„Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern.“

Laureus Sports for Good nutzt die Kraft des Sports, um hilfsbedürftige Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern und ihr Leben positiv zu verändern. Laureus wurde vor 20 Jahren von Daimler gegründet und feiert am 17. Februar in Berlin Jubiläum. Anita Greiner betreut das Engagement aufseiten Mercedes-Benz und spricht im Interview über Schicksale, Projekte und ihre Vision, die Welt zu verändern.

Frau Greiner, warum stehen Sie morgens auf?

Ich möchte anderen helfen. Für mich ist das ein großes Privileg und etwas, das ich in meiner Heimat gelernt habe. Ich komme aus Ungarn und bin dort im sogenannten Gulasch-Kommunismus groß geworden. Zuhause war gegenseitige Hilfe selbstverständlich. Heute habe ich die Ehre, das beruflich zu tun. Tatsächlich stehe ich jeden Morgen auf und frage mich: Okay, wir machen es gut. Aber was können wir noch besser machen? Wie können wir noch mehr Unterstützung bekommen und noch mehr Kindern helfen?

Was genau macht die Stiftung Laureus Sport for Good?

Rund um die Welt helfen wir, das Leben von Millionen junger Menschen und Kinder zu verändern – indem wir ihnen Chancen für eine bessere Zukunft bieten und den Aufbau von nachhaltigen, belastbaren und lebenswerten Gemeinschaften und Städten unterstützen. Die aktuell über 180 Projekte gehen die schwierigsten sozialen Probleme junger Menschen und Kinder an, die man sich vorstellen kann. Die Zukunft vieler Kinder und Jugendlichen und die ihres lokalen Umfelds ist gefährdet.

Haben Sie ein Herzensprojekt?

Nicht nur eines. Hier in Stuttgart haben wir zum Beispiel mit „move&do“, ein erlebnispädagogisches Programm für sozial benachteiligte Kinder ins Leben gerufen. Gemeinsam mit der Mercedes-Benz Belegschaft – mit 30 bis 40 Mitarbeitern – sind wir jedes Jahr ein Wochenende lang in einem Zeltlager für diese Kinder im Einsatz. Ich helfe dann immer in der Küche – mit Gulaschsuppe und Kaiserschmarrn kenne ich mich aus. Auch wenn es eine echte Herausforderung ist, jeweils 120 Portionen Kaiserschmarrn auf Gaskochern zuzubereiten!

Laureus Projekte finden auf der ganzen Welt statt. Geht es immer um Sport?

Ja, denn Sport hat eine besondere Kraft! Mit Sport bringen wir Menschen zusammen, schaffen Gemeinsamkeit und überwinden Barrieren. Über den Sport finden wir Zugang zu den Kindern. In einem Projekt in Indien helfen wir beispielsweise Mädchen, an sich zu glauben, ihre Ziele zu verfolgen und eine Ausbildung zu finden. Diese Mädchen haben es extrem schwer: Sie sind zu Hause oder in ihrem Dorf furchtbarer Gewalt ausgesetzt. Beim Kicken lassen sie das alles für einen Moment hinter sich. Fußball ist außerdem keine gewöhnliche Sportart für Mädchen in Indien. Die Mädchen lernen etwas, das sonst nur Jungs dürfen. Dadurch fühlen sie sich stärker.

Wie wirkt sich das auf die Perspektiven der Mädchen aus?

Über den gemeinsamen Sport entwickelt sich ein Teamgeist, der dem Lernen in der Schule guttut. Ein Mädchen hat erzählt, dass sie keine Träume mehr hatte, bevor sie zu uns gekommen ist. Jetzt träumt sie von ihrer Zukunft. Wenn ich die Mädchen heute strahlen sehe, berührt mich das sehr. Allerdings müssen wir die Schule weiter ausbauen. Das Projekt ist so erfolgreich, dass wir mehr Räume benötigen.

Wie reagiert das Umfeld?

