Was bringt die Renaturierung von Mooren? Moore mit Stern

Früher Morgen an einem Sommertag 2014: Patrick Klusch, Auszubildender bei Daimler im zweiten Lehrjahr, beginnt seinen Arbeitstag nicht wie gewohnt in einer Untertürkheimer Werkshalle, sondern in einem Naturschutzgebiet – dem Moorgebiet von Hinterzarten – dem Höhenluftkurort im Hochschwarzwald.

Entwässerungsgraben wird mit Sperre verschlossen.

Zusammen mit 22 weiteren Auszubildenden von Daimler unterstützt er aktiv den Naturschutzbund Baden-Württemberg (NABU) bei der Moorrenaturierung. Zupacken und vollen Arbeitseinsatz zeigen, das ist der 20-jährige Patrick Klusch aus seinem Arbeitsalltag als angehender Industriemechaniker gewohnt. Die Hauptaufgabe der einsatzwilligen Helfer im Moorgebiet von Hinterzarten ist an diesem Tag aber eine andere – Patrick Klusch über den Einsatz: „Unser Ziel ist es, das Moor in Hinterzarten im Südschwarzwald vor dem Entwässern und damit vor der Freisetzung von CO2 zu bewahren.“ Daher müssen alte Entwässerungsgräben mit Sperren verschlossen werden, um das Wasser im Moor zu halten und so das geschädigte Moor wiederherzustellen.

Doch was ist so wichtig an Mooren? Sie bedecken derzeit nur drei Prozent der Erdoberfläche, speichern jedoch fast ein Drittel des erdgebundenen Kohlenstoffs. Ihr Schutz gehört daher zu den wichtigsten Themen des Natur- und Umweltschutzes. Moore wandeln CO2 aus der Atmosphäre in langlebigen Torf um. Sie sind dadurch die besten natürlichen Kohlenstoffspeicher und binden pro Hektar viermal mehr CO2 als etwa Tropenwälder. Um ihre Speicherfunktion erfüllen zu können, benötigen sie ganzjährig einen hohen Wasserstand. Sinkt der Grundwasserstand und gelangt Sauerstoff an den im Torf gespeicherten Kohlenstoff, so entweicht dabei CO2. Das geschieht einerseits durch die mit dem Klimawandel abnehmenden Niederschläge und längeren Trockenperioden, jedoch auch durch die Trockenlegung der Flächen für Nutzung in der Land- und Forstwirtschaft.

In den 30er Jahren wurden in Hinterzarten Gräben angelegt, damit das Wasser aus dem Moor abläuft und man Torf abbauen kann. Das ist allerdings nie passiert. Das Moor trocknete aus. Mit der Austrocknung verliert die Natur jedoch nicht nur seinen CO2-Speicher, es sterben auch vielzählige im Moor ansässige Tier- und Pflanzenarten aus.

Die Moorrenaturierung in Hinterzarten ist Teil des Projektes „Moore mit Stern“, das Daimler durch eine zweckgebundene Spende ermöglicht. Der NABU hat gemeinsam mit dem für Naturschutz zuständigen Landesministerium geeignete Flächen ausgewählt. Mit der Renaturierung in Hinterzarten hat der NABU den Moor- und Gebietskenner Dr. Pascal von Sengbusch beauftragt. Wasserstände messen, Vegetation erfassen, Gräben kartieren und das Gelände am Rechner modellieren: Auf Basis dieser Daten kann er im Sommer die Gesamtplanung abschließen und das Projekt bis 2015 beenden.

„Um den Ablauf des Wassers zu verhindern, haben wir Spundwände in die Entwässerungsgräben gebaut. Pascal von Sengbusch stand uns mit fachmännischem Rat zum Thema Moorschutz zu Verfügung und erklärte uns, wie man diese Dämme baut: Holzbretter anspitzen, um diese in den Boden rammen zu können, Schlitze in den Torf sägen, die einzelnen Bretter ansetzen und dann mit einem Elektrohammer in den Boden schlagen“, erzählt Patrick Klusch begeistert.

Patrick Klusch weiter: „Wir mussten die Ausbildungsgruppe aufteilen, da nur zehn Personen gleichzeitig das Moor betreten dürfen.“

Während die eine Gruppe der Auszubildenden Dämme baut, führt die andere Gruppe an anderer Stelle im Moor sogenannte Pflegearbeiten durch. Dabei müssen die angehenden Industriemechaniker und Mechatroniker Fichten fällen, die sich durch die Austrocknung des Moores ins Moor verbreitet hatten, sowie die Stämme aus dem Moor transportieren. Die Fichten entziehen dem Moor Wasser, das die Moorkiefern – eine vom Aussterben bedrohte Pflanzenart – zum Leben brauchen.

Im Zuge des Projektes wird zudem das Bodenmöser Moor bei Isny im Allgäu gerettet, wo derzeit die Planungen auf Hochtouren laufen und im Winter 2014/2015 abgeschlossen werden sollen. Die Umsetzung beginnt dort 2015.

Mit Hilfe der Daimler Auszubildenden gehen die Arbeiten an diesem Tag im Moorgebiet zügig voran. Und auch in der Auszubildendengruppe hat der Einsatz die Stimmung untereinander nochmals verbessert. Patrick Klusch: „Bei diesem Lehrgang haben wir uns alle noch besser kennengelernt und wichtige Themen über den Umweltschutz gelernt.“

Am Ende des Projekteinsatzes präsentieren die jungen Leute das Ergebnis ihres Tagespensums dem baden-württembergischen Landesminister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde. Auch der Bürgermeister von Hinterzarten, Klaus-Michael Tatsch, macht deutlich, wie wertvoll der finanzielle Einsatz von Daimler und die tatkräftige Unterstützung durch Auszubildenden-Gruppen sind: „Die Moorrenaturierung ist ein echter Gewinn für die Gemeinde, die Region, unsere Gäste sowie unsere Bürgerinnen und Bürger.“

Wir bewahren die Vielfalt natürlicher Lebensräume. Seit vielen Jahren unterstützen wir deshalb Projekte und Initiativen von Umweltorganisationen in aller Welt. So tragen wir dazu bei, dass unsere Erde auch morgen noch ein lebenswerter Planet ist.

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