochenendhaus im Grünen - stand mit diesem Fahrzeug nichts mehr im Wege. Aber natürlich auch nur, wenn man sein lang ersehntes Fahrzeug dann erhielt. Denn die Fahrzeuge wurden größtenteils ins Ausland exportiert. Vor allem nach England – dort waren sie unter dem Namen „Wartburg Knight“ bekannt.

Dass die DDR nicht nur Automobile produzierte, sondern auch Kleintransporter – wie den Barkas B 1000 – ist wahrscheinlich wenigen bekannt. Ein Grund dafür könnte sein: Der im Volkseigenen Betrieb Barkas-Werke in Karl-Marx-Stadt – heute Chemnitz - gebaute Kleintransporter war Mangelware in der DDR. Der Zweitakter, der von 1961 bis 1990 gefertigt wurde, konnte nur über Ausmusterungen betrieblicher Fahrzeuge erworben werden. Das war aber auch nur dann möglich, wenn man eine kinderreiche Familie hatte. Beim Bau des Barkas B 1000 wurden aufgrund einer angestrebten Standardisierung viele Teile vom Wartburg übernommen. So auch der Wartburg-Dreizylinder-Zweitaktmotor, der anfangs eine Leistung von 43 PS und später 46 PS hatte. Dabei brachte es der Kleintransporter auf eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.

1989 – ein Jahr voller Neuigkeiten für Mercedes-Benz

Vor 30 Jahren hat der Mercedes-Benz SL der Baureihe R 129 Premiere.

„Die Sicherheit, besser zu fahren“ – so lautete der Werbeslogan von Mercedes-Benz im Jahr 1989, als der neue SL der Baureihe R 129 auf dem Genfer Automobilsalon der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die vierte Generation der SL-Klasse, seit dem legendären Mercedes-Benz 300 SL „Gullwing“ aus dem Jahr 1954, überzeugte direkt. Denn Mercedes-Benz ergänzte nicht nur das Produktportfolio um einen sportlichen, komfortablen und leistungsstarken Roadster, sondern um einen Technologieträger. Mit dem neuen SL brachte Mercedes-Benz Innovationen wie den automatisch ausklappenden Überrollbügel, Integralsitze und das Adaptive Dämpfungssystem ADS in Serie. Das Fahrzeug, welches von Bruno Sacco, dem ehemaligen Direktor des Mercedes-Benz Designbereichs entworfen wurde, war mit einer breiten Motorenpalette verfügbar. Das Leistungsspektrum reichte vom 300 SL (140 kW/190 PS) bis zum SL 73 AMG (386 kW/525 PS), der mit einem leistungs-und hubraumstarken V-12-Motor ausgestattet war.

Mercedes-Benz T 1 „Bremer Transporter“, aus dem Jahr 1989 (von links: Pritschenwagen, Kastenwagen, Bus).

Und auch in Sachen Transporter tat sich 1989 viel: So debütierten im Januar auf dem Internationalen Nutzfahrzeug-Salon in Brüssel die modellgepflegten Transporter der Baureihe T 1. Mit einem leicht modifizierten Gewand und umweltfreundlicheren Motoren setzte die TN-Baureihe ihren Erfolgskurs bis zur Ablösung durch den Mercedes-Benz Sprinter im Jahr 1995 fort.

Auf 55 kW beläuft sich die Leistung des 2,3 Liter großen Vierzylinders, der neue Fünfzylinder mit 2,9 Liter Hubraum erreicht 70 kW. Gesunken ist nicht nur die Nenndrehzahl (von 4.400 U/min auf 3.800 U/min), sondern auch das Gewicht. Aber nicht nur eine Gewichtsreduktion der Motoren erreichten die Ingenieure des „Bremer Transporter“, wie er durch seine ehemalige Produktionsstätte Bremen genannt wird. Durch eine Optimierung des Exterieurs erreichte Mercedes-Benz damals auch eine verbesserte Aerodynamik des Fahrzeugs. Insgesamt wurde der T 1 18 Jahre produziert, bis mit dem 969.751sten produzierten Fahrzeug im Jahr 1995 das letzte Exemplar dieser erfolgreichen Reihe vom Band rollte.

Im Premierenrennen des neuen Mercedes-Benz DTM-Tourenwagens 190 E 2.5-16 Evolution (W 201) fährt Roland Asch auf den ersten Platz.

Rennsport: damals wie heute

1982, sieben Jahre vor der Wiedervereinigung, wird der neue Mercedes-Benz 190 E der Baureihe 201 vorgestellt und erobert unter dem Spitznamen „Baby-Benz“ schnell die Herzen vieler Automobil-Fans. Über die Jahre erarbeitet sich der „kleine Benz“ sogar den Ruf eines kompakten Sportwagens. Bereits 1983 erscheint mit dem 190 E 2.3-16 eine sportliche Variante, die 185 PS (136 kW) und eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h erreicht und das Auto in 7,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Er wurde von privaten Teams zunächst auf der französischen Produktionswagen-Meisterschaft und ab 1987 bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) eingesetzt. Damit wurde der Grundstein der Weiterentwicklung des Sportwagens gelegt. 1989 erschien eine Homologations-Version mit Straßenzulassung: Der 190 E 2.5-16 Evolution I. Die Motorleistung blieb unverändert, doch das Fahrwerk erhielt für den sportlichen Einsatz auf der Rundstrecke – als Basis für einen DTM-Tourenwagen – eine Modifizierung. Exakt 502 Stück wurden gebaut, um die zur Teilnahme notwendige Rennsport-Zulassung zu erlangen. Da die Ansprüche der DTM stiegen, musste ein noch stärkerer „Evo“ her: Die Geburtsstunde des 190 E 2.5-16 Evolution II, der im März 1990 auf dem Automobilsalon Genf vorgestellt wurde.

Der Sauber-Mercedes C9 beim 24-Stunden Rennen von Le Mans 1989. Links, mit der Startnummer 63 das Siegerfahrzeug von Jochen Mass/Manuel Reuter/Stanley Dickens. Mit Startnummer 62 das Team Jean-Louis Schlesser/Jean-Pierre Jabouille/Alain Cudini, das den fünften Platz belegte.

Und auch beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1989 schrieb Mercedes-Benz Motorsport-Geschichte und kehrt mit den Silberpfeilen zurück auf die Rundstrecke. Denn auf dem ersten, zweiten und fünften Platz landete jeweils ein Sauber-Mercedes C 9. Das Auto, das vom schweizerischen Rennstall Sauber entwickelt wurde, trat erstmals 1987 in der Gruppe C der Rennsportwagen an und gewann das Saisonfinale des Supercups der Gruppe C auf dem Nürburgring mit Jean-Louis Schlesser am Steuer. In der Saison 1988 konnte der als Sauber-Mercedes an den Start gehende Rennwagen insgesamt acht Rennen für sich entscheiden. Für die Saison 1989 wurde ein neuer V8-Biturbo-Motor entwickelt, der technisch auf dem erfolgreichen Achtzylinder aus den damaligen Serienfahrzeugen wie dem SL, der E-Klasse oder der S-Klasse basiert. Mit einem Hubraum von 4.973 Kubikzentimeter und Vierventiltechnik lieferte der C 9 in seiner neuen silbernen Lackierung im Rennen rund 720 PS (530 kW). Der C 9 war damit das überlegene Auto der Saison und der erste siegreiche Silberpfeil nach 1955. Jean-Louis Schlesser wurde mit sieben Siegen in acht Rennen Fahrerweltmeister 1989, Jochen Mass Vizeweltmeister, Sauber-Mercedes gewann die Teamwertung. Echte Silberpfeile eben.

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