"Nur sichere Autos können auch nachhaltig sein”

Seit er denken kann, interessiert sich Lucas Bolster für Autos. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag wird ihm klar, was er eigentlich machen will: die Sicherheit von Fahrzeugen verbessern. Heute arbeitet der 28-jährige Ingenieur bei Mercedes-Benz Research & Development North America. Im Interview hat er uns von seinem Job erzählt und erklärt, warum Sicherheit und Nachhaltigkeit für ihn zusammengehören.

Lucas, Long Beach in Kalifornien ist wahrscheinlich ein Traumarbeitsplatz für viele Kolleginnen und Kollegen. Was muss man mitbringen, um in Ihrem Team arbeiten zu können?

Ja, es ist ein ziemlich toller und einzigartiger Ort zum Arbeiten. Unser „Mini-Sindelfingen“ liegt in einem Industriegebiet und ist nur zehn Minuten vom Strand entfernt. Aber auch mein Job an sich ist klasse. (lacht) Im Team lernen wir schnell und viel voneinander. Ich denke, die wichtigsten Eigenschaften sind, sich leidenschaftlich für die Ziele unserer Arbeit einzusetzen und flexibel zu sein. Aufgaben und Zeitpläne verändern sich oft, da muss man sich anpassen können.

Sie arbeiten im Bereich "ADAS/AD Testing". Für mich klingt das nach Kryptographie. Wofür steht es?

Meine Hauptaufgabe ist die Erprobung von Fahrerassistenzsystemen (Advanced Driver Assistance Systems - ADAS) auf der Straße. Dazu gehören zum Beispiel der Abstandsassistent „DISTRONIC“ oder der Bremsassistent „Active Brake Assist“. Außerdem führe ich Tests mit unserem kommenden automatisierten Fahrsystem DRIVE PILOT durch. Wir arbeiten daran, unseren Kunden das sicherste und komfortabelste Erlebnis zu bieten. Deshalb sind wir häufig unterwegs, um reale Situationen zu erfassen und unsere Systeme so zu testen.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?

Unser Team ist vergleichsweise klein, wir sind sechs Kolleginnen und Kollegen. Somit sind die Aufgaben sehr facettenreich. An einem Tag sind wir beispielsweise auf Testfahrt in Los Angeles unterwegs, am nächsten Tag können es Gespräche mit Aufsichtsbehörden in Washington D.C. oder Sacramento sein.

Arbeitsplatz hinter dem Steuer - im Testfahrzeug geht's durch den dichten Verkehr.

Was, glauben Sie, bedeutet Ihre Arbeit für den Daimler-Konzern weltweit?

Für mich sind Fahrerassistenzsysteme und das automatisierte Fahren eine Frage des Vertrauens. Wir arbeiten daran, das Vertrauen unserer Stakeholder, der Öffentlichkeit, unserer Kunden und der Aufsichtsbehörden zu gewinnen, damit wir lebensrettende Innovationen effektiv einsetzen können. In der heutigen globalen Gesellschaft hat das Auswirkungen auf Menschen rund um den Globus.

Vor 40 Jahren hat Mercedes-Benz mit dem Antiblockiersystem (ABS) Pionierarbeit für digitale Assistenzsysteme geleistet. Wie bewahren wir uns diesen Pioniergeist?

Wir haben uns unsere Position und unseren Ruf nicht nur deshalb verdient, weil wir die Ersten waren, sondern weil wir es gleich richtig gemacht haben. Zwar erwarten unsere Kunden lebensrettende Entwicklungen so schnell wie möglich, aber diese Systeme müssen robust und vertrauenswürdig sein. Schnelligkeit darf nicht wichtiger sein als Sicherheit.

Was motiviert Sie an Ihrer Arbeit?

Ich habe Autos schon immer geliebt. Im College, als ich gerade an unserem Formula-SAE-Auto (ein internationaler Konstruktionswettbewerb) herumgeschraubt habe, kam meine Oma auf der Heimfahrt vom Friseur bei einem Autounfall ums Leben. Das war für mich wie ein Weckruf. Mir wurde klar, worauf ich meine Energie und Zeit verwenden musste. Ich liebe Autos noch immer, aber ich erkenne die Notwendigkeit, sie zu nachhaltigeren und verantwortungsvolleren „Partnern“ auf der Straße zu machen. Seit ich bei Mercedes-Benz angefangen habe, haben wir mehrere Sicherheitsinnovationen auf den Markt gebracht, von denen zwei, der „Active Brake Assist with Cross-Traffic“ und „Pre-Safe Side“, vielleicht ausgereicht hätten, um meiner Oma das Leben zu retten. Ich bin stolz, an der Entwicklung mitgewirkt zu haben: Dadurch können unsere Kunden und andere Verkehrsteilnehmer sicherer auf der Straße unterwegs sein.

Keine halben Sachen...

Ich vertraue unseren Assistenzsystemen voll und ganz, denn...
"...erstens zeigen sie den Fahrern auch ihre Grenzen, sodass jeder weiß, wie weit ich den Systemen in welchen Situationen vertrauen kann. Zweitens, für alle meine Kolleginnen, Kollegen und mich steht die Sicherheit an erster Stelle. Wir übernehmen die Verantwortung in jedem einzelnen Schritt des Prozesses."

Wenn ich zwischen E-Bike und E-Auto wählen müsste, würde ich das...
"...E-Auto nehmen. Diese Entscheidung fällt mir schwer, weil ich ein großer Radfahrer bin."

Das Mindset in Amerika lautet…
"...Dinge auf die Straße zu bringen."

Wenn man an „Nachhaltigkeit" denkt, denkt man zuerst an die Umwelt und das Klima. Warum zahlt Ihre Arbeit auch auf Nachhaltigkeit ein?

Für mich geht es bei Nachhaltigkeit im Kern um Langlebigkeit. Obwohl Autos für viele Menschen echte Glücksobjekte sind, haben sie natürlich auch ihre Nachteile. Als Entwickler sehe ich es als meine Verantwortung an, mich mit diesen auseinanderzusetzen.

Gegenwärtig wird die Zukunft des Automobils unter anderem durch seine Auswirkungen auf die Umwelt durch Produktion und Betrieb oder seinen Platzverbrauch auf die Probe gestellt. Aber auch aus Sicherheitsgründen. In den USA gab es in den letzten fünf Jahren beispielsweise einen Anstieg der Zahl der Verkehrstoten im Straßenverkehr. Das können wir nicht ignorieren. Es liegt in unserer Verantwortung, die Sicherheit der Menschen in und um unsere Autos herum noch weiter zu verbessern. Nur wenn Autos sicher sind, können sie auch nachhaltig sein.

Deshalb arbeiten meine Kolleginnen, Kollegen und ich ständig daran, die Straßen für alle sicherer zu machen. Dabei konzentrieren wir uns auf unsere Sicherheitsstrategie, die jeden Teil der Verkehrssicherheit berücksichtigt.

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