„Gemeinsam bewegen wir mehr“

Für diese beiden steht die nachhaltige und mobile Zukunft an erster Stelle: Wolfgang Forderer leitet die Abteilung Mobilität der Stadt Stuttgart und Daniel Hörer arbeitet im Bereich External Affairs bei Daimler. Die Stadt und Daimler sind Teil der VDA Initiative Plattform Urbane Mobilität, kurz PUM - einer deutschlandweiten Partnerschaft.

Die Plattform Urbane Mobilität wurde auf Initiative des VDA gegründet und verbindet neun deutsche Städte mit neun Unternehmen der Automobilindustrie. Im regelmäßigen Austausch entwickeln die Partner konkrete Pilotprojekte, um die Mobilität der Zukunft zu gestalten. Im Zuge der Initiative PUM erarbeitet Daimler gemeinsam mit Bosch, Porsche und der Stadt Stuttgart ein Projekt zum betrieblichen Mobilitätsmanagement. In der PUM sind dabei: Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Ludwigsburg, München und Stuttgart; Audi, BMW, Bosch, Continental, Daimler, Ford, Porsche, Schaeffler und VW.

Wieso ist es so wichtig, dass Automobilunternehmen mit den Städten kooperieren?

Wolfgang Forderer: Wir stehen vor gemeinsamen Aufgaben. Immer mehr Menschen fahren aus den unterschiedlichsten Gründen in die Stadt und der Bedarf an neuen Mobilitätslösungen steigt – das können wir auch in Stuttgart beobachten. Dabei darf das Thema Klimaschutz und Luftreinhaltung nicht zu kurz kommen.

Daniel Hörer: Sowohl Städte als auch Unternehmen müssen umdenken. Das schaffen wir nur gemeinsam. Denn: Wir Hersteller können zwar Mobilitätslösungen entwickeln, aber wenn die Städte nicht die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, hat niemand etwas davon. Umgekehrt gilt das natürlich genauso.

Mobilitätsmöglichkeiten in der Stadt.

Wie läuft die Zusammenarbeit in der PUM konkret ab – mit so vielen Partnern und Interessen?

Wolfgang Forderer: Die Hauptverantwortung für ein Pilotprojekt übernimmt jeweils ein Tandem aus Stadt und Firma, unterstützt durch eine Expertenrunde aus weiteren PUM-Mitgliedern. Beispielsweise arbeitet die Stadt Hamburg zusammen mit BMW an einem Projekt zur Elektromobilität. Wir in Stuttgart sind da ein Sonderfall: Gemeinsam mit Daimler, Porsche und Bosch arbeitet die Stadt an einem Projekt zum „Unternehmensübergreifenden Betrieblichen Mobilitätsmanagement“.

Daniel Hörer: Alle Mitglieder der PUM besprechen in einer regelmäßigen Gesprächsrunde den Stand der einzelnen Projekte. Ziel ist es, von den Erfahrungen der anderen zu lernen. Der Vorteil vieler Partner an Bord: Gemeinsam sind wir lauter, man hört uns besser und wir kommen in der Politik schneller voran.

Ein unternehmensübergreifendes „Park & Shuttle“ Konzept ist das Ziel.

Worum geht es bei Ihrem gemeinsamen Pilotprojekt zum betrieblichen Mobilitätsmanagement?

Daniel Hörer: In Stuttgart haben gleich drei große Unternehmen der PUM ihren Hauptsitz. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil der Autos hier fahren also pendelnde Mitarbeiter von Daimler, Porsche und Bosch. Zwar arbeiten alle drei Firmen bereits daran, den Pendelverkehr effizienter zu gestalten – bei Daimler gibt es zum Beispiel die Initiative F.L.O.W., die alle Mitarbeiterangebote bündelt. Gemeinsam können wir aber viel mehr bewegen.

Wolfgang Forderer: Unsere Idee ist ein unternehmensübergreifendes „Park & Shuttle“-Konzept. Die Mitarbeiter steigen wohnortnah in einen Bus, der sie anschließend zu ihrem Arbeitsplatz bringt. Alle drei Firmen und städtische Einrichtungen werden Haltestationen sein. So kommen potenziell bis zu 160.000 Beschäftigte im Raum Stuttgart bequem zur Arbeit. Und wir verringern gemeinsam den dichten Verkehr auf den Straßen der Stadt.

Wolfgang Forderer ist Leiter der Abteilung Mobilität der Stadt Stuttgart.

Wo steht das Projekt momentan?

