Was macht ein Auto zur Ikone? Dieter Zetsche | 15. Januar 2018

Das erste eigene Auto vergisst niemand so leicht, oder? Meins war ein alter VW Käfer. Und ich hab ihn geliebt. Er war meine erste große Unabhängigkeitserklärung. Und sicher eine der wichtigsten. Entsprechend viel Zeit haben wir miteinander verbracht. Ich habe bei meinem Käfer sogar einmal den Motor getauscht und auch sonst alles getan, damit unsere Beziehung lange hält.

Wahrscheinlich verbinden die meisten von uns ähnlich starke Gefühle mit ihren ersten Autos. Nur ein paar wenige Autos schaffen es jedoch, bei Menschen in jeder Lebensphase starke Emotionen auszulösen: Die Liste zeitloser Auto-Ikonen ist nicht sehr lang. Der Käfer gehört auf jeden Fall dazu. Ich persönlich würde den 911er von Porsche dazuzählen, den Mustang und den Wrangler. Und aus unserem Hause den Mercedes 300 SL und natürlich die G-Klasse. Die G-Klasse gibt es jetzt seit fast 40 Jahren – und vor kurzem haben wir in Detroit ihre neueste Generation vorgestellt.

Aber warum steigt die Faszination für manche Autos mit der Zeit massiv an, während die meisten anderen Modelle irgendwann einfach wieder verschwinden? Wo liegt der Unterschied zwischen einem Auto, das einen nur solide von A nach B bringt – und einer Auto-Ikone? Ich denke, es sind vor allem drei Eigenschaften.

Die drei Stärken einer Ikone

Erstens: Ikonen stehen für etwas – ohne Kompromisse. Sei es für ein bestimmtes Design, für Leistung oder einen spezifischen Einsatz. Bis heute erkennt jedes Kind die Form eines VW Käfer. Und die Stärke der G-Klasse ist natürlich ihre unerreichte Geländegängigkeit.

Zweitens: Auto-Ikonen sind zeitlos. Sie laufen keinen Modetrends hinterher. Sie definieren einen Look – und bleiben ihm treu. Das gilt für den kantigen G wie für die Coke-Flasche oder den Eames-Chair. Für die ersten Tests mit Prototypen hat das Team in Graz, wo die G-Klasse gebaut wird, deshalb sogar ernsthaft darüber nachgedacht, die sonst übliche Tarnfolie wegzulassen. Die Form des G ist ohnehin immer erkennbar. Manche Dinge lassen sich einfach nicht tarnen ...

Drittens: Auto-Ikonen sind zur Legende geworden, weil sie nicht nur Menschen transportieren, sondern auch Geschichten. Und die G-Klasse hat jede Menge davon zu erzählen. Auch meine persönliche Geschichte bei Daimler ist eng mit der G-Klasse verbunden: Sie war das erste Fahrzeug-Projekt, für das ich bei Mercedes R&D in den frühen 80er-Jahren verantwortlich war.

Dieses Bild, aufgenommen in einem Flur bei der G GmbH in Graz, zeigt: Zwischen mir und der G-Klasse schaut nur einer noch genauso aus wie damals. Auch wenn wir beide einen sehr beständigen Stil pflegen ...

Eine der besten Kundengeschichten ist die von einem G namens „Otto“ und seinem Fahrer Gunter Holtdorf. Die beiden haben sich auf eine monumentale Weltreise begeben: 26 Jahre, 215 Länder und fast 900.000 Kilometer – mindestens ein Drittel davon offroad.

Die Reise wird noch faszinierender, wenn man Folgendes bedenkt: ein Kilometer im Gelände beansprucht ein Auto in etwa so sehr wie acht Kilometer auf der normalen Straße. Nach dieser Rechnung hat Otto eine Größenordnung von 2,5 Millionen Kilometern abgespult. Da ist es umso beeindruckender, dass rund 80 Prozent aller jemals gebauten G-Klassen immer noch auf den Straßen dieser Welt unterwegs sind – und daneben.

So einen Prozentsatz würde man eigentlich eher von Sammler-Coupés und Liebhaber-Cabrios erwarten, die ihr Autoleben aber mehr in beheizten Einzelgaragen verbringen als durch Felsen, Matsch und Schlamm zu pflügen.

Bewahren bedeutet verbessern

Genau das wollten wir auch mit dieser Neuauflage der G-Klasse wieder erreichen. Wir hätten zum Beispiel die Türscharniere integrieren können. Haben wir aber bewusst nicht gemacht. Wir könnten die Blinker unauffälliger gestalten. Wollen wir aber nicht. Und wir hätten auf den Haltegriff für den Beifahrer verzichten können. Wer allerdings jemals mit der G-Klasse auf dem Schöckl war – der legendären Offroad-Strecke bei Graz – der weiß: das wäre keine gute Idee.

Denn am Ende gibt es beim G nur eins, was wirklich zählt: seine unerreichten Offroad-Fähigkeiten. Das ist die DNA der G-Klasse – und das Gelände ist sein natürlicher Lebensraum. Deshalb haben wir auch nicht einmal darüber nachgedacht, die heilige Offroad-Dreifaltigkeit des G zu verändern: Leiterrahmen, Differentialsperren und Geländeuntersetzung.

Die G-Klasse hat sich über vier Jahrzehnte hinweg immer weiterentwickelt. Letzter Beleg: Es gibt nur 3 Bauteile, die wir von der aktuellen unverändert in die neue G-Klasse übernommen haben. Weiterentwicklung bedeutet in diesem Fall: Das Interieur ist komplett neu. Das Fahrgefühl auf der Straße ist besser denn je. Und im Gelände ist die Legende noch einmal stärker geworden.

Insgesamt ist der neue G sofort wiederzuerkennen – und gleichzeitig in jeder Dimension besser geworden. Das ist es, was eine Auto-Ikone lebendig hält. Oder um es mit den Worten von Gunnar Güthenke, dem Chef unserer G GmbH, zu sagen:

Nur eine G-Klasse kann besser sein als eine G-Klasse.

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