Anfangs wurden wir weder von dem kleinen Dorf noch von lokalen Behörden unterstützt. Hier ist Überzeugungsarbeit gefragt. Das fängt vor allem bei den Müttern an. Die Projekt-Mitarbeiter müssen viele Gespräche führen, um Denkmuster aufzubrechen. Wir können sogar den Mädchen ein kleines Gehalt bezahlen, wenn sie sich zum Coach ausbilden und jüngere Mädchen trainieren. Es hilft der Familie zu begreifen, dass auch Mädchen Geld verdienen können.

Wer hat den Impuls für das Projekt gegeben?

Die Stiftung verfolgt bestimmte Kriterien, abgeleitet von den Sustainable Development Goals der United Nations (UN). Diese umfassen insgesamt 17 Ziele, sechs davon stehen bei Laureus ganz oben – zum Beispiel: mentale Gesundheit, Chancengleichheit für Frauen und Mädchen, Zugang zur Bildung, Integration von ausgegrenzten Menschen und die Beendigung von Gewalt. Unter dieser Prämisse erfolgt die Auswahl nach einem bestimmten Verfahren. Wenn alle Kriterien –gewährleistet sind und wir darüber hinaus den Kinderschutz sicherstellen können, vereinbaren wir mit dem Projekt konkrete Ziele.

In welchem Verhältnis stehen Daimler und die Laureus Stiftung?

Laureus wurde gemeinsam von Daimler und dem französischen Konzern Richemond gegründet. Wir aktivieren die gemeinsame Plattform mit der Marke Mercedes-Benz. Für Mercedes-Benz ist Laureus Sports for Good inzwischen die wichtigste soziale Initiative der Marke.

Woher beziehen Sie die Mittel?

Neben den Spenden der Gründungspartner unterstützen auch andere Firmen, Stiftungen und NGOs (Nichtregierungsorganisationen) die Arbeit der Stiftung. Wir bei Mercedes-Benz setzen vor allem auf Aktivierungsmaßnahmen, die Spendengelder generieren. Vor zwei Jahren haben wir beispielsweise eine Limited Edition eines Mercedes-Maybach G Landaulet bekommen, die wir für 1,2 Mio. Euro versteigern konnten. Auch bei der Mercedes-Benz Trophy, unsererm renommierten weltweiten Golfturnierserie, sprechen wir Kunden an. Dort haben wir in diesem Jahr allein in Indien 114.000 Euro durch die Unterstützung teilnehmender Kunden gesammelt. Dieses Jahr planen wir zum ersten Mal eine größere Mitarbeiter-Aktion.

Während des Classic Car Events Zoute Grand Prix in Belgien wurde ein Mercedes-Maybach G 650 Landaulet zu Gunsten der "Laureus Sport for Good" Stiftung versteigert.

In der Öffentlichkeit sind die Laureus World Sports Awards bekannt. Sie selbst haben sich dafür stark gemacht, dass die sozialen Projekte auch dort mehr in den Vordergrund gerückt werden.

Das ist richtig. Als Laureus im Jahr 2000 gegründet wurde, waren die Awards Dreh- und Angelpunkt. Tatsächlich sind die Auszeichnungen nach wie vor hilfreich. Sie geben uns die Möglichkeit, prominente Sportlerinnen und Sportler an uns zu binden – Edwin Moses zum Beispiel, der erste Vorstandsvorsitzende unserer Stiftung. Wir brauchen diese Vorbilder nicht nur für die externe Kommunikation, sondern vor allem als Stütze für die Kinder und Mitarbeiter in den Projekten. Klar ist: Die Aufmerksamkeit soll hauptsächlich den sozialen Projekten der Laureus Sports for Good Stiftung gelten. Darauf kommt es an und darauf ist unsere Kommunikation ausgerichtet – und selbstverständlich auch unsere Maßnahmen zur Mittelbeschaffung.