Daniel Hörer: Aktuell werden die Pendlerströme der beteiligten Partner analysiert. Wir können so geeignete Orte identifizieren, an denen die Mitarbeiter zusteigen können, und planen die besten Strecken.

Sind Sie auf Hindernisse gestoßen – wenn ja, auf welche?

Daniel Hörer: Eine Herausforderung an unternehmensübergreifende Kooperationen ist, dass wir uns an unterschiedliche Richtlinien von mehreren Großkonzernen halten müssen. In unserem Fall kommt sogar eine Kommune mit ganz anderen Vorgaben und politischen Entscheidungsprozessen im Gemeinderat dazu. Compliance ist da ein wichtiger Punkt. Da Mitarbeiter verschiedener Unternehmen – und nicht nur das, sogar direkter Wettbewerber – im selben Bus sitzen werden, spielt auch die Datensicherheit eine große Rolle. Das Tolle an unserem PUM-Projektteam ist aber, dass uns diese Herausforderungen nicht abhalten, sondern vielmehr anspornen.

Wolfgang Forderer: Ein weiterer Knackpunkt: Wie schaffen wir Anreize, um die Mitarbeiter überhaupt dafür zu begeistern, mitzufahren? Es geht bei solchen Konzepten darum, die Vorteile gegenüber dem eigenen Auto hervorzuheben. Möglicherweise bereits im Bus einstempeln zu können, die Arbeit auf dem Weg beginnen und am Ende der Fahrt direkt vor dem Werkstor abgesetzt zu werden – so etwas würde den Beschäftigten viel Zeit sparen.

Was ist das Erfolgsrezept für die Zusammenarbeit?

Daniel Hörer: Eine gute Partnerschaft erfordert in erster Linie Vertrauen. Dazu gehört, offen über die eigenen Ziele und Motive zu sprechen. Erfolg heißt nicht, dass die Zahlen zwar stimmen, aber die Kooperationspartner anschließend unzufrieden sind. Die Zufriedenheit aller Beteiligten und der Nutzer sind unsere Erfolgsfaktoren.

Wolfgang Forderer: Es gehört natürlich noch mehr dazu. Wir müssen gemeinsam neugierig bleiben und flexibel auf unsere Partner zugehen. Manchmal klappt etwas nicht auf Anhieb. Dann denken wir um und starten einen neuen Versuch. Angst vor Fehlern ist da ungünstig. Über Nacht können wir nicht überall in der Stadt für saubere Luft sorgen. Aber wir setzen gerade viele erfolgsversprechende Maßnahmen um – die Summe daraus bringt uns nach vorne.

Daniel Hörer im Gespräch mit Wolfgang Forderer, er ist im Bereich External Affairs bei Daimler

Herr Hörer, wie verstehen Sie die Rolle von External Affairs in solchen Prozessen?

Daniel Hörer: Unsere Aufgabe hier ist es, die gemeinsamen Interessen und Ziele zwischen Daimler und der Stadt Stuttgart – den „Common Ground“ – zu identifizieren. Dafür braucht es natürlich den permanenten Dialog mit der Politik, deren Vorstellungen wir dann im Unternehmen spiegeln und besprechen. Unsere Ideen bringen wir wiederum in den politischen Prozess ein. Wir sind sozusagen der Dolmetscher zwischen unseren Partnern und Daimler.

Was motiviert Sie persönlich, sich für tragfähige Partnerschaften zwischen Unternehmen und Städten einzusetzen?

Wolfgang Forderer: Ich habe drei Jahre für die EU-Kommission gearbeitet und dort schon viel Netzwerkarbeit gemacht, aktuell auch in unserem weltweiten Netzwerk Cities for Mobility und in vielen Projekten mit Forschungseinrichtungen, Verbänden und Unternehmen. Menschen aus verschiedenen Unternehmen und Städten zusammenzubringen, miteinander zu vernetzen und gemeinsam an guten Lösungen zu arbeiten, das macht mir einfach großen Spaß.

Daniel Hörer: Politik und Wirtschaft funktionieren nicht ohne einander. Beide Seiten zusammenzubringen, ist für mich eine echte Herzensangelegenheit. Ich bin überzeugt: Die Mobilität der Zukunft nachhaltig voranzubringen, das schaffen wir nur gemeinsam. Es geht schließlich jeden etwas an – ich zum Beispiel pendle selbst auch. Außerdem wünsche ich mir, dass auch unseren Kindern und Enkeln eine intakte Natur erhalten bleibt und sie trotzdem individuell mobil die Welt entdecken können.

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