Auf gute Nachbarschaft in Jawor

Das neue Motorenwerk in Jawor ist der erste Produktionsstandort von Mercedes-Benz Cars in Polen – ein großes Projekt, bei dem die interkulturelle Zusammenarbeit Erfolgsfaktor, aber auch Herzensangelegenheit ist. Ewa Łabno-Falęcka und Sven Witzenhause haben in Polen die Dauerausstellung „Mercedes-Benz meets Jawor“ organisiert, um mit der Bevölkerung in einen Dialog zu treten.

Ewa Łabno-Falęcka arbeitet bei Mercedes-Benz in Warschau und leitet dort die Unternehmenskommunikation und auch den Bereich Außenbeziehungen. Sie hat selbst 14 Jahre lang in Deutschland gelebt und setzt sich leidenschaftlich für die Verständigung der beiden Länder ein. Im März dieses Jahres wurde sie für ihren Einsatz rund um den deutsch-polnischen Dialog mit dem deutschen Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Sven Witzenhause hat sein Büro in Stuttgart-Untertürkheim. Im Bereich External Affairs, der verantwortlich ist für Stakeholderbeziehungen, setzt er sich mit seinem Team für stabile Partnerschaften rund um Industrieprojekte ein. Er arbeitet mit Kollegen in der ganzen Welt zusammen, um Dialoge mit Stakeholdern vor Ort aufzubauen.

Wie genau soll die Ausstellung zur guten Nachbarschaft am Standort beitragen?

Sven Witzenhause: Nachdem die Entscheidung für den neuen Standort gefallen ist, haben wir uns gefragt, wie wir die Menschen vor Ort und Mercedes-Benz zusammenbringen können. Die Anwohner sind neugierig: Was passiert hier genau? Wer ist der Investor? Wird ihr eigenes Leben davon beeinflusst? Uns ist es wichtig, diese Fragen frühzeitig zu beantworten und bereits vor dem Spatenstich mit den Bürgern in einen Dialog zu treten.

Ewa Łabno-Falęcka: Mit der Ausstellung bieten wir den Bewohnern in Jawor ein gegenseitiges Kennenlernen an. Unsere Autos sind in Polen bereits bekannt. Der Fokus der Ausstellung liegt daher auf der traditionsreichen Geschichte unseres Unternehmens, den Menschen und den Ideen hinter den Fahrzeugen. Zusätzlich stellen wir Mercedes-Benz Manufacturing Poland als neuen Arbeitgeber vor Ort vor.

Und wie kommt die Ausstellung bei den Bürgern und anderen Partnern vor Ort an?

Sven Witzenhause: Seit der Eröffnung sind rund 6.000 Menschen in die Ausstellung gekommen. Das ist für die kleine Stadt Jawor, die abseits von touristischen Routen liegt, eine wirklich gute Zahl. So eine Möglichkeit zum Austausch, wie diese Ausstellung, ist aus unserer Sicht dann erfolgreich, wenn die gute Beziehung zu den Menschen in der Region nachhaltig bestehen bleibt. In Jawor zeigt sich das ganz deutlich: Durch die Ausstellung und den gemeinsamen Dialog haben wir eine Vertrauensgrundlage geschaffen. Das hilft ungemein in der weiteren Zusammenarbeit und bei zukünftigen Vorhaben – zum Beispiel bei der Batteriefabrik, die gerade entsteht.

Ewa Łabno-Falęcka: Es gibt eine Anekdote, die sehr einprägsam zeigt, was der intensive Austausch mit der Stadt und ihren Bürgern bewirkt hat: Die Straße, an der das neue Werk in Jawor entstanden ist, hieß ursprünglich Zuckerstraße, denn hier stand früher eine große Zuckerfabrik. Mit Beginn des Werksbaus gab es die Überlegung, dass aus der Zuckerstraße die Gottlieb-Daimler-Straße werden könnte. Darüber ist in einer Bürgerumfrage abgestimmt worden. Trotz der großen Bedeutung des Straßennamens hat sich die Stadt für die Gottlieb-Daimler-Straße entschieden. Durch unsere Ausstellung ist Gottlieb Daimler nämlich in der Stadt heute kein Unbekannter mehr!

Was ist die Basis, um an unseren Standorten als „guter Nachbar“ wahrgenommen zu werden?

Ewa Łabno-Falęcka: Wenn wir einen neuen Standort eröffnen, ist die Kommunikation mit den Menschen vor Ort das A und O. Der erste Schritt ist es, die Zielgruppe zu definieren: Wir müssen von Anfang an jeden in den Dialog miteinbeziehen, der von unseren Projekten berührt wird – und dabei auch die kritischen Stimmen hören.

Sven Witzenhause: Eine erfolgreiche Stakeholder-Kommunikation muss transparent und ehrlich sein. Mir persönlich ist es wichtig, dass wir am Ende das liefern, was wir versprochen haben. Das zeigt Integrität und schafft Vertrauen. Luftschlösser zu bauen führt nicht zu nachhaltigem Erfolg.

Welche Stärken sind dabei in Ihrer Rolle gefragt?

Sven Witzenhause: In unserer Rolle ist es wichtig, das Gesamtbild des jeweiligen Projektes zu sehen und offen für die Perspektiven der Partner zu sein. Dazu gehört auch eine gewisse Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft, denn unterschiedliche Meinungen und Perspektiven kommen in den besten Beziehungen vor.

Ewa Łabno-Falęcka: Gleichzeitig müssen wir auch dazu bereit sein, Entscheidungen zu treffen. Wir können nicht immer alle Erwartungen erfüllen, da müssen wir realistisch bleiben. Wenn wir integer sind und so handeln, wie wir es im Vorfeld kommunizieren, bauen wir stabile Beziehungen zu unseren Partnern auf.

Welche Stolpersteine tauchen in den Dialogprozessen auf, die Sie gestalten?

Ewa Łabno-Falęcka: In jedem Veränderungsprozess gibt es vereinzelt kritische Stimmen. In diesem Fall, weil Geld für Projekte ausgeben wurde, bei denen der Erfolg schwer messbar ist. Gemeint war unsere Ausstellung. Aber ich glaube, nicht alles, was wertvoll ist, muss messbar sein. Andersherum ist auch nicht alles Messbare automatisch wertvoll.

Sven Witzenhause: Ich denke, der Stolperstein sind nicht die kritischen Stimmen selbst, sondern die Gefahr, sie nicht zu berücksichtigen. Wenn man frühzeitig auf Feedback eingeht, vermeidet man es, zu stolpern. Und: Die Kritik verstummt meistens, sobald ein Erfolg sichtbar ist. Und der ist hier doch sehr wohl messbar, zum Beispiel an den hohen Besucherzahlen.

Was ist unseren Partnern besonders wichtig?

Ewa Łabno-Falęcka: Natürlich haben alle Partner ein Interesse daran, dass die Kooperation zu einem Resultat führt, das für beide Seiten von Vorteil ist. In Jawor arbeiten wir für die Ausstellung zum Beispiel eng mit dem Regionalmuseum, dem Bürgermeister und dem Stadtrat zusammen. Definitiv können wir dabei von einer Win-win-Situation sprechen: Die Ausstellung ist mittlerweile fester Bestandteil der Kulturlandschaft und lockt sogar viele Touristen in die kleine Stadt.

Was motiviert Sie persönlich, sich für tragfähige Partnerschaften unseres Unternehmens einzusetzen?

Sven Witzenhause: Mich treiben vor allem die Begegnungen mit den Menschen an, die ich durch die verschiedenen Projekte kennenlernen darf. Und natürlich auch die neuen Orte, an die ich durch meine Arbeit komme. Zu Jawor habe ich sogar einen persönlichen Bezug: Meine Großmutter kommt aus der Region von Breslau. Die Arbeit rund um die Ausstellung hat mich dorthin gebracht, wo meine eigene Familie ihren Ursprung