Unterwegs in Camouflage: Warum der menschliche Faktor entscheidend bleibt Dieter Zetsche | 15. Mai 2017

Bis Weihnachten sind es noch über 200 Tage. Trotzdem fühlte sich diese Testfahrt ein bisschen an wie der 24. Dezember – und das lag nicht am Wetter, sondern an der Vorfreude. Ich vermute, als Kind ging es den meisten so: Die Wartezeit vor der Bescherung gehörte zu den längsten Stunden des Lebens. Da versteht man auch als 6-Jähriger ganz intuitiv, was Einstein mit der Relativität der Zeit meinte…

Dieses Gefühl habe ich noch mehrmals im Jahr, wenn wir mit neuen Autos auf Testfahrt sind. Im Prinzip ist das wie ein Assessment-Center für Autos: Sie müssen den finalen Test bestehen, bevor sie in den Club aufgenommen werden. Die Jury ist unser Führungsteam bei Mercedes. Die Kandidaten sind alle neuen Fahrzeuge und Technologien mit Stern – verpackt in Tarnfolie. Und auf einsamen Straßen wird geprüft, ob sie wirklich serienreif sind. Ehrlich gesagt: Das ist einer der besten Teile meines Jobs – aber eben auch einer der härtesten. Denn hier dauert die Wartezeit bis zur „Bescherung“ nicht nur ein paar Stunden. Bis diese Autos weltweit in die Showrooms kommen, gehen oft noch Monate ins Land.

Wir waren mit unserer neuen Mercedes A-Klasse für 2018 unterwegs. Dieser Mercedes ist etwas besonders. Nicht nur, weil seine Einführung Kindheitserinnerungen weckt, sondern weil er seit dem Neustart 2012 ein Symbol für die Verjüngung unserer gesamten Marke ist. In den USA ist beispielsweise heute mehr als jeder zweite Kunde eines kompakten Mercedes-Modells ein Neukunde bei uns. Und das Durchschnittsalter eines A-Klasse Käufers in Europa ist vom vorherigen zum aktuellen Modell um 13,5 Jahre gesunken. Damit haben unsere kleinen Autos großen Einfluss auf unseren Absatz: In den letzten fünf Jahren haben wir mehr als zwei Millionen davon verkauft.

Gleichzeitig haben wir noch ehrgeizigere Pläne für die Zukunft: wir werden unsere Kompaktwagenfamilie auf acht Modelle ausbauen. Und die nächste Generation wird noch mehr fortgeschrittene Assistenzsysteme bieten, um den Weg in die Zukunft des autonomen Fahrens zu ebnen. Denn wir sind überzeugt: Die Demokratisierung dieser Innovation beschleunigt auch ihre Verbreitung.

Natürlich sind alle Technologien und Fahrzeuge bereits sorgfältig getestet worden, lange bevor wir damit zur Probefahrt starten. Wir stecken eine Menge Energie in Aufbau und Tests von digitalen Prototypen, ehe wir überhaupt mit dem Bau eines echten beginnen. Auch die ersten Crash-Versuche, aerodynamische Studien oder Federungstests werden als Simulationen in der virtuellen Welt durchgeführt.

Außerdem haben wir einen der weltweit leistungsfähigsten Klimawindkanäle gebaut. Diese Anlage in der Nähe von Stuttgart kann den kältesten schwedischen Winter oder die heißesten Tage im Death Valley simulieren. Temperaturen von minus 40 bis plus 60 Grad Celsius, Hurrikane mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 265 Stundenkilometer, tropische Niederschläge und Schneestürme gehören hier zum Standardrepertoire.

Warum brauchen wir trotzdem solche Testfahrten in Tarnfolie?

Weil der menschliche Faktor der Schlüssel zum Erfolg bleibt – vor allem bei hochemotionalen Produkten wie einem Premium-Auto. Wie hört sich das Schließen der Türen an? Passt das Fahrverhalten zum sportlichen Design? Werden Verarbeitung und Bedienung den hohen Erwartungen an ein Auto mit Stern gerecht? Wir sind überzeugt: Zur Beantwortung all dieser Fragen muss man raus auf die Straße.

Unser Urteil nach dem Fahren der neuen A-Klasse war klar: Damit kann die Produktoffensive weitergehen. Ich zähle jetzt schon die Tage bis 2018, wenn wir das Auto endlich enthüllen.

Bis dahin danke ich unserem gesamten A-Klasse Team. Die Testfahrt hat wieder einmal gezeigt: Ihr habt prima Arbeit geleistet!

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