Idole als Aushängeschilder?

Ja, aber nicht nur. Ich finde es schlimm, wenn die Sportlerinnen und Sportler nur dann ein Projekt besuchen, wenn eine Kamera dabei ist. Ich kann sagen: Viele unserer Sportler kümmern sich auch abseits der medialen Darstellung um die Kinder. Olympia-Teilnehmer Manuel Fumic und der ehemalige Fußballspieler Fredi Bobic unterstützen Projekte beispielsweise mit sehr viel Engagement lokale Projekte im Raum Stuttgart. Die beiden kommen von hier, also quasi ein Heimspiel. Die Sportler besuchen die Kinder sehr regelmäßig und sind mit vollem Einsatz dabei. In Berlin unterstützt Kati Witt unser Eishockey-Projekt und Axel Schulz geht mit den Kids boxen. International gibt es natürlich noch viel mehr prominente Sportler, die uns unterstützen. Insgesamt helfen uns 250 Sportler weltweit, die Welt für benachteiligte Kinder ein Stück besser zu machen.

Sind auch Daimler-Mitarbeiter in die Projekte eingebunden?

Ja, bei bestimmten Projekten bieten wir über Corporate Volunteering oder Social Days die Möglichkeit an, direkt mitzumachen. Das hängt allerdings von den Projekten selbst ab. Schließlich richten sich unsere Projekte überwiegend an Kinder, für diese pädagogische Arbeit benötigt man eine Ausbildung. Aber klar: Es gibt immer wieder Gelegenheiten, sich an der Organisation und vor Ort zu beteiligen - im Zeltlager, bei einem Turnier oder anderen Events. Wer mitmachen will, findet unsere Ausschreibungen im Social Intranet und kann sich in unserer Laureus Sport for Good Community informieren.

Wieso engagiert sich Mercedes-Benz eigentlich? Schließlich haben die Projekte mit Mobilität im engeren Sinne nichts zu tun.

Ja, auch darüber muss man reden. Unser Brand Purpose – First move the World – verpflichtet uns, über die physische Mobilität und die reine Beförderung von A nach B hinauszublicken. Wir beschäftigen uns auch mit der „sozialen Mobilität“ der Gesellschaft und stärken das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen, damit sie ihre Ziele verwirklichen und dort ankommen können, wo sie sein wollen. Das Herzblut, das wir in eine bessere Zukunft der Kinder investieren, strahlt auf die Marke zurück. Letztlich tragen wir damit auch dazu bei, dass unsere Mitarbeiter gerne für unser Unternehmen arbeiten und Kunden gerne unsere Autos kaufen.

Welche Ziele stehen bei Ihnen in den nächsten fünf Jahren ganz oben?

Selbstverständlich wollen wir noch mehr Kinder erreichen. Gewalt und Diskriminierung gegen Kinder muss enden. Damit wir diesem Ziel näher rücken, möchten wir gemeinsam mit unseren Partnern wachsen. Im Jahr 2018 haben wir 300.000 Kinder in 41 Ländern über 180 Projekte erreicht. Ich überlasse es Ihnen, ob das viel oder wenig ist.

Klingt viel – trotzdem wünscht man sich mehr.

Ganz genau. Inzwischen sind wir weltweit die größte Organisation im Sports-for-Development-Bereich. Darauf wollen wir aufbauen, um noch größer zu werden.

Bei welchem Projekt hätten Sie als Kind gerne mitgemacht?

Ich habe früher gefochten, Basketball gespielt und seit nun15 Jahren betreibe ich Kickboxen. Beim Besuch eines Boxprojektes in einer brasilianischen Favela durfte ich sogar selbst eine Trainingseinheit mitmachen. Allerdings werde ich die Einschusslöcher in den Wänden nicht mehr vergessen. Die Erlebnisse vor Ort führen mir immer wieder vor Augen, wie dringend diese Kinder unsere Unterstützung brauchen.

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