100 Dinge, die Sie über Daimler wissen sollten | #8

Dank Daimler sind deutsche Polizeiautos Silber

Blaue Folierung, um die Zusammengehörigkeit in der EU zu stärken, neongelbe Konturmarkierungen für bessere Sichtbarkeit – die farbliche Gestaltung der deutschen Polizeifahrzeuge ist nicht zufällig. Aber warum Silber als Grundlackierung? Daimler machte die Farbe zum Standard – dank eines revolutionären Leasing-Konzepts.

Als in den 70er-Jahren Tunichtgute in Schlaghosen die Biege machten, ging die Polizei erstmals mit grün-weißen Streifenwagen auf Ganovenjagd durch weite Teile der Republik. Mit der Jahrtausendwende waren die Ordnungshüter in grün-silber, dann in blau-silber unterwegs – coole Cops, wie man sie sonst nur aus Hollywood-Krimis kannte. Damit wurde fortgeführt, was etwa mit dem Krümmungsgrad der Gurke begann: die Vereinheitlichung in der EU.

Doch wie kam es dazu, dass die Karosserie in „Brillantsilber“ schimmerte? Das lag nicht an Brüssel, sondern an Daimler!

Ende der Neunziger setzte das baden-württembergische Innenministerium das „Technik-Zukunfts-Programm“ auf, mit dem unter anderem auch die Polizei-Flotte erneuert werden sollte. Die Devise lautete: Leasen statt kaufen. DaimlerChrysler konnte sich bei der europaweiten Ausschreibung den Zuschlag für die 3.800 Pkw und Transporter sichern und kam mit einer revolutionären Idee um die Ecke. Das Schlagwort lautete „Rückrüstkonzept“. Dabei ging es um die Frage, wie Sonderfahrzeuge möglichst ohne großen Aufwand zu Serienfahrzeugen rückgerüstet werden können, um sie nach der Nutzung besser zu verkaufen.

Im Detail hieß das: Die Grundfarbe der Fahrzeuge sollte nicht mehr länger Weiß sein, wie es seit 1975 üblich war, sondern Silber. Silber, weil der Wiederverkaufswert eines silberlackierten Fahrzeugs nach Leasingende auf dem Gebrauchtwagenmarkt höher war als der eines weißen. Hinzu kam: Dank eines speziellen Verfahrens zur Folierung der Fahrzeuge ließ sich das Grün auf den beweglichen Teilen problemlos abkleben. Und auch den Dachbalken mit der polizeispezifischen Ausstattung konnte man über die Schiebedachöffnung ohne großen Aufwand abmontieren.

Übergabe neuer Polizeifahrzeuge an die Baden-Württembergische Polizei.
Übergabe neuer Polizeifahrzeuge an die Baden-Württembergische Polizei.
Mercedes-Benz C-Klasse als Polizeifahrzeug.
Mercedes-Benz C-Klasse als Polizeifahrzeug.
1980er Jahre: Der Mercedes-Benz 420 SE als Polizeifahrzeug.
1980er Jahre: Der Mercedes-Benz 420 SE als Polizeifahrzeug.
Mercedes-Benz Sprinter für die Bundespolizei.
Mercedes-Benz Sprinter für die Bundespolizei.
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Das Leasing-Konzept von DaimlerChrysler, um genau zu sein von der Mercedes-Benz Vertriebsdirektion Stuttgart und der DaimlerChrysler Bank (heute Mercedes-Benz Bank), machte in Polizei-Kreisen schnell die Runde und wurde zum Standard für die ausschreibenden Behörden wie auch die anderen Automobilhersteller in ganz Deutschland.

Kein Wunder: Die monatlichen Leasingraten sanken und der Wiederverkaufswert ausgedienter Streifenwagen stieg. Außerdem sparte das Land bei jedem Wagen rund 4.500 Mark – so teuer wäre das Umspritzen eines weißen Streifenwagens nach dem Ende der Leasingzeit gewesen. Obendrein wurden die Fahrzeuge mit einem Servicevertrag ausgestattet und sie hatten kürzere Leasingzeiten, wodurch die Polizei die Wartungskosten und eigene Werkstattbetriebe reduzieren konnte.

Nicht nur deshalb war die Freude bei der Polizei groß über die Anschaffung der „Silberpfeile“, als die ersten Leasingfahrzeuge im April 2000 übergeben wurden. „Dieses Auto hat ein immenses Renommee!“, schwärmte der damalige baden-württembergische Landespolizeipräsident Erwin Hetger in der DaimlerChrysler-Mitarbeiterzeitung von 2001. Und der Polizeimeister Thomas Rockus ließ sich zu einer Liebeserklärung hinreißen, die wohl noch bis heute Bestand hat: „In den neuen Streifenwagen von Mercedes-Benz fühlen wir uns wohler als in jedem anderen Auto!“

Bartek Langer

wollte als Knirps FBI-Agent werden, dann Sheriff. Aus beidem wurde nichts. Den Stern trägt er heute aber dennoch mit sich – auf seiner Visitenkarte.

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