100 Dinge, die Sie über Daimler wissen sollten | #5

Der SL war der Erste mit sechsstelligem Kilometerzähler

Er gehört für viele junge Menschen zu den sagenumwobenen Dingen einer längst vergangenen Epoche - so wie das Drehscheibentelefon, die Telefonkarte (für die Telefonzelle, nicht fürs Handy) oder die Tonbandkassette. Die Rede ist vom fünfstelligen Kilometerzähler im Armaturenbrett von Kraftfahrzeugen.

Als der Schreiber dieser Zeilen mit seinen Fahrkünsten zu Beginn der 1990er-Jahre startete, da gab es in seinem alten Golf noch diesen magischen Moment: Nach 99.999 Kilometern Laufleistung war der Wagen schwuppdiwupp wieder jungfräulich. Im Fachjargon sprach man vom „Nullen“.

Nun, bei Mercedes-Benz war man da schon weiter und seiner Zeit deutlich voraus. Den ersten Pkw mit sechsstelligem Kilometerzähler präsentierte das Unternehmen bereits im Frühjahr 1971: Im Rahmen der Pressevorstellung des Mercedes-Benz 350 SL (interne Bezeichnung R 107), der als neuer Serien-Sportwagen den 280 SL – die berühmte „Pagode“ – ablöste und mit zahlreichen Innovationen aufwartete. So war der Zweisitzer mit einem voll versenkbaren Roadster-Verdeck und abnehmbarem Hardtop ausgestattet. Der Kraftstofftank befand sich nicht mehr im Wagenheck, sondern war kollisionsgeschützt über der Hinterachse eingebaut. Im Innenraum sorgten das gepolsterte Armaturenbrett und das neue Vierspeichen-Sicherheitslenkrad mit breiter Polsterplatte für größtmöglichen Aufprallschutz.

Und weil die Ingenieure diesem seinerzeit hochmodernen, komfortablen und sicheren Sportler auch eine hohe Laufleistung ohne Weiteres zutrauten, versahen sie das Armaturenbrett erstmals mit einer sechsstelligen Kilometeranzeige, was allerdings in den Unterlagen zur Pressevorstellung nicht explizit thematisiert wurde. Dort heißt es recht lapidar: „Das Cockpit des 350 SL wurde nach den neuesten Erkenntnissen der inneren Sicherheit gestaltet. Die gesamte Armaturenanlage ist glattflächig und in ihrer Nachgiebigkeit den Belastungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers angepasst. Vor dem Fahrer liegen zusammengefasst drei Rundinstrumente: Geschwindigkeitsmesser und Kilometerzähler, Drehzahlmesser und die Kombination von Kraftstoffvorratsanzeige, Öldruckmesser und Kühlwasserthermometer.“ Übrigens: Entgegen der landläufigen Meinung wird die Kilometerzahl nicht auf dem „Tacho“ angezeigt, sondern auf dem sogenannten Hodometer.

Bei den Kunden avancierte der SL schnell zum begehrten Klassiker – auch dank Fernsehauftritten in Serien wie „Dallas“ oder „Hart aber herzlich“. Die Produktion endete erst im August 1989, mehr als 18 Jahre, nachdem die Serienfertigung des 350 SL angelaufen war. Noch heute gilt der „Hundertsiebener“ als Design-Ikone mit steigenden Preisen auf dem Gebrauchtwagenmarkt für gut erhaltene und möglichst originale Fahrzeuge. Und weil er so zuverlässig läuft, soll es Exemplare geben, die doch schon einmal „genullt“ wurden – allerdings erst bei 999.999 Kilometern.

Armaturen, Mercedes-Benz Typ SL-Roadster, Baureihe R 107, 1985 - 1989.
Armaturen, Mercedes-Benz Typ SL-Roadster, Baureihe R 107, 1985 - 1989.
Mercedes-Benz SL-Roadster der Baureihe R 107.
Mercedes-Benz SL-Roadster der Baureihe R 107.
Mercedes-Benz SL-Roadster der Baureihe R 107.
Mercedes-Benz SL-Roadster der Baureihe R 107.
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In dieser Kolumne stellen wir Ihnen interessante, kuriose oder weithin unbekannte Fakten aus der Welt von Daimler vor. Eine neue Folge von „100 Dinge, die Sie über Daimler wissen sollten“ erscheint alle 14 Tage.

Christian Scholz

Als Kind schaffte er es in den 80er Jahren einmal mit einer Autozeichnung ins Mercedes-Benz Magazin. Er kreuzte damals Geländewagen und Coupés miteinander. Völlig verrückt! Und so nutzte er nach dem Politik- und Management-Studium den Bleistift doch lieber zum Texten als zum Zeichnen. Nach verschiedenen Stationen in der internen und externen Kommunikation bei Eastman Kodak und Wüstenrot & Württembergische schreibt er seit 2012 für Daimler.

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