Aus vielem Kleinen, kann in Summe etwas Großes werden

Im Werk Gaggenau, im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gelegen, wird einiges getan, um die Energieeffizienz stetig zu steigern. Wie facettenreich das Thema ist, erfahren wir im Interview mit Jürgen Süss, Leiter Arbeitssicherheit und Umweltschutzmanagement Werk Gaggenau, und Olaf Götsch, Leiter Infrastrukturversorgung und Energiemanager im Werk Gaggenau.

Wie und warum wird man Energiemanager im Werk Gaggenau, Herr Götsch?

Fangen wir am besten ganz von vorne an: Die erste Norm DIN ISO 16001 (jetzt DIN ISO 50001) im Energiemanagement gab es seit 2009. Seit 2010 beschäftigt sich Daimler mit dem Thema. Wir haben uns werksübergreifend zunächst auf Teamleiterebene in diversen Arbeitsgruppen getroffen. Insofern bin ich in meine jetzige Aufgabe quasi hineingewachsen. Es ist nicht so, dass ich mich aktiv darum beworben hätte (lacht). Das Energiemanagement ist Teil meiner Tätigkeit, weil mein Team und ich im Werk Gaggenau für den Betrieb der gesamten Energieversorgungsanlagen verantwortlich sind – buchstäblich bis zur letzten Steckdose. Insofern bin ich ein Mitarbeiter der ersten Stunde, was Energiemanagement am Standort Gaggenau betrifft. Die offizielle Bestellung zum „Energiemanager“ erfolgte im Jahr 2012.

Und was sind die Besonderheiten am Standort, die mit der Aufgabe des Umweltschutzmanagements verbunden sind?

Der "grüne Motor" im Innern des BHKW ist im Normalfall nicht sichtbar. Die Lautstärke, die dort herrscht, ist vergleichbar mit dem Abheben eines Düsenjets.

Jürgen Süss: Wir haben sowohl ein breites Fertigungsportfolio als auch ein breites Anlagenportfolio. Das bedeutet wir haben sehr viele unterschiedliche umweltrelevante Anlagen. Angefangen bei Blockheizkraftwerken (BHKW), industrielle Abwasserbehandlungsanlagen und großen Gefahrstofflägern und -tanks bis hin zu Lackieranlagen, Röntgenanlagen, Härteanlagen sowie einem LKW-Versuchsgelände, sind viele unterschiedliche umweltrelevante und genehmigungsbedürftige Anlagen vorhanden. Das macht meinen Job und der meines Teams Umweltschutz umfangreich, aber auch sehr spannend. Weiterhin sind besonders hervorzuheben, dass ich sehr engagierte Mitarbeiter im Team habe und dass wir am Standort Führungskräfte und Mitarbeiter haben, denen das Thema Umweltschutz wichtig ist. Diese bringen sich aktiv ein. Nur so macht die Arbeit in einem funktionierenden und aktiven Umweltmanagement am Standort Spaß.

Wir arbeiten wo andere Leute Urlaub machen.

Jürgen Süss, Leiter Arbeitssicherheit und Umweltschutzmanagement Werk Gaggenau.

Es wird ja einiges hier am Standort getan. Was ist momentan ihr persönliches Lieblingsprojekt? Und welches Thema fordert Sie aktuell heraus?

Jürgen Süss: Eines von mehreren umweltrelevanten Top-Themen ist im Moment die industrielle Abwasserbehandlung. Auch in Bezug auf Energieeinsparung ein ganz wichtiges Thema. In Gaggenau befindet sich eine industrielle Abwasserbehandlungsanlage, die wir ersetzen. Wir haben uns für ein sehr innovatives Verfahren entschieden. Dabei war der Stromverbrauch auch ein Entscheidungskriterium. Das Ergebnis der Berechnung: 550 Megawatt Einsparung pro Jahr. Eine Kilowattstunde Strom verursacht über 500g CO2 Ausstoß. Wenn man bedenkt, dass 500 Megawatt umgerechnet in Summe 500.000 Kilowatt ergeben, wird hier eine Menge CO2 eingespart. Wir sparen also mehr als 250 Tonnen CO2 pro Jahr. Ein weiteres Entscheidungskriterium war die Abfallmenge. Wir werden mit der neuen Industrieabwasseranlage den Abfall um ca. 100 Tonnen reduzieren. Das sind ungefähr zwei Drittel weniger der ursprünglichen Menge.

Was zeichnet ihren Standort in Sachen Energie- und Umweltmanagement besonders aus?

Olaf Götsch: Ein wichtiges Kernelement am Standort Gaggenau ist unser „Teamgeist“. Wir ziehen alle an einem Strang. Schon vor Leadership2020 haben wir viele der Führungsprinzipien in unserem Werk gelebt. Das hat uns sehr geholfen, Themen zu priorisieren und dann gemeinsam umzusetzen.

Jürgen Süss: Das sehe ich wie mein Kollege. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen, Planung, Produktion, Facility Management, Arbeits- und Umweltschutz hilft uns sehr. Auch die hierarchieübergreifende Zusammenarbeit bringt uns hier voran. Das spiegelt sich ebenfalls in unserem Slogan am Standort #DasIstUnserWerk. Dieses „Wir-Gefühl“ macht den Standort Gaggenau aus und findet funktionsübergreifend statt. Projektteams, die an denselben Themen arbeiten, finden sich zusammen und haben das übergeordnete Ziel im Blick.

Das spiegelt sich auch beim Thema Umweltschutz wider. Die leitenden Führungskräfte wirken sowohl mehrfach im Jahr im Umweltmanagement-Ausschuss bei Umweltprojekten mit, als auch in Führungskräfteworkshops, in denen wir gemeinsam strategisch das Umweltmanagement weiterentwickeln.

Welche Erfolge konnten Sie bislang feiern?

Jürgen Süss: Erfolge im Umweltschutz würde ich in zwei Ebenen unterteilen, Technik und Naturschutz. Wir haben ein umweltfreundliches Lackierverfahren mit Trockenabscheidung eingeführt und dafür eine Auszeichnung vom Umweltministerium erhalten. Noch wichtiger als die Auszeichnung ist für mich, dass wir dadurch jährlich erhebliche Mengen an Strom, Erdgas Sondermüll, Abfall und somit letztendlich auch Betriebskosten einsparen. Das sichert auch unsere Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Standortes. In Bezug auf Naturschutz werden sukzessive Grünflächen naturnah angelegt und wir verfolgen hier eine klare Biodiversitäts-Strategie. Für mehrere Flächen wurden wir seit 2015 bereits viermal von den United Nations (UN) im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Zuletzt war das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie das Regierungspräsidium in Gaggenau vor Ort und haben uns den Preis übergeben. Damit können wir, über die Einhaltung der Umweltgesetzgebungen hinaus, aktiv einen nachhaltigen Beitrag zur Ressourcenschonung und zum Naturschutz leisten.

Wie kann Energie am Standort eingespart werden?

In diesem sogenannten "Energieeffizienzraum" wird die LED-Beleuchtung vorab einem Test unterzogen, bevor sie in der Fläche verbaut wird.

Olaf Götsch: Grundsätzlich sollte Verschwendung vermieden werden. Beispielsweise müssen Altbeleuchtungen, die in die Jahre gekommen sind, ersetzt werden und mein Planungskollege hat die Hydraulik im Heizwerk auf den aktuellen Stand der Technik umgebaut. Wir wollen aber, dass auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitdenken, sie sollen unsere Augen sein und eigene Ideen mitbringen. Das ist eben auch die DNA unseres Standorts. Versuche, in dem was du tust, immer besser zu werden. Die Auszubildenden im dritten Ausbildungsmonat verbringen traditionell immer einen Tag bei mir im Workshop, damit ich Ihnen erkläre, was der Sinn von Energiemanagement ist.

Hat die jüngere Generation einen anderen Blick auf den Verbrauch?

Neueste Technik im Heizwerk (BHKW) minimiert den Verbrauch.

Olaf Götsch: Wir müssen die jungen Leute sensibilisieren. Wir wollen ihnen auch beibringen, wo sie aktuell stehen und wo ihre Verantwortung liegt. Ich erkläre unseren Azubis, dass mit der richtigen Einstellung zur Energieeffizienz und zur Vermeidung von Verschwendungen der eigene Arbeitsplatz gesichert wird. Unsere Produkte werden günstiger, wenn wir weniger Energie verbrauchen und wir sind damit wettbewerbsfähiger.

Jede Kilowattstunde, die nicht unnütz verbraucht wird, ist gespart und spart auch weltweit in Summe Ressourcen ein.

Olaf Götsch, Leiter Infrastrukturversorgung und Energiemanager im Werk Gaggenau.

Jürgen Süss: Und auch beim Umweltschutz spielt die richtige Einstellung der Mitarbeiter eine entscheidende Rolle. Neben den wiederholenden Qualifizierungen der Mitarbeiter, unter anderem auch per eLearning, beginnen wir so früh wie möglich ein Bewusstsein für die Themen zu entwickeln, nämlich bereits in den ersten Ausbildungswochen. Auch den Auszubildenden zeigen wir, was es bedeutet verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen und die Anlagen verantwortungsbewusst zu betreiben. Für die Mitarbeiter haben wir zum Beispiel ein eLearning Tool für den Standort Gaggenau entwickelt. Die Mitarbeiter können sich mit dem Tool eigenständig und umfassend zu den Themen Umwelt und Energie weiterbilden. Besonders wichtig dabei ist es, die Themen immer wieder in den Fokus zu rücken, um eine Nachhaltigkeit sicher zu stellen.

Was kann der einzelne Mitarbeiter in Gaggenau für sein privates Umfeld mitnehmen?

Olaf Götsch: Im Rahmen der Ausbildung decken wir schon vieles ab. Wenn ich mit den geschulten Inhalten auch privat etwas anfangen kann, sind sie für mich noch wertvoller. Das ist unser Ansatz, bei allem, was wir tun. Die Verantwortung betrifft jeden Einzelnen. An alle werden die gleichen Anforderungen in Bezug auf Umwelt- und Energiebewusstsein gestellt. Und jeder nimmt etwas von diesen Erkenntnissen mit nach Hause und geht hoffentlich mit den Ressourcen nachhaltiger um. Wir haben eine Vorreiterrolle und diese Verantwortung übernehmen wir gerne.

Jürgen Süss: Dem stimme ich gerne voll und ganz zu!

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