Früher gefahren, heute getragen: Aus Planen werden Taschen

Respekt, Vielfalt und Offenheit – dafür wird jedes Jahr bei der Daimler Pride Tour geworben, unter anderem auf den deutschen Christopher Street Days. Aber was bleibt neben Konfetti und der Erinnerung an die Parade? Eine Upcycling-Aktion fängt das „Wir-Gefühl“ und die Botschaft für mehr Toleranz ein: Die Planen des Daimler Pride Trucks verwandeln sich in bunte Taschen. Nicole Smit aus dem Global Diversity Office hat den Weg der Planen begleitet.

Im Global Diversity Office ist Nicole Smit unter anderem Projektleiterin der globalen Daimler Pride Tour. „2019 war für mich eine besondere Tour. Allein in Europa haben wir an sechs Pride Paraden teilgenommen – auch in Stuttgart. Die Stimmung war unbeschreiblich“, erzählt sie. Zurück im Büro hat sie allerdings eines nicht mehr losgelassen: „Wie können wir dieses ‚Wir-Gefühl‘ über die Daimler Pride Tour hinaus transportieren? Und was passiert mit den Truck-Planen?“ Der Spirit, den die Menschen mit der Tour verbinden, sollte nicht nur im Kopf bleiben, sondern sichtbar werden. Die Idee: Die Planen des Daimler Pride Trucks zu Taschen verarbeiten, die den Spirit weitertragen. Die Planen enden nicht im Müll, sondern bekommen ein zweites Leben als Tasche mit Botschaft.

Die Konfetti-Herzen sind nicht die einzigen Überbleibsel der Daimler Pride Tour.

Der Weg der Planen

An einem regnerischen Dienstagmorgen macht sich Nicole Smit auf den Weg nach Windhagen in Rheinland-Pfalz. Dort lagern die Lkw-Planen der Daimler Pride Trucks, bevor es Ihnen wortwörtlich an die Nähte geht.

Nicole Smit breitet die Planen des Daimler Pride Trucks aus.

Gemeinsam mit Kollegen macht sich Smit daran, die letzten Konfetti-Überbleibsel von den Planen zu entfernen, Kreppbänder zu lösen und die Planen zurechtzuschneiden. Bis unters Dach bepackt geht es dann mit dem Auto weiter.

Nächster Halt: Bruchsal-Bretten. Dort arbeitet Christian Tschürtz unter dem Projektnamen „COMEBAGS“ mit der gemeinnützigen Lebenshilfe Bruchsal-Bretten e. V. zusammen. „Eigentlich bin ich gelernter und selbstständiger Grafiker“, so Christian Tschürtz. „Dass meine Arbeit nach dem Ende einer Kampagne im Müll landet, hat mir schon immer Bauchschmerzen bereitet.“ Im Jahr 2012 hat er deshalb seine Idee gemeinsam mit der Lebenshilfe in die Tat umgesetzt: aus alten, selbstentworfenen Werbebannern Taschen fertigen.

Übergabe der Planen an Christian Tschürtz von COMEBAGS.

Christian Tschürtz wartet heute vor den Werkstätten der Lebenshilfe auf Nicole Smit, um diesmal keine Werbebanner, sondern die bunten Planen des Daimler Pride Trucks entgegenzunehmen. Es dämmert bereits, als Nicole Smit für heute die Heimreise nach Stuttgart antritt, während die Planen zum Stanzen gebracht werden.

Die Lebenshilfe Bruchsal-Bretten bietet rund 1.200 Menschen eine Beschäftigung, darunter 870 mit geistiger oder körperlicher Behinderung. Rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich in der Textilwerkstatt um die Herstellung von Taschen (weitere Informationen zu Lebenshilfe Bruchsal-Bretten e.V. finden sie auf www.lebenshilfe-bruchsal.de).

Jede Tasche ein Unikat

Eine Woche später kehrt sie zurück nach Bruchsal, um einen Blick in die Produktion der Lebenshilfe zu werfen. Abteilungsleiter Uwe Hillenmaier und Christian Tschürtz zeigen Nicole Smit die Textilwerkstatt. Da die Beschäftigten noch in der Mittagspause sind, nutzt Nicole Smit die Zeit, um mehr über die Arbeit im Textilbereich zu erfahren. Der Abteilungsleiter erklärt, dass hier alle Beschäftigten dem Bereich zugeteilt sind, der ihren Fähigkeiten entspricht und ihnen am meisten Freude bereitet. „Die Arbeit in unseren Werkstätten hat einen speziellen Charakter. Unsere Mitarbeiter sehen wir als Kunden. Deshalb wird besonders darauf geachtet, dass nie zu viele Aufträge angenommen werden. Das heißt aber nicht, dass hier nichts geschafft wird. Mit ‚COMEBAGS‘ haben wir anfangs 50 Taschen im Monat produziert, heute schaffen wir bis zu 2.000“, berichtet er stolz.

Uwe Hillenmaier, Abteilungsleiter der Textilwerkstatt Lebenshilfe Bruchsal-Bretten, Manuela Dresel und Heike Miltenberger, beide Teamleiterinnen der Textilwerkstatt Lebenshilfe Bruchsal-Bretten (von links).

Die Pausenglocke läutet das Ende der Mittagspause ein. Im Sekundentakt füllt sich die Halle mit Leben. Die Nähmaschinen beginnen, zu rattern. Auch Nicole Smit und Christian Tschürtz krempeln die Ärmel hoch.

Als erstes werden die einzelnen Stanzteile gereinigt und letzter hartnäckiger Schmutz entfernt. Währenddessen erzählen die Beschäftigten der Lebenshilfe, dass die Arbeit in der Textilwerksatt so viel Spaß macht, weil Muster und Farben der Werbebanner und Lkw-Planen ständig wechseln. Die Regenbogenfarben kommen da besonders gut an. Eins ist klar: Jede Tasche wird ein Unikat.

Heute erhält das Team der Lebenshilfe Unterstützung durch Nicole Smit und Christian Tschürtz.

Der nächste Arbeitsschritt führt in den Nähbereich der Werkstatt. Jede Nähmaschine hat ihre eigene Aufgabe: Nähte setzen an der einen Station, Trageriemen befestigen an einer anderen. Langsam nehmen die Taschen Gestalt an. Erst nach dem alle überschüssigen Fäden entfernt sind, erfolgt der finale Schliff: Jede Tasche erhält eine Broschüre, die über das Projekt „COMEBAGS“ informiert.

Daimler Pride in den Taschen

„Die Begeisterung der Lebenshilfe-Mitarbeiter für ihre Arbeit hat mich an die Stimmung auf unserem Daimler Pride Truck erinnert“, erzählt Nicole Smit. In dieser Tasche steckt viel vom Spirit der Daimler Pride Tour: „‚Jede*r anders. Alle gleich.‘ Uns geht es darum, Vielfalt anzuerkennen und Menschen wertzuschätzen, wie sie sind. Hier in der Lebenshilfe können alle mit ihren individuellen Fähigkeiten einen Beitrag leisten. Und darauf ist jeder Einzelne stolz.“ Eine Haltung, die weit über die Daimler Pride Parade bestehen bleibt – und eine Tasche mit besonderem Auftrag: We carry diversity!

Jede Tasche ist ein Unikat.

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