Bäume pflanzen in Addis Abeba

Dr. Tsegaye Degineh arbeitet seit neunzehn Jahren bei Daimler. Der gebürtige Äthiopier ist im Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland Diversity-Beauftragter und für die Kommunikation von Personalthemen zuständig. Bei seinem letzten Besuch in der alten Heimat pflanzte er auf eigene Initiative Bäume, um zur Wiederaufforstung Äthiopiens beizutragen. Im Interview hat er uns erzählt, warum das gar nicht so einfach ist.

Herr Degineh, was hat sie dazu inspiriert, Bäume in Äthiopien zu pflanzen?

Seit Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich im Internationalen Ju-Jitsu-Verband und im Judo-Sport. Die Schwerpunkte meines Engagements liegen im Bereich Wertevermittlung im Sport und im entwicklungsökonomischen Wissenstransfer zwischen Deutschland und Äthiopien. Dadurch haben sich viele Kontakte entwickelt. So kam es, dass ich im Oktober 2018 beim „Compact with Africa“ G20-Gipfeltreffen in Berlin den Friedensnobelpreisträger und Premiermister von Äthiopien, Abiy Ahmed, begleiten durfte. Auf seine Initiative hin wurden im Sommer 2019, also im Winter in Äthiopien, innerhalb von zwölf Stunden 350 Millionen Baumsetzlinge im Land gepflanzt. Bauprojekte und Waldrodungen hatten zwischen 1960 und 2012 den Waldbestand in Äthiopien von 37 Prozent auf drei Prozent der Fläche reduziert.

Die Aktion inspirierte mich, bei meinem nächsten Besuch in Äthiopien ebenfalls Bäume zu pflanzen. Bereits während meines Studiums habe ich mich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter einer Arbeitsgruppe beim Fachbereich Ressourcenökonomie forschte ich darüber, wie Nutzungsrechte die Umwelt beeinflussen.

„In Afrika gibt es ein Sprichwort, das sagt: Der beste Zeitpunkt einen Baum zu pflanzen war vor 20 Jahren. Der zweitbeste ist heute.“

Tsegaye Degineh

Kann man denn einfach so Bäume in Äthiopien pflanzen?

Das wäre schön, aber nein. Bis zu meinem ersten Spatenstich war es ein langer Weg mit vielen behördlichen Abstimmungen. Aufgrund der Trockenzeit war es zum Beispiel recht schwer, einen geeigneten Ort zu finden. Schließlich wurde uns erlaubt, an einer geplanten Sportstätte 40 Bäume zu pflanzen. Da der Ort für Bäume aber ungeeignet war, wurden daraus 20 Sträucher. Das war uns allerdings nicht genug. Nach weiteren Abstimmungsrunden konnten wir entlang einer neuen Autobahn weitere Bäume pflanzen. Ein passender Ort, um den CO2-Ausstoß unmittelbar zu reduzieren.

Das klingt nach ganz schön viel Aufwand. Hatten Sie dabei Hilfe?

Meine Familie war mit mir vor Ort und hat mir geholfen, die Bäume zu pflanzen. Die Straßenverwaltung hat uns freundlicherweise die notwendigen Gerätschaften zur Verfügung gestellt. Sie wird sich auch in Zukunft um die regelmäßige Bewässerung kümmern. Außerdem haben mich meine Kolleginnen und Kollegen bei Daimler unterstützt. Sie waren von meinem Vorhaben so begeistert, dass sie rund 250 Euro für Setzlinge gespendet haben. Ihre Namen hängen nun an den gepflanzten Bäumen. Es blieb noch etwas Geld übrig. Das habe ich an eine Initiative gespendet, die dafür sorgt, dass Schulen Artikel zur Monatshygiene an Mädchen verteilen können.

Könnten Sie sich vorstellen, auch in Deutschland Bäume zu pflanzen?

Grundsätzlich ja. Allerdings wird meine Hilfe in Äthiopien dringender benötigt. Weil Bäume Schatten vor der heißen Sonne spenden, viel CO2 aus der Luft filtern, den Boden feucht zu halten und in der Lage sind, der Erosion und dem Vordringen der Wüste zu trotzen, sind sie in Äthiopien besonders effektiv und wichtig. Aber generell finde ich: Egal in welcher Form, Verantwortung zu übernehmen ist ein großartiges Gefühl.

Wie nachhaltig leben Sie privat?

Ich versuche auf kleine Dinge zu achten und auch damit etwas zu bewirken. Deshalb beziehen wir zuhause Ökostrom und versuchen, Einwegplastik zu vermeiden. Als ich vor 30 Jahren nach Deutschland kam, hat es mich sehr überrascht, wie verschwenderisch mit Ressourcen, etwa von Verpackungen oder in Form von Plastikflaschen umgegangen wird. Wir nutzen Mehrwegeinkaufstaschen, trinken Leitungswasser oder sprudeln Wasser selbst und kaufen, wenn möglich, regionale Bio-Lebensmittel. Wir haben einen Kleingarten, in dem wir versuchen, eigenes Obst und Gemüse anzubauen. Benutzte Briefumschläge und Fehldrucke benutzen wir als Schmierzettel. Außerdem wird mein nächstes Auto vielleicht einen Elektroantrieb haben.

Keine halben Sachen...

Bäume faszinieren mich, weil…
"...sie Grundlage unseres Lebens sind. Bäume haben eine beruhigende Wirkung und eine besondere Ausstrahlung, die wir in unserem schnellen Leben leider viel zu selten wahrnehmen."

Ich engagiere mich für Nachhaltigkeit, weil…
"...sie Ökologie, Wirtschaft, Innovation und Soziales in Einklang bringt und existenziell für unsere Zukunft ist. Wir müssen nicht nur nachhaltig sein, sondern es vor allem bleiben. Ich kann mir gut vorstellen, noch mehr Bäume zu pflanzen."

Ich wünsche mir, dass in naher Zukunft…
"...Nachhaltigkeit zur Selbstverständlichkeit wird."

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