Bundesverdienstkreuz für Daimler-Mitarbeiter Alfons Adam

08. Juni 2020 - Daimler-Mitarbeiter Alfons Adam wurde am vergangenen Freitag mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Herzlichen Glückwünsch!

Alfons Adam arbeitet seit 1981 im Unternehmen, zunächst als Instandhalter im Presswerk am Standort Bremen. Seit 1994 ist er in der Schwerbehindertenvertretung im Werk Bremen engagiert. Vor zehn Jahren wurde er Konzern- und Gesamtvertrauensperson der schwerbehinderten Menschen bei Daimler, das Amt der Gesamtvertrauensperson hat er bis heute inne. Zudem ist er Vertrauensmann und Delegierter der IG Metall. Für seine Verdienste um Menschen mit Behinderung in der Ausbildung, seinen unermüdlichen Einsatz für Barrierefreiheit in den Werken sowie sein Engagement auf gemeinde- und bundespolitischer Ebene überreichte ihm Peter Bohlmann, Landrat des Landkreises Verden, im Kreishaus seiner Geburtsstadt Verden das Ehrenzeichen.

Die behindertenpolitische Arbeit ist mein Leben. Und wenn man irgendwann Unterstützung erfährt, ist das eine tolle Belohnung.

Alfons Adam

Das Bundesverdienstkreuz am Bande wird für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet verliehen. Es ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung in Deutschland und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Wir haben mit Alfons Adam über die Auszeichnung gesprochen.

Daimler-Mitarbeiter Alfons Adam hat das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement für Menschen mit Behinderung erhalten.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch, Herr Adam. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Nachricht erhielten, dass Sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden?

Die Auszeichnung ist etwas ganz Besonderes und freut mich sehr. Ich wurde zuerst telefonisch benachrichtigt, aber weil es mir ein bisschen unangenehm war, über mich selbst zu reden, habe ich es zunächst niemandem erzählt. Nicht mal meiner Frau. Nach dem Anruf kam noch ein Brief. Den habe ich dann meiner Frau gezeigt. Sie hat sich gefreut und gesagt: „Das hast du dir verdient.“ Ohne die Unterstützung meiner Familie, unseres Unternehmens und vieler politischer Freunde hätte ich meine Arbeit jedoch nie so gut machen können, dass sie sogar mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wird.

Was motiviert Sie, sich für Menschen mit Behinderung einzusetzen?

Zum größten Teil meine eigenen Erfahrungen aus meiner Familie und meiner Kindheit. Mich hat es schon immer gestört, wenn jemand ungerecht behandelt wird. Ich habe als Kind mitbekommen, dass es Menschen gibt, denen es immer gut geht und andere, denen es weniger gutgeht und die nach jeder – damals noch - Mark krabseln müssen. Und ich habe auch erlebt, was eine Krankheit mit Menschen macht, wie sie dadurch zu völligen Außenseitern werden können. Wenn Du nicht viel Geld hast, wenn Du gesundheitlich nicht gut drauf bist, wenn Du Handicaps hast, bist Du niemand, der in der ersten Reihe steht. Das ist die Gruppe der Menschen, wo es sich aus meiner Sicht besonders lohnt, sich darum zu kümmern. Ich habe in meiner Familie die vier Personen gepflegt, die mich großgezogen haben. Beim Thema Alter ist man oft nah am Thema Behinderung. Das hat mich geprägt. Ich weiß, was es für eine Herausforderung ist, wie man um alles kämpfen muss. Ich bin selbst schwerbehindert und weiß auch deshalb genau, was es bedeutet. Es sind die vielen Arztbesuche, Operationen und Rehas, die sehr belastend sind. Dann muss man die Menschen mit Handicap nicht noch zusätzlich bestrafen, indem man ihnen das Leben schwermacht, weil es nicht barrierefrei ist oder sie nicht die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Sie kümmern sich seit vielen Jahren um Menschen mit Behinderung. Was haben Sie bisher geschafft und umgesetzt?

Mein erstes großes Projekt war damals, die Rolle der Schwerbehindertenvertretung im Konzern überhaupt bekannt zu machen und dass sie anerkannt wird. Das ist mir mit meinen Kolleginnen und Kollegen - den vielen Rückmeldungen zufolge - auch gut gelungen. Mein größtes Anliegen ist es nach wie vor, Menschen mit Behinderung in der Ausbildung zu fördern. Insgesamt haben wir seit 2006 über 350 Menschen mit Behinderung ausgebildet. Dafür haben wir im letzten Jahr den Inklusionspreis der Wirtschaft erhalten.

Beim Thema Barrierefreiheit haben wir mit Personalvorstand Wilfried Porth einiges umgesetzt: wir haben viele Bordsteine abgesenkt, damit Rollstuhlfahrer sie passieren können, haben Aufzüge behindertengerecht ausgestattet oder beispielsweise selbstöffnende Türen installiert. Seit zwei Jahren kümmern wir uns verstärkt um die digitale Barrierefreiheit. Das wird uns noch weitere Jahre beschäftigen.

Sie setzen sich aber auch auf politischer Ebene für die Belange von Menschen mit Behinderung ein.

Ich leite den Arbeitskreis der Schwerbehindertenvertreter der Automobilindustrie. In Zusammenarbeit mit der Uni Köln haben wir das Projekt „Ausbildung ohne Barrieren“ ins Leben gerufen, das vom Arbeits- und Sozialministerium des Bundes gefördert wurde. Wir haben dafür gesorgt, dass politisch Schwung in das Thema kommt und auch andere Unternehmen sich mit der Ausbildung von Menschen mit Behinderung beschäftigen.

Außerdem hat mich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in die Veränderung des Bundesteilhabegesetzes eingebunden. Das regelt unter anderem die Rechte und Möglichkeiten der Schwerbehindertenvertretung, die Barrierefreiheit und das selbstbestimmte Leben von Menschen mit Behinderung. Ich war zwei Mal als Sachverständiger für die Belange der Schwerbehindertenvertretung in den Unternehmen in Anhörungen im Bundestag. Dabei habe ich sehr eng mit Andrea Nahles zusammengearbeitet, die damals auf Bundesebene Arbeits- und Sozialministerin war. Das war eine tolle, lehrreiche und erfolgreiche Zeit.

Was sind die nächsten Ziele im Unternehmen, die Sie sich gesetzt haben?

Es ist mir ein großes Anliegen, dass die digitale Barrierefreiheit weitergetrieben wird. Nicht zu vergessen die eigentliche Arbeit der ungefähr 150 Schwerbehindertenvertreterinnen und -vertreter im Unternehmen: nämlich, dass wir uns um unsere Kolleginnen und Kollegen mit Handicap kümmern. Sie dürfen bei der Digitalisierung nicht hinten runterfallen. Leichte Tätigkeiten gehen in unserem Unternehmen immer mehr verloren. Und viele Menschen mit Schwerbehinderung sind auf solche Tätigkeiten angewiesen. Ziel muss sein, dass jede und jeder irgendwann erhobenen Hauptes in den Ruhestand gehen kann. Dabei muss die Menschenwürde gewahrt werden. Das muss selbstverständlich sein und gehört zur Daimler-Kultur.

Engagieren Sie sich auch im privaten Umfeld für Barrierefreiheit?

Ich engagiere mich seit vielen Jahren im Orts- und Gemeinderat Langwedel für Jugendarbeit und Sozialpolitik. In diesem Amt habe ich mich dafür eingesetzt, dass in Kindergärten und Schulen Inklusion stattfindet und diese in unserer Gemeinde barrierefrei zugänglich sind.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich möchte, dass es eine Selbstverständlichkeit wird, dass Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben und am „normalen“ Leben teilhaben. Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht und muss selbstverständlich werden. Ich würde mich gerne überflüssig machen in meiner Rolle als Schwerbehindertenvertreter.

  • Die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen bei Daimler steht bereits seit 2002 auf fester Grundlage einer Inklusionsvereinbarung.
  • In Deutschland sind über 9.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Behinderungen bei Daimler beschäftigt.
  • Einen besonderen Stellenwert hat bei Daimler die Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderung. Im Jahr 2006 wurde gemeinsam mit der Schwerbehindertenvertretung ein Aktionsplan zur Einstellung schwerbehinderter Auszubildender ins Leben gerufen.
    Seither haben mehr als 350 Menschen mit Behinderung eine Ausbildung oder ein Studium an einer Dualen Hochschule im Konzern begonnen.
    Insgesamt sind zurzeit knapp 60 schwerbehinderte Auszubildende bei Daimler in Deutschland beschäftigt (Stand: 31.12.2019).
  • Im Rahmen der Diversity Challenge 2019 der Charta der Vielfalt hat ein Auszubildenden-Team aus Stuttgart das Projekt „Buddy@Daimler“ umgesetzt, das Kollegen und Kolleginnen mit und ohne Behinderung zusammenbringt, um einen Tag gemeinsam am Arbeitsplatz zu verbringen. Ziel ist ein Perspektivwechsel und mehr Sensibilität füreinander.
  • Im April 2019 hat Daimler den Inklusionspreis für die Wirtschaft 2019 erhalten. Der Preis ist eine Initiative der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Charta der Vielfalt und des UnternehmensForums, unter Schirmherrschaft von Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales.
  • Mehr als 30 Behindertenwerkstätten in Deutschland sind unsere Partner.

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