Schutz der Mangrovenwälder in Südasien

Die Mangrovenwälder im Gezeitenbereich der tropischen Küsten bilden eines der vielfältigsten und produktivsten Ökosysteme unseres Planeten. Durch ihr enormes Kohlendioxid-Speicherpotenzial spielen sie eine große Rolle für die Stabilisierung des Weltklimas. Darüber hinaus sind sie für die Küstenbevölkerungen in den Ländern Südasiens von essentieller Bedeutung: Sie schützen den Küstenstreifen vor tropischen Wirbelstürmen, die vom Indischen Ozean heraufziehen, bilden die Kinderstube für unzählige Meeresbewohner und sichern die Lebensgrundlage der Menschen, die in der küstennahen Fischerei tätig sind.

Die Bedeutung der Mangroven besonders für den ärmeren Teil der Bevölkerung an den Küsten kann gar nicht überschätzt werden. Durch die Zerstörung der Mangrovenwälder bleiben die Fangnetze der Fischer immer häufiger leer. Gleichzeitig verschwindet der natürliche Küstenschutz. Als Gegenmaßnahme pflanzen wir zunächst Mangrovensetzlinge auf zerstörten Flächen an und setzen dann auf eine natürliche Regeneration. Gleichzeitig müssen wir für den langfristigen Schutz der Mangroven sorgen. Das kann aber nur gelingen, wenn wir die Bevölkerung vor Ort eng in die Maßnahmen einbinden, das Bewusstsein für das Problem schärfen und gemeinsam Alternativen zur Abholzung erarbeiten.

Thies Geertz, Projektleiter beim Global Nature Fund

Daimler unterstützt die Projektarbeit des Global Nature Fund zur Mangrovenrenaturierung in Südasien bereits seit 2014. Das neue Projekt zum Mangrovenschutz zielt darauf ab, die bisherigen Schutzbemühungen durch den Einbezug weiterer Gebiete, zum Beispiel auf den Malediven und in Bangladesch, auf eine breitere Basis zu stellen und den Austausch der Partner im Mangrovenschutz zu stärken. Zu diesem Zweck werden die neuen Partner gezielt in der Technik der gemeindebasierten ökologischen Mangrovenrenaturierung unterwiesen und legen gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort neue Baumschulen an. Der Ansatz, die lokale Bevölkerung eng in die Wiederanpflanzung des Mangrovenwaldes miteinzubeziehen, hat sich als besonders wirkungsvoll erwiesen. Auf diese Weise und mit der Unterstützung von Daimler und Mercedes-Benz India Private Limited konnten in den vergangenen Jahren bereits 165 Hektar Land mit mehr als 200.000 Mangrovensetzlingen wiederhergestellt werden. Darüber hinaus haben Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen und zur Einkommensschaffung (z.B. das Anlegen von Gemüsegärten oder der Aufbau einer Weberei in Sri Lanka) bereits über 1.400 Familien geholfen.

Etwa vierzig Prozent der weltweiten Mangrovenbestände befinden sich in Asien, zumeist in wenig entwickelten, wirtschaftsschwachen Regionen. Insgesamt wird der weltweite Mangrovenbestand auf fünfzehn Millionen Hektar geschätzt. Mehr als 100 Millionen Menschen leben innerhalb eines zehn Kilometer breiten Gürtels entlang von Mangrovengebieten.

In ihrer Gesamtheit stellen die Mangroven eine gigantische globale Kohlenstoffsenke dar. Ein gesunder Baumbestand eines Mangrovenwaldes kann weitaus mehr Kohlenstoff speichern als ein tropischer Regenwald, nämlich bis zu 1000 Tonnen pro Hektar. Ein großer Teil davon wird im Boden über das weitverzweigte Wurzelsystem gespeichert. Seit den 80er Jahren ist die Gesamtfläche der Mangrovenwälder weltweit um ca. 25 Prozent zurückgegangen, das entspricht rund 3,75 Millionen Hektar. Damit gehören die Mangrovengebiete zu den weltweit am stärksten bedrohten Ökosystemen – sie verschwinden etwa drei bis fünf Mal schneller als Korallenriffe oder der tropische Regenwald.

Mehr als die Hälfte des globalen Verlusts der Mangrovenwälder ist mittlerweile auf die Ausbreitung von Aquakulturen zurückzuführen. Für 38 Prozent des Rückgangs ist allein die unkontrollierte Ausbreitung der Garnelenzucht verantwortlich (Valiela et al, 2001; UNEP, 2014). Getrieben von der hohen wirtschaftlichen Rentabilität und der enormen weltweiten Nachfrage nach Garnelen ist besonders in den asiatischen Ländern die rasch expandierende Garnelenindustrie mittlerweile eine der Hauptursachen für den Schwund von Mangrovenwäldern. Auch hier setzt der Global Nature Fund mit der Unterstützung durch die Mercedes-Benz AG und die Daimler Truck AG an: Seit 2019 entwickeln der GNF und seine Partner in Bangladesch und Indien vor Ort im Dialog mit den Garnelenerzeugern Modelle, die es erlauben, auf den Farmen wieder Mangrovenbäume anzupflanzen. Gemeinsam wollen wir erreichen, dass diese extensiv und mangrovenschonend produzierten Garnelen auf dem Markt konkurrenzfähig werden und die Wertschätzung für diese Produkte auf dem europäischen Markt steigt, damit die Garnelenzüchterinnen und -züchter vor Ort von ihrer Arbeit leben können.

Der Global Nature Fund (GNF) arbeitet derzeit gemeinsam mit Projektpartner in Indien (CReNIEO, ARASMIN und Nature Environment & Wildlife Society), Sri Lanka (EMACE und Nagenahiru Foundation), Bangladesch (Bangladesh Environment and Development Society) und auf den Malediven (Maldivian Coral Reef Society und Huvadhoo Aid) im Mangrovenschutz.

Die Ergebnisse der Projektaktivitäten des GNF über die letzten Jahre sowie „Lessons Learned“ und eine Anleitung zur ökologischen Mangrovenrenaturierung haben wir in einem englischsprachigen Handbuch zusammengefasst.

Downloadlink des Handbuchs auf der Projektwebsite des GNF (Global Nature Fund)

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