Pallegram | #10

Pallegram-Header

Raus aus dem La-la-Land: Für mehr Ehrlichkeit in den Netzwerken

In unseren sozialen Netzwerken scheinen nur noch zwei Extreme zu existieren: Hier die Fingerzeiger und Hater, die wirklich alles und jede(n) in den Dreck ziehen und dort die Convention der „es ist alles so schön und rosarot hier“. Was sich auf Facebook zumindest ansatzweise die Waage hält, schlägt auf den Business-Plattformen wie LinkedIn und Xing ganz klar in einer Richtung: Ich/wir sind die besten und the sky is the limit.

Na, heute auch schon einen Groufie (Gruppen-Selfie) auf LinkedIn mit dem entsprechenden Motivations-Untertitel aus dem digitalen Bauernkalender veröffentlicht? Ehrlich, ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr mich eindimensionale Konten dieser Art anöden. Sätze wie „Haben gerade unsere Design-Thinking-Workshop-Woche für das Re-Design unseres Email-Footers erfolgreich abgeschlossen. Danke an das beste Team der Welt!“ sind nicht motivierend, sondern für mich die ultimative Kapitulation vor der eigenen Angst, auch endlich mal wirkliche Inhalte zu liefern.

Brrrrr … nicht so schnell mit den jungen Pferden. Bevor die Wattebäusche in den Kommentarfeldern in meine Richtung fliegen und mir die Leadership-Prinzipien des Empowerments nahegebracht werden sollen … so meinte ich das nicht. Ich möchte auf gar keinen Fall positive Postings, Kommentare, Fotos oder sonstige Gefühlsausdrücke ins digitale Nirvana schicken. Im Gegenteil! Es ist verdammt wichtig, sich nicht in negativen Blasen zu verlieren, was ich auch in meinem Kommentar Lust auf Zukunft vs. "German Angst" noch einmal deutlich machen wollte.

Aber dieses eintönige „wir sind alle so großartig“-Posting ohne Kontext, mit den immer gleichen Kameraeinstellungen … es geht mir ehrlich gesagt nur noch auf die Düse und ich frage mich langsam, ob LinkedIn und Co. hier nicht einmal langsam den Hebel ansetzen müssten, um nicht zum Facebook für vermeintlich hippe Geschäftsleute zu verkommen. Die Frage, ob auch hier der Like-Button die Wurzel allen Übels ist, muss erlaubt sein. Ist Engagement wirklich der ultimative Indikator für Qualität?

Konstruktive Inhalte erfordern Mut

Content, Content, Content! Den ganzen Tag rauschen auf den sozialen Netzwerken Inhalte an uns vorbei, die wir in fünf Sekunden wieder vergessen haben. Wie kann man denn hier überhaupt noch aus der Masse herausstechen?

Das ist relativ einfach zu beantworten: Indem man inhaltliche Mehrwerte schafft!

Ein konstruktiv kritischer Kommentar, der die eigene Perspektive herausfordert, ist definitiv spannender und horizonterweiternder als der 500. Like auf ein „Alles ist super“-Posting.

Ein ergänzender Link zu einer Analyse oder Kolumne sagt mir nicht nur, dass sich die Person am anderen Ende der Leitung mit dem Inhalt beschäftigt hat. Mehr noch, dieser wird damit auf die nächste Entwicklungsstufe gehoben. Er fängt faktisch an zu leben und genau das ist für mich die wunderbarste Art und Weise, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten uns soziale Netzwerke bieten.

Wenn wir nicht verstehen, dass man fordernde und konstruktive Inhalte nicht in zwei Minuten abfrühstücken kann, werden wir auch nie das gesamte Potenzial der Schwarmintelligenz ausnutzen können.

Wir tragen inzwischen die performantesten mobilen Devices täglich mit uns rum. Diese sind mit Kameras und Sensoren ausgestattet, die vor gerade einmal 50 Jahren für nicht möglich gehalten wurden. Überall und rund um die Uhr können wir damit auf das Wissen der Menschheit zugreifen und dieses auch noch ergänzen.

Nutzen wir doch diese Chancen anstatt das Netz mit dem nächsten „Look at me“-Posting zu verstopfen!

Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Diskutieren Sie mit uns auf LinkedIn.

Jetzt kommentieren

Sascha Pallenberg

Mit vier saß Sascha zum ersten Mal beim 24h Rennen an der Nordschleife. Zehn Jahre später, 1985, ging er zum ersten Mal online. Zumindest für einen Monat, denn dann überraschte die Telefonrechnung seine Eltern. Zumindest aber bildet diese Zeit auch heute noch das Fundament für seine Leidenschaft zur Schnittmenge aus Mobilität und der digitalen Welt.

Mehr zum Autor

Alle Artikel dieser Serie

Wir verwenden Cookies

Damit wollen wir unsere Webseiten nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie die Webseiten weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu.