Ein gemeinsames Ziel für die Umwelt: Weniger ist mehr

Wie geht Daimler mit dem Thema Energiesparen um? Peter Blaurock verantwortet das Energiemanagement sowie die Energieversorgung bei Mercedes-Benz Cars Operations. Im Interview haben wir mit ihm über aktuelle Maßnahmen in den Mercedes-Benz Werken sowie übergeordnete Ziele zum Thema Energiemanagement gesprochen.

Herr Blaurock, Sie sind sozusagen Energiespar- und Energieversorgungsbeauftragter von Mercedes-Benz Cars Operations. Welche Ziele verfolgen Sie für den Konzern?

Mercedes-Benz Cars wird ab 2022 seine Werke deutschlandweit CO2-neutral mit Energie versorgen und setzt daher auf einen vollständigen Strombezug aus regenerativen Quellen, wie beispielsweise aus Wind- und Wasserkraft. Der Bezug von grünem Strom wird in einigen Werken durch Eigenerzeugung in hocheffizienten Gas-KWK-Kraftwerken (Kraft-Wärme-Kopplung), sogenannten Blockheizkraftwerken, ergänzt. Verbleibende CO2-Emissionen werden durch qualifizierte Kompensationsprojekte ausgeglichen.

Zuhause lassen wir das Licht nicht zu lange brennen und machen beim Lüften die Heizung aus, um Energie zu sparen. Was sind die Stellhebel in der Produktion?

Wie zu Hause auch: das Energiebewusstsein. Hierzu zählen die Auswahl energieeffizienterer Technik, aber vor allem auch die intelligente Steuerung und Bedienung. Wir müssen Energieeffizienz im System denken. Und der Mensch beziehungsweise der Mitarbeiter steht im Mittelpunkt dieses Systems. Mit Kreativität für energieeffiziente Innovationen und Lösungen, mit der konsequenten Berücksichtigung von Energieeffizienz in der Planung, angepasste Gebäudegrößen, der intelligenten Steuerung und dem Einsatz innovativer Technologien im Betrieb, sowie durch jede Idee und jeden einzelnen Verbesserungsvorschlag. Energieeffizienz betrifft jeden Einzelnen.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell beim Thema Energiemanagement?

Sowohl in Deutschland als auch im Ausland werden die Energiemärkte zunehmend volatiler. Regulatorische Anforderungen befinden sich in einem permanenten Wandel. Das heißt: Um unsere anspruchsvollen Energieziele zu erreichen, müssen wir unsere Strategie und unser Energiemanagement an allen Mercedes-Benz Cars Produktionsstandorten ständig weiterentwickeln.

Inwiefern lässt sich das sogenannte VUKA-Prinzip auf die Herausforderungen im Markt, aber auch der Politik in puncto Energie anwenden?

Meines Erachtens sehr gut, denn das V für Volatilität bezieht sich genau auf dieses Spannungsfeld im Markt: Während der Strombedarf steigt, werden die Versorgungsnetze durch die Energiewende bzw. Umstellung auf regenerative Stromquellen auf die Probe gestellt. Gleichzeitig herrscht Unsicherheit. Denn: Es gibt keine langfristige Planungssicherheit in der aktuellen Gesetzgebung. Es ändert sich vieles, sehr schnell und auch die Energiepolitik sowie die Energiekostenentwicklung können nicht vollständig vorausgesehen werden. Außerdem steigt die Komplexität: In der Gesetzgebung, in den Lieferverträgen, in der Verfügbarkeit der erneuerbaren Energien entsprechend unserem Bedarf. Es wird alles volatiler und komplexer, gleichzeitig muss der Strom auch bezahlbar bleiben, weshalb wir gewissermaßen auch von einer Ambiguität sprechen. Deshalb investieren wir in Energieeffizienzmaßnahmen, um Energiekosten zu reduzieren. Gleichzeitig investieren wir bewusst in eine nachhaltige, „grüne“ Produktion und Energieversorgung.

Welche Maßnahmen sind in Ihrer Abteilung „Energiemanagement und -versorgung“ und generell bei Daimler im Einsatz, um Energie zu sparen?

Alle Mercedes-Benz Werke in Deutschland sind nach DIN EN ISO 50001 zertifiziert. Wir sensibilisieren unsere Mitarbeiter kontinuierlich für das Thema Energie sparen. Energieeffizienz gewinnt an allen Standorten mehr und mehr an Bedeutung. Darüber hinaus nutzen wir die Digitalisierung. Wir setzen auf ein standortübergreifendes Energiemanagement-DV-System, zur Reduzierung unserer Energieverbräuche. Weitere technische Maßnahmen zur Energieeinsparung, wie das Abschalten von Energieverbrauchern in der produktionsfreien Zeit, werden über die Gebäudeleittechnik sichergestellt.

Was kann ich mir unter so einer Gebäudeleittechnik vorstellen?

Das ist eine zentrale Schaltstelle, über die alle Beleuchtungsanlagen, Lüftungsanlagen oder Druckluftanlagen aus der Ferne ein- und ausgeschaltet werden können. Damit das System genau weiß, wann die Anlagen abgeschaltet werden können, wird der Schichtkalender eingespielt.

Sind „Energiespar-Experten“ auch im Ausland im Einsatz? Und wie stellen Sie sicher, dass das Energiesparen standortübergreifend funktioniert?

Ja, an allen Standorten arbeiten Experten an der Energieeffizienz. Durch unsere standortübergreifende Organisation stellen wir den Know-How-Transfer sicher. Ich gebe Ihnen hierzu am besten ein Beispiel: Letzte Woche hatten wir hier in Sindelfingen Besuch von einem aus verschiedenen Werken zusammengestellten Expertenteam. Im Bereich Rohbau und Oberfläche haben sie das Thema Belüftungstechnik genauer unter die Lupe genommen, wie zuvor bereits in Bremen und Rastatt. Alle Besuche hatten ein gemeinsames Ziel: Das Optimieren der Lüftungs- und Beleuchtungstechnik. Diese sogenannten „Deep-Dive Workshops“ und „KVP-Begehungen“ (KVP, Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) führen zu konkreten Energieeinsparmaßnahmen.

Tragen diese Maßnahmen bereits Früchte?

Allerdings. Im Werk Kecskemét konnten wir beispielsweise in den vergangenen fünf Jahren den Energieverbrauch je produziertem Fahrzeug deutlich reduzieren. Hierzu haben wir die Schaltzeit von Beleuchtungs- und Lüftungsanlagen optimiert, auf LED-Leuchtmittel umgestellt, im Rohbau ein neues Lichtsteuerungskonzept inklusive Dimm-Funktion implementiert, die Software der Energieversorgungsanlagen optimiert und die geregelte Luftvolumensteuerung nach Bedarf eingeführt.

Wie motivieren Sie die Mitarbeiter, selbst aktiv Energie zu sparen?

Energieeffizienz beginnt bei jedem Einzelnen – so viel ist klar. Das Bewusstsein in der Belegschaft ist ein zentraler Erfolgsfaktor für unsere konzernweite Energiebilanz. Umso mehr schätzen wir die vielen innovativen und vielfältigen Ideen unserer Mitarbeiter, an welchen Ecken und Enden sich Energie einsparen lässt. Darüber hinaus wollen wir mit unserer standortübergreifenden Kommunikation mit Poster- und Plakataktionen, Flyern, Desktop-Screensavern und Energiemessen noch mehr sensibilisieren und motivieren.

Was kann ich mir unter einer „Energiemesse“ vorstellen?

Wir veranstalten in regelmäßigen Abständen sogenannte Energie-Messen in der Produktion. Die letzte Messe fand im Herbst 2018 statt. Wir hatten externe Pumpenhersteller eingeladen, uns ihre Neuerungen vorzustellen. Pumpen sind große Energieverbraucher. Die Hersteller waren mit Marktständen vertreten und haben Vorträge gehalten. Aus vielen Standorten und Bereichen waren Kollegen vertreten, beispielsweise aus der Planung, Instandhaltung, Fertigung und Energieversorgung. Dieser Austausch ist für uns sehr wichtig, um zu sehen, wo Anwendungsmöglichkeiten liegen, um in neuen Projekten effizientere Pumpen einzusetzen und die vorhandenen Pumpen auszutauschen.

Eine letzte Frage zum Schluss: Wenn Sie für Ihre Aufgabe einen Wunsch frei hätten, was wäre das?

Ganz spontan: Es ist ein echter Herzenswunsch, dass jeder Daimler Mitarbeiter in der Firma so handelt, wie er oder sie es Zuhause tun würde: Bewusst und sparsam mit Energie umgehen - also Licht aus, Fenster schließen, Temperatur runterdrehen, Computer ausschalten.

Jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, muss nicht erzeugt werden und ist somit eine CO2-Einsparung. Ich bin stolz, dass wir hier auf einem guten Weg sind.

Peter Blaurock, verantwortlich für das Energiemanagement und die Energieversorgung bei Mercedes-Benz Cars Operations.

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