100 Dinge, die Sie über Daimler wissen sollten | #20

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Luftnummer XXL im Mercedes-Benz Museum

Tornado, Taifun, Hurrikan oder Zyklon – zerstörerische Wirbelstürme sind in vielen Weltregionen gefürchtet. Daher erscheint es auf den ersten Blick umso erstaunlicher, dass die Techniker des Mercedes-Benz Museums im Jahr 2007 einen Wirbelsturm im eigenen Haus erzeugen wollten. Sie haben es geschafft – und sind damit sogar im Guinness-Buch der Rekorde verewigt.

Der Versuchsaufbau ist spektakulär unspektakulär: Eine Handvoll Styroporkügelchen liegt auf dem blank gewienerten Museumsboden. Daneben verpufft eine Nebelmaschine ihre Wölkchen. Und doch ist an diesem Oktobertag im Jahr 2007 die Spannung im Atrium des Stuttgarter Mercedes-Benz Museums mit Händen zu greifen. Besucher halten ihre Kameras im Anschlag. Fast sieben Minuten dauert die Geduldsprobe. Dann der magische Moment: Die Kügelchen beginnen zu tänzeln, wirbeln schneller und schneller im Kreis. Dann verschwinden sie im Sog eines Rauchschlauchs, der sich wie ein riesiges Seil in Richtung Museumsdecke windet.

Indoor-Tornado mit Guinnessbuch-Eintrag

Gut 34 Meter schraubt sich der Mini-Tornado nach oben. Weltrekord! Styropor und Kunstnebel haben den Wirbelsturm für die Besucher überhaupt erst sichtbar und für die Juroren vom „Guinness-Buch der Rekorde“ messbar gemacht. Rufe der Begeisterung oder Seufzer der Erleichterung sind angesichts des geglückten Weltrekords dennoch nicht zu hören: Der künstliche Sturm ist 130 Dezibel laut – das entspricht dem Lärmpegel eines startenden Flugzeugs. Doch wozu der ganze Wirbel eigentlich? Meteorologie zum Anfassen? Ein Rekord um des Rekordes Willen? Mit Nichten. Bei dem museumseigenen Tornado geht’s anders als bei seinen Pendants in freier Wildbahn darum, Menschen zu schützen: Er ist das Herzstück des innovativen Brandschutzkonzepts des Museums.

Der Mercedes unter den künstlichen Tornados in bewegten Bildern.

Ein Wirbelsturm, der Leben retten kann

Im Brandfall transportiert der Unterdruck im Auge des Tornados Rauch nach oben und von dort über das Dach nach außen. Den Wirbelwind erzeugen 144 Luftdüsen, die in die Wände des 42 Meter hohen Atriums eingelassen sind. Sie setzen die verrauchte Luft über die acht Museums-Etagen hinweg in Bewegung. Der Vorteil: Bricht ein Feuer aus, kann sich der Qualm nicht in dem offen gestalteten Museumsbau ausbreiten. Das kann Leben retten: Bei Bränden sind Vergiftungen durch Gase und Rauch erfahrungsgemäß die größte Gefahr für Leib und Leben. Und genau das ist die Kernkompetenz des selbstgemachten Sturms: Das Museum im Ernstfall schnell und wirksam zu entrauchen.

Außer beim Weltrekordversuch 2007 und der alljährlichen Brandschutzübung ist Stuttgarts wohl windigstes Brandschutzsystem übrigens noch nie zum Einsatz gekommen. Zuletzt machte es am 1. April 2019 von sich Reden: Mit der Ankündigung, dass der künstliche Wirbelsturm Indoor-Skydiving im Mercedes-Benz Museum möglich mache. Wer angesichts des Datums der Veröffentlichung Zweifel hegt, hat Recht: Diese Luftnummer war dann doch nur ein Aprilscherz.

Cornelia Hentschel

mag frischen Wind und das Mercedes-Benz Museum. Dennoch – beziehungsweise genau deshalb – drückt sie Deutschlands beliebtesten Automuseum die Daumen, dass dort nie etwas vom Winde verweht werden muss.

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