Pallegram | #8

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Ein Herz für Trucks oder warum jeder mal Lkw fahren sollte!

Andere Perspektiven einzunehmen, Toleranz gegenüber konträren Positionen zu beweisen und vor allen Dingen wirklich den Gegenüber verstehen zu wollen … Was sich nach einem Deeskalations-Seminar für Kommunikatoren anhört, lässt sich wunderbar auf tägliche Situationen im Straßenverkehr übertragen. Und ja, ich sehe mich da auch als vormals uneinsichtigen Teilnehmer, der in einer Tour versuchte, seine Vorurteile bestätigt zu bekommen.

Frage in die Runde: Wer hatte hier schon einmal eine nervenaufreibende Situation/Begegnung mit Verkehrsteilnehmern, die entweder größer, kleiner, schneller, langsamer waren oder vielleicht gar das Produkt einer bestimmten Marke fuhren? Hier! Ich! Ja, wenn ich da auf meine mobile Historie zurückblicke, dann muss ich mir eingestehen, dass ich eigentlich mit beiden Händen auf mich zeigen müsste.

„Typisch Sonntagsfahrer“, „Oma/Opa am Steuer“, „Na klar, der hat ja auch ne Klorolle auf der Ablage“, „Ich wette, der hat seinen Namen als Schild im Führerhaus“… wer sich davon freisprechen kann, bekommt von mir umgehend den Vorschlag sich für den diplomatischen Dienst an der Nord/Süd-Koreanischen Grenze zu bewerben. Ich behaupte einfach mal, dass sich wirklich niemand von derartigen Gedankengängen freisprechen kann… oder liege ich da wirklich so falsch?

„If you try walking in my shoes, You’ll stumble in my footsteps. “

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Walking in my Shoes – Depeche Mode

Sind wir doch mal ehrlich, nach unserem zweiten Lebensjahr wird es verdammt schwer und anstrengend, sich noch vorurteilsbefreit durchs Leben zu bewegen. Stereotypen sind so wunderbar einfach und bequem. Einmal den Stempel draufgepackt und dann für immer in die dafür vorgesehene Schublade gelegt. Dabei entgehen uns dadurch wirklich so ziemlich die schönsten Erfahrungen, die man überhaupt machen kann. Wenn man nämlich über den eigenen Schatten springt, reflektiert und genau derartige Ressentiments ablegt.

Und genau das bin ich in aller Konsequenz angegangen!

Für mich hatten Trucks, Busse und Lkw seit frühester Kindheit eine besondere Faszination. Die schiere Größe, dazu noch die zum Teil bunt ausgestatteten Fahrerhäuser und natürlich dieser Moment, in dem ein derartiges „Schiff“ mal auf die Hupe drückte bzw. an der Leine zog.

Wenn der durchdringende, sonorige Klang keine Traumatisierung auslöst, sondern die durch die Augen transportierten Worte der Ergriffenheit an den kindlichen Wangen herunterlaufen lässt. Hach…

Ich denke, ich untertreibe nicht, wenn behaupte, dass Nutzfahrzeuge (sicherlich auch durch Matchbox/Siku-Modelle in Kombination mit futuristischen Sandkasten-Straßenzügen getrieben) eine ganz besondere Wirkung auf kleine und grosse Kinder hat.

Umso aufgeregter war ich, als eine Anfrage von den Kolleg*innen von Daimler Trucks & Buses kam, ob ich mit auf die FUSO-Testrecke in Kitsuregawa, Japan, kommen möchte. Okay, ich hab sie schon ein wenig zappeln lassen. So knappe 0,5 Sekunden 

Japan ist ja ohnehin für mich praktisch um die Ecke und so war der Flug nach Tokio letztendlich kürzer als die Busfahrt zur Teststrecke nördlich der japanischen Hauptstadt.

Drei Truck-Flaggschiffe von Daimler: der Mercedes-Benz Actros, der Freigthliner Cascadia und der FUSO Super Great.
Drei Truck-Flaggschiffe von Daimler: der Mercedes-Benz Actros, der Freigthliner Cascadia und der FUSO Super Great.

Kindheitstraum als Augenöffner

Ja und da standen die drei ultimativen Kindheitsträume: Ein Freightliner Cascadia, ein FUSO Super Great und ein Mercedes-Benz Actros!

Freightliner Cascadia
Freightliner Cascadia
FUSO Super Great
FUSO Super Great
 Mercedes-Benz Actros 1846 LS 4x2
Mercedes-Benz Actros 1846 LS 4x2
1/0

Was ich jedoch nicht wusste: ich konnte im Cascadia und Actros die Fahrassistenzsysteme testen – vor allem den Active Drive Assist, teilautomatisiertes Fahren, Level 2. Nicht als Beifahrer, nein, auf der Teststrecke. Booom!

Die folgenden Zeilen sind wirklich wohlüberlegt und mit der Erfahrung von 20 Jahren Medienrummel, Events und vielen Erlebnissen aufgeschrieben, die meine Horizonte das ein oder andere mal durchbrochen haben:

Einen Truck fahren zu dürfen, zu erfahren, wie aufmerksam man sein muss und dabei zu sehen, wie weit die technologische Entwicklung ist … DAS war das aufregendste Fahrerlebnis meines gesamten Lebens.

Nicht nur weil ich endlich auch mal an der Hupe (oder sagen wir besser Kreuzfahrtschiff-Nebelhorn) „ziehen“ durfte, sondern weil es mir die Augen geöffnet hat.

Einen Truck zu bewegen, das heißt vor allen Dingen auch noch intensiver seine Umgebung zu scannen und monitoren. In einer Tour schaust du, was um dich herum los ist, fährst aufgrund der Länge des Fahrzeugs ganz andere Kurven, biegst anders ab, schaust wieder in alle Spiegel, bist in einer Tour im Überwachungsmodus!

Freunde des gepflegten „immer diese Lkw-Fahrer“-Statements: Macht es einfach mal. Ehrlich jetzt! Nur wer einmal die Möglichkeit hat, in die Haut des Gegenübers zu schlüpfen, kann auch wirklich ansatzweise dessen Handlungen verstehen.

Toleranz entsteht genau in den Momenten, in denen wir uns darauf einlassen zu verstehen, anstatt die andere Position wegzuargumentieren. Und das ist nicht einmal ansatzweise auf Trucks, Pkw, Radfahrer, Fußgänger oder „was auch immer für“-Verkehrsteilnehmer limitiert.

Dennoch… es war letztendlich die Fahrt in einem Lkw, die mir gezeigt hat, was Trucker hier für einen sensationellen und extrem schwierigen Job machen. Und dafür bin ich verdammt dankbar!

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Sascha Pallenberg

Mit 4 saß Sascha zum ersten Mal beim 24h Rennen an der Nordschleife. 10 Jahre später, 1985, ging er zum ersten Mal online. Zumindest für einen Monat, denn dann überraschte die Telefonrechnung seine Eltern. Zumindest aber bildet diese Zeit auch heute noch das Fundament für seine Leidenschaft zur Schnittmenge aus Mobilität und der digitalen Welt.

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