100 Dinge, die Sie über Daimler wissen sollten | #15

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Warum Stuttgart (trotzdem) Benztown ist

Im Jahr 1952 geschah Revolutionäres: Badener und Württemberger stimmten mehrheitlich der Gründung eines gemeinsamen Bundeslandes zu. Ein Erfolgsmodell bis heute, keine Frage, und trotzdem blieben manche Animositäten. Diese äußern sich beim Fußball, aber auch im Alltag. „Schwobe schaffet, Badener denket“, hieß es lange im Volksmund. Hier der pietistisch-rechtschaffene, aber knittrige Schwabe – dort der lebensfrohe Genießer aus Baden, der auch mal Fünfe gerade sein lassen kann. Dass beide sich dennoch bestens ergänzen, zeigt nicht nur die Erfolgsgeschichte von Baden-Württemberg, sondern auch jene von Daimler und Benz: Deren Unternehmen schlossen sich schon 26 Jahre vor der Fusion des Bundeslandes zusammen und firmierten bis zum Jahr 1998 auch unter dem Namen Daimler-Benz.

Der Schwabe Gottlieb Daimler wurde in Schorndorf geboren und erfand das Auto im Jahr 1886 in Bad Cannstatt. Der Badener Carl Benz erblickte das Licht der Welt in Mühlburg bei Karlsruhe und erfand das Auto zeitgleich in Mannheim – und das, obwohl sie sich nicht einmal persönlich kannten und auch nie kennenlernen sollten. Auf die Ursprünge beider Erfinder ist man bis heute in den jeweiligen Landesteilen stolz. Und so schafft man in Sindelfingen oder Untertürkheim traditionell beim Daimler, während man in Rastatt oder Mannheim bei Benz arbeitet. Soweit die historische Einordnung: Warum aber um alles in der Welt hat sich für die Landeshauptstadt Stuttgart bei der jüngeren Generation der Begriff „Benztown“ eingebürgert?

Der Ursprung dieser Kuriosität reicht zurück in die 1990er Jahre, als Stuttgart sich aufmachte, das Image von der biederen Schaffer-Metropole, wo traditionell abends die Bordsteine hochgeklappt wurden, abzustreifen. Plötzlich gab es pulsierende Innenstadt-Clubs, Stuttgart wurde neben Frankfurt und Berlin Techno-Hochburg und zahlreiche Hip-Hop-Gruppen, wie die Fantastischen Vier, die Massiven Töne oder Freundeskreis sorgten für Furore und trugen dazu bei, dass Stuttgart plötzlich fast schon hip wurde – eine Stadt, in der man auch feiern konnte.

DJ Thomilla - Privataufnahme um 1998
DJ Thomilla - Privataufnahme um 1998

In dieser Zeit gründete DJ Thomilla zusammen mit Peter Hoff das Label „Benztown Productions“ – in Anlehnung an die weltbekannte Motown Detroit, wo die amerikanische Autoindustrie beheimatet ist. Der Erfolg des Labels sprach sich schnell herum. Selbst US-Superstar Puff Daddy nahm nach einem Konzert in Stuttgart bei Benztown einen Song auf. Und auch wenn es das Label heute nicht mehr gibt, der Name „Benztown“ als Synonym für Stuttgart als Ausgehmetropole ist geblieben und zeigt: Musik verbindet und hilft bisweilen, alte Denkmuster zu überwinden.

Christian Scholz

ist in Benztown geboren, spricht aber kein Schwäbisch, da die Eltern „Neigschmeckte“ sind und hat in Baden studiert. Nicht nur deshalb findet er beide Landesteile liebens- und lebenswert. Multikulti à la Ländle.

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