Digitalisierung in der Ausbildung virtuell, vernetzt, verändert

Im konzernweit ersten Industrie 4.0-Labor in Esslingen-Brühl steht das Thema Digitalisierung in der Ausbildung im Fokus. Auszubildender Tommy Becker übt das Schweißen nicht an einem Auto, sondern an einem Schweiß-Simulator.

Die Maske des Auszubildenden und ein Schweißbrenner sind per Kabel mit einem Rechner verbunden. Sobald der angehende Industriemechaniker zum Schweißen ansetzt, sprühen Funken, es brummt und blitzt – allerdings nur auf dem Bildschirm. Material wird nicht benötigt.

Mit virtuellen Schweißen an einem Simulator können die Auszubildenden ihre Schweißfähigkeiten effektiv, risikolos und ressourcenschonend verbessern.

Als Daimler 1916 die ersten jungen Menschen ausbildete, konnte wohl niemand ahnen, dass der Ausbildungsalltag über 100 Jahre später einmal so aussehen wird. Doch bis heute, dem Zeitalter der Digitalisierung, hat sich die Arbeitswelt stetig und überall verändert: in jedem Beruf, jeder Funktion, hinter jedem Schreibtisch oder Arbeitsplatz. Um diesen Wandel erfolgreich gestalten zu können, möchte Daimler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimal auf die neuesten Technologien vorbereiten. „Das beginnt direkt in der Ausbildung", erklärt Wilfried Porth, im Vorstand verantwortlich für Personal, Arbeitsdirektor und Mercedes-Benz Vans. „Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Sie werden in vernetzten, flexiblen Fabriken auch an autonomen und elektrisch angetriebenen Fahrzeugen arbeiten." Auszubildende sowie Studenten der Dualen Hochschule lernen, Anlagen per Tablet-Computer zu steuern und eine hochmoderne Produktionslinie zu programmieren.

Wandel als Chance

„Ich bin der Überzeugung, dass der Mensch nicht ersetzbar ist", so Wilfried Porth. Umso mehr komme es auf eine intelligente Verbindung von Mensch und Technik an. Michael Brecht, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, ergänzt: „Es gibt aktuell keine neuen Berufe, sondern einzelne Bausteine in der Ausbildung werden zu Gunsten von Digitalisierungsthemen ausgetauscht."

So gehören das Arbeiten mit Robotern, 3D-Druck oder Augmented Reality zum Ausbildungsalltag genauso wie eine Online-Lernplattform. Mit ihr können die Auszubildenden Lehrinhalte ortsunabhängig und flexibel auf ihre Smartphones laden, bearbeiten und digitale Lernerfolgskontrollen durchführen.

Digitalisierung und Automatisierung gestalten nicht nur das Lernen angenehmer, sondern fördern eine Kultur der Vielfalt. Durch die Verschiebung von Tätigkeitsinhalten – weniger Mechanik, mehr IT – werden viele Arbeitsschritte körperlich weniger anstrengend. Folglich haben mehr Menschen die Chance, diese Berufe auszuüben.

Mit Girls-Days oder Schüler-Praktika speziell für Frauen wird schon frühzeitig versucht, Mädchen für technische Berufe zu begeistern. Der Anteil junger Frauen unter den Auszubildenden beträgt rund 23 Prozent.

Cyntia Knura gehört dazu. Sie ist seit 2016 Auszubildende bei Daimler und ist begeistert von den verschiedenen Angeboten, die ihr zur Verfügung stehen: „Nach der Ausbildung möchte ich Elektrotechnik studieren. Es ist super, dass Daimler mir die Chance gibt, fünf Jahre Auszeit für meine Weiterbildung zu verwenden um anschließend wieder zurück ins Unternehmen zu kommen!"

Fachliche Expertise trifft Digital Natives

Es ist genau diese Flexibilität, die heute gefordert, aber auch gefördert wird. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich Jobs zu teilen, Auszeiten oder Kinderbetreuung in Anspruch zu nehmen. Flexibilität und die Änderung der Konzernstrukturen machen sich auch beim Konzept des „Reverse Mentoring" bemerkbar.

Bei diesem Tandem-Programm sollen altgewohnte Kommunikations- und Arbeitsweisen an die Erfordernisse der digitalen Ära angepasst und langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Lebenswelt der jüngeren Generation vertraut gemacht werden. Wenn sich zwei Partner anhand von Fragebögen gefunden haben, kommen sie in einem Zeitraum von zwölf Monaten in verschiedenen Situationen zusammen. Von den Treffen profitieren beide Seiten: Langjährige Erfahrung und Praxiswissen im Austausch gegen digitale Kompetenzen. Aktuell laufen 60 derartige Mentorings bei Daimler, es sollen noch mehr werden.

Apropos Social Media-Kompetenzen: Bing – Bei Tommy und Cyntia klingeln die Smartphones. Und zwar (fast) geschäftlich: Daimler nutzt die bei Jugendlichen beliebte Social Media App Snapchat. Mit Snap4Mercedes teilen die Auszubildenden Bilder und Videos mit den künftigen Kolleginnen und Kollegen und ermöglichen so noch vor dem ersten Arbeitstag authentische Einblicke in ihre künftige Arbeitswelt und in erste Ausbildungsinhalte.

Neben der Nachwuchsförderung investiert Daimler auch in die Qualifizierung der Stammbelegschaft. „Wir haben keinerlei Produkte die auslaufen, sie werden immer in andere Versionen überführt“, erklärt Michael Brecht. „Deswegen ist lebenslanges Lernen so wichtig!“

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