100 Dinge, die Sie über Daimler wissen sollten | #4

G-Steil! Daimler schickt die G-Klasse auf den Grazer Hausberg

Für einige ist sie ein Anachronismus des Automobilbaus, für andere die Geländewagen-Ikone schlechthin: Die G-Klasse lässt seit nunmehr 40 Jahren kaum jemanden kalt. Seit ihrem Geburtsjahr 1979 blieb sie ihrer Urform treu – robuster Leiterrahmen, permanenter Allradantrieb und drei Differenzialsperren.

Damit ist sie die mit Abstand am längsten unverändert gebaute Pkw-Modellreihe von Mercedes-Benz. Wie sportlich der Urvater aller Sport Utility Vehicles (SUVs) mit Stern tatsächlich ist, muss er auf dem Grazer Hausberg Schöckl unter Beweis stellen. Erst dann erhält er offiziell den Titel „Schöckl proved“ und darf in Serie gehen.

Der 1.445 Meter hohe Gipfel über der steirischen Landeshauptstadt mag unscheinbar wirken, hat es aber in sich. Für den Allrad-Spezialisten Magna Steyr, der die G-Klasse seit vier Jahrzehnten für Mercedes-Benz fertigt, liegt die Natur-Teststrecke vor den Werkstoren. In der Offroad-Szene gilt die Schöckl-Strecke als eine der größten Herausforderungen für Mensch und Technik weltweit.

Aus gutem Grund: Die 5,6 Kilometer enthalten Steigungen von bis zu 60 Prozent, erlauben eine Seitenneigung von 40 Prozent. Gut 2.000 strapaziöse Kilometer auf diesem anspruchsvollen Kurs muss ein G in der Entwicklungsphase überstehen. Als Testkilometer für die Erprobung zählen allerdings nur die 3,4 Kilometer „Schlechtweg“. Wer schon mal das – je nach Empfindlichkeit des jeweiligen Magens – eher zweifelhafte Vergnügen hatte, weiß: Schlechtweg ist pure Niedrigstapelei. Felsblöcke ragen einen halben Meter hoch aus der Piste, Baumwurzeln überspannen die Trasse. Es gibt knietiefe Spurrillen, Steine, lockeres Geröll, Erdabsätze und Schlammlöcher. Ein Testkilometer entspricht einer Belastung von 50 Kilometern im Echtbetrieb. Nicht von ungefähr tragen einzelne Passagen der „Grünen Hölle der Steiermark“ ebenfalls plakative Spitznamen wie Hexenkessel, Schlund oder Hammerschlag.

Nicht trotzdem, sondern gerade deshalb wird jede neue Baureihe am Schöckl dem Härtetest unterzogen. Gestandene Werksfahrer von Magna Steyr absolvieren im Schichtbetrieb Tag und Nacht die Testkilometer. Dass sich die Plackerei lohnt, belegt die unangefochtene Qualität der G-Klasse: Es heißt, dass rund 80 Prozent aller jemals produzierten Fahrzeuge noch immer auf den Straßen, Pfaden und nicht zuletzt den Schlechtwegen dieser Welt unterwegs sind. „Schöckl proved“ ist eben „Schöckl proved“.

Ziel jeder touristischen Tour auf den Schöckl ist die Halterhütte kurz unter dem Gipfel
Ziel jeder touristischen Tour auf den Schöckl ist die Halterhütte kurz unter dem Gipfel
Der 1.445 Meter hohe Hausberg der Grazer mag unscheinbar wirken, die Pisten haben es aber in sich
Der 1.445 Meter hohe Hausberg der Grazer mag unscheinbar wirken, die Pisten haben es aber in sich
Mensch und Material werden hier auf eine harte Probe gestellt
Mensch und Material werden hier auf eine harte Probe gestellt
Welche Schräglagen mit dem Geländewagen möglich sind, verrät ein Blick auf die senkrechten Bäume
Welche Schräglagen mit dem Geländewagen möglich sind, verrät ein Blick auf die senkrechten Bäume
Das G-Class Experience Center bietet unter anderem einen künstlich angelegten Offroad-Bereich, den G-Rock, mit verschiedenen Auffahrtsrampen mit bis zu 100 Prozent Steigung.
Das G-Class Experience Center bietet unter anderem einen künstlich angelegten Offroad-Bereich, den G-Rock, mit verschiedenen Auffahrtsrampen mit bis zu 100 Prozent Steigung.
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Auf den G-schmack gekommen?

Wer selbst einmal das Schöckl-Feeling erleben möchte, hat dazu ab März 2020 Gelegenheit im neuen G-Class Experience Center 15 Kilometer südlich von Graz. Dort können Offroad-Fans auf unterschiedlichen Untergründen und Steigungen sowie Schräg- und Wasserdurchfahrten an die Grenzen ihres fahrerischen Könnens gehen. Weitere Informationen bietet die Website zur G-Class Experience.

Wer es vorzieht nicht am Steuer, sondern im Museum mehr über die Geländewagen-Ikone zu erfahren, dem sei die Sonderausstellung „G-Schichten“ im Stuttgarter Mercedes-Benz Museum ans Herz gelegt. Noch bis zum 19. April 2020 werden Fahrzeuge von 1979 bis heute präsentiert. Mit dabei sind beispielsweise der Siegerwagen der Rallye „Paris–Dakar“ von 1983 als originalgetreuer Nachbau und das „Papamobil“, das bereits in der zweiten Folge unserer „100 Dinge …“-Serie eine Rolle gespielt hat.

In dieser Kolumne stellen wir Ihnen interessante, kuriose oder weithin unbekannte Fakten aus der Welt von Daimler vor. Eine neue Folge von „100 Dinge, die Sie über Daimler wissen sollten“ erscheint alle 14 Tage.

Cornelia Hentschel

fährt selbst keine G-Klasse. Sie findet: Durchaus vernünftig als Innenstadtbewohnerin. Vernünftig wäre es aber auch gewesen, für eine Rundreise durch Namibia keinen Kleinwagen zu mieten. Nicht erst nach einem Reifenplatzer auf einer Schotterpiste war ihr klar: Das Gefährt war vieles, nur nicht „Schöckl approved“.

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