Kein entweder oder. Dieter Zetsche | 13. September 2017

Wenn die Zukunft des Autos diskutiert wird, dann heißt es oft, man müsse sich entscheiden: Elektromotor oder Verbrenner? Besitzen oder Teilen? Fahren oder gefahren werden? Mensch oder Roboter? Bei Daimler sehen wir das anders. Wir sind überzeugt: Es ist kein Entweder-Oder. Deshalb tun wir das Eine – ohne das Andere zu lassen. Was das konkret bedeutet, zeigen wir derzeit auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt mit zwei Fahrzeugen, die gegensätzlicher nicht sein könnten.

Die Zukunft des Carsharing für die Stadt

Das eine Ende des Kontinuums ist unser smart vision EQ fortwo. Ein Showcar, dass zeigt, welche Möglichkeiten sich aus der Verknüpfung der vier Zukunftsthemen Konnektivität, autonomes Fahren, Sharing&Services und E-Mobilität ergeben, die wir unter dem Begriff „CASE“ zusammenfassen.

Zum Case Hub

Konnektivität bedeutet hier: Dieses Auto bestellen und bedienen Sie komplett über Ihr Smartphone. Verbindung besteht dabei auch zwischen den Fahrzeugen. Sollten Sie zum Beispiel mal mehr Gepäck dabei haben, bestellen Sie einfach einen zweiten smart, der Ihnen folgt. Das tut er vollkommen selbstständig.

Dieser smart braucht weder Lenkrad noch Pedale: Er fährt Level-5-autonom. Damit Sie nie lange auf Ihre Mitfahrgelegenheit warten, werden die smarts im Schwarm unterwegs sein. Intelligente Algorithmen und Künstliche Intelligenz analysieren Nutzungsmuster, damit sich der Schwarm rechtzeitig dorthin bewegt, wo demnächst Fahrzeuge gebraucht werden. So könnten in einer Stadt wie Berlin etwa halb so viele intelligent gesteuerte, selbstfahrende smarts den heutigen Mobilitätsbedarf decken. Oder anders herum: mit der heutigen Anzahl an car2gos wären doppelt so viele Menschen individuell mobil.

Das S für Sharing bleibt bei diesem Auto der zentrale CASE-Buchstabe. Sie sharen nicht nur das Fahrzeug. Sie teilen, wenn Sie wollen, auch die Fahrt. Unterwegs bekommen Sie die Meldung, dass jemand in Ihre Richtung will. Sie bestätigen und teilen sich auch die Fahrtkosten. Dabei setzt unser Konzept auf zwei Prinzipien, die sich eigentlich ausschließen: Sharing und Personalisierung. Was ich teilen kann, ist meist nicht sehr persönlich. Und sehr persönliche Dinge will ich nur selten teilen. Hier ist es anders. Solange Sie diesen smart nutzen, passt er sich Ihren Wünschen maximal an. Wenn Sie ihn montags grün wollen, kommt er in Grün. Wenn Sie ihn dienstags rot wollen, kommt er in Rot.

Dass das Stadtauto der Zukunft elektrisch und emissionsfrei unterwegs ist, steht außer Frage. Wir denken an ein induktives Ladekonzept. Emissionsfreie Mobilität zum Selberfahren haben wir mit dem smart fortwo electric drive als ideales Stadtauto schon 2007 eingeführt. Deshalb gehen wir jetzt den nächsten Schritt: Wir planen, unsere Marke smart in Europa und Nordamerika bis Ende der Dekade komplett auf elektrische Antriebe umzustellen. Der Rest der Welt folgt kurz darauf.

Aber wir haben ja gesagt: wir tun das Eine und das Andere. Und unser zweites Highlight auf der IAA ist etwas ganz anderes.

Die Zukunft der Performance zum Selberfahren

Der Mercedes-AMG Project ONE wurde auf der Rennstrecke geboren. Das Ziel: zukunftsweisende Technologie für beste Rundenzeiten. Und Straßenzulassung. Wir rechnen mit einem Top-Speed von über 350 km/h und einer Beschleunigung von 0 auf 200 in unter 6 Sekunden. Ein 1,6 Liter V6-Verbrenner und vier Elektromotoren bringen eine rechnerische Hybrid-Systemleistung von über 1.000 PS und dazu eine rein elektrische Reichweite von rund 25 Kilometern.

Dieses Fahrzeug beweist, wie aufregend Hybrid-Technologie sein kann. Die thermische Effizienz liegt bei mehr als 40 Prozent. Normal liegt dieser Wert bestenfalls bei rund einem Drittel. Außerdem wollen wir etwa 80% der Bremsenergie zurückgewinnen und in die Akkus leiten.

Seit dem Start dieses Projektes verstehe ich noch besser, warum man ein solches Auto „Hypercar“ nennt. Denn einen solchen Hype, wie um diesen Mercedes, habe ich in 40 Jahren nicht erlebt. Letzten Herbst haben wir auf dem Autosalon in Paris nur eine vage Silhouette gezeigt. Schon am nächsten Morgen riefen bei AMG die ersten Interessenten an, um so ein Auto zu bestellen. Und seitdem hat das Telefon in Affalterbach quasi nicht mehr aufgehört zu klingeln ...

Eins haben smart und AMG trotz aller Unterschiede gemeinsam: Das Auto war für die meisten von uns schon immer mehr als der Weg von A nach B. Es bedeutete immer auch ein Stück Freiheit und persönliche Unabhängigkeit. Das Paradox: Der unglaubliche Erfolg des Automobils ist gleichzeitig sein größtes Problem. Straßen und Städte werden voller, Öl und andere Ressourcen werden knapper und Verfügbarkeit wird wichtiger als Besitz.

Deshalb geht unsere wichtigste Aufgabe weit über die Neuerfindung des Automobils hinaus. Es geht um die Neuerfindung der persönlichen Unabhängigkeit. Dabei gibt es nicht nur eine Lösung. Und ich bin überzeugt: das ist auch gut so.

Weitere Informationen zur IAA 2017

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