100 Dinge, die Sie über Daimler wissen sollten | #23

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Bewegt-Fahrsimulator: Virtuelle Realität auf Schienen

Jedes neue Mercedes-Benz Modell ist das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeit und ausgiebiger Erprobung. Längst finden nicht mehr alle Testfahrten auf echten Straßen oder einem Versuchsgelände statt. Vieles läuft virtuell ab. Auch hier war Mercedes wieder Vorreiter: Der vor zehn Jahren in Betrieb genommene Bewegt-Fahrsimulator in Sindelfingen zählt noch heute zu den leistungsfähigsten seiner Art.

Bevor ein neues Auto auf den Markt kommt, spulen die Entwicklungsingenieure unzählige Testkilometer in Prototypen und Vorserienfahrzeugen ab. Sowohl im städtischen Umfeld als auch über Land und auf der Autobahn werden die Systeme und Komponenten künftiger Mercedes-Benz Modelle erprobt. Gerade für elektronische Fahrassistenten und automatisierte Fahrfunktionen ist das unerlässlich.

Das Innere des Fahrsimulators in Sindelfingen. Durch eine 360-Grad-Leinwand können typische Fahrsituationen realitätsgetreu nachgestellt werden.
Das Innere des Fahrsimulators in Sindelfingen. Durch eine 360-Grad-Leinwand können typische Fahrsituationen realitätsgetreu nachgestellt werden.
Fahrsimulation ist bei Mercedes-Benz nichts Neues. Schon 1985 wurde im damaligen Daimler-Benz Forschungszentrum Berlin-Marienfelde der erste, selbst entwickelte Fahrsimulator in Betrieb genommen.
Fahrsimulation ist bei Mercedes-Benz nichts Neues. Schon 1985 wurde im damaligen Daimler-Benz Forschungszentrum Berlin-Marienfelde der erste, selbst entwickelte Fahrsimulator in Betrieb genommen.
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Virtuelles wird real

Seit mehr als zehn Jahren können zahlreiche dieser Versuche in Sindelfingen stattfinden – ohne dafür das Werksgelände zu verlassen oder dafür auf eine abgesperrte Teststrecke fahren zu müssen. Es genügt, das Versuchsfahrzeug in eine Kapsel auf Stelzen, den so genannten Erprobungsraum, zu bringen und seine Steuereinrichtungen mit der Software des Fahrsimulators zu verbinden. Sobald der Testfahrer dann Lenkbefehle gibt oder das Gas- oder Bremspedal betätigt, verändert sich entsprechend die Darstellung auf einer 360-Grad-Leinwand rund um das Auto.

Im Bewegt-Fahrsimulator können nicht nur die Fahrbahn und andere Verkehrsteilnehmer realitätsgetreu nachgebildet werden, sondern auch flotte Fahrmanöver wie Spurwechsel. Für ein möglichst realistisches Fahrgefühl bewegt sich die gesamte Anlage in der eigens dafür gebauten Halle – mit einer Geschwindigkeit von maximal zehn Metern pro Sekunde.

Virtuell, aber täuschend echt – die simulierte Fahrumgebung im Erprobungsraum in Sindelfingen.
Virtuell, aber täuschend echt – die simulierte Fahrumgebung im Erprobungsraum in Sindelfingen.
In den Anfängen sah das noch ganz anders aus: Verkehrssituationen im Zeichentrickstil.
In den Anfängen sah das noch ganz anders aus: Verkehrssituationen im Zeichentrickstil.
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Testraum für autonomes Fahren

Auch die neue Mercedes-Benz S-Klasse verbrachte viele Stunden in der bewegten Kapsel. Hier konnte der DRIVE PILOT teilweise erprobt und abgesichert werden. Auch für den Weg zum autonomen Fahren spielt der Bewegt-Fahrsimulator eine entscheidende Rolle: Bei virtuellen Erprobungsfahrten von automatisiert fahrenden Fahrzeugen können im Simulator viele verschiedene Szenarien durchgespielt werden – schnell und effizient. Auch Situationen, die während der Erprobung auf realen Straßen nicht oder nur selten vorkommen. Zudem können die Sicherheitsexperten völlig gefahrlos Fahrsituationen provozieren, in denen der Fahrer die Kontrolle wieder von den Fahrzeugsystemen übernehmen muss. Wie schnell reagiert der Mensch auf entsprechende Signale, wie lange sind die jeweiligen Reaktionszeiten? Diese wichtigen Erkenntnisse fließen direkt in die Produktentwicklung ein.

Der 2010 im Mercedes-Benz Technology Center (MTC) in Sindelfingen eröffnete Bewegt-Fahrsimulator war seinerzeit der modernste und zählt nach wie vor zu den leistungsfähigsten Anlagen in der Automobilindustrie. Die Eckdaten: ein Hexapod mit Dom, darin eine 360-Grad-Leinwand mit fotorealistischer Darstellung der digitalen Umwelt, ein schneller elektrischer Antrieb, und eine zwölf Meter lange Schiene für Bewegungen in Quer- oder Längsrichtung.

Das Kontrollzentrum des Fahrsimulators im Mercedes-Benz Technology Center in Sindelfingen.
Das Kontrollzentrum des Fahrsimulators im Mercedes-Benz Technology Center in Sindelfingen.
Mehr Knöpfe und kleinere Bildschirme, aber schon damals zukunftsweisend: Das Kontrollzentrum des Fahrsimulators in Berlin-Marienfelde.
Mehr Knöpfe und kleinere Bildschirme, aber schon damals zukunftsweisend: Das Kontrollzentrum des Fahrsimulators in Berlin-Marienfelde.
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Reales wird noch virtueller

Die nächste Stufe der Simulator-Technologie wird bereits im Konzeptstadium erprobt: Gemeinsam mit den Kollegen vom Virtual-Reality-Center (VRC) haben die Fahrsimulator-Experten von Mercedes-Benz einen neuen XR-Fahrsimulator entwickelt. Dort verschwimmen reale und virtuelle Umgebung noch stärker als bisher. Außer einem Fahrersitz, einem Lenkrad, den Pedalen und einem Start-Schalter gibt es dann keine physischen Bedienelemente mehr. Die Versuchspersonen setzen nur noch eine Datenbrille auf und bewegen sich damit komplett in der virtuellen Welt. Besonders für die Entwicklung von Innenräumen künftiger Mercedes-Modelle bietet der XR-Fahrsimulator ganz neue Möglichkeiten.

Diese bewegliche Kapsel dient heute in Sindelfingen als Erprobungsraum für Versuchsfahrzeuge. Die gesamte Anlage bewegt sich den Fahrbefehlen des Nutzers entsprechend mit bis zu zehn Metern pro Sekunde.
Diese bewegliche Kapsel dient heute in Sindelfingen als Erprobungsraum für Versuchsfahrzeuge. Die gesamte Anlage bewegt sich den Fahrbefehlen des Nutzers entsprechend mit bis zu zehn Metern pro Sekunde.
Der Wegbereiter: Der erste Mercedes-Benz Fahrsimulator in Berlin-Marienfelde.
Der Wegbereiter: Der erste Mercedes-Benz Fahrsimulator in Berlin-Marienfelde.
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Auch bei Fahrsimulatoren ein Sicherheitspionier

Damit bleibt Mercedes-Benz seiner Vorreiterrolle bei Fahrsimulatoren gerecht. Bereits im Mai 1985 ging im damaligen Daimler-Benz Forschungszentrum in Berlin-Marienfelde der erste, selbst entwickelte Fahrsimulator in Betrieb. Das Bewegungssystem war seinerzeit einzigartig in der Automobilindustrie.

Holger Mohn

Versteht sich als klassischer „Blattmacher“ – früher gedruckt, heute digital. Von der Tageszeitung über Mitarbeiterzeitungen und -magazine bis zur Unternehmenswebsite hat er schon die verschiedensten Medien und Formate begleitet – in der Hauptsache bei und für Daimler. Und das, obwohl der bekennende Hesse den Job in Stuttgart „höchstens drei, maximal vier Jahre“ machen wollte. Inzwischen sind es deutlich über 20. Er würde es heftig verneinen, aber es scheint, als hätte das Leben und Arbeiten im schwäbische Exil durchaus angenehme Seiten.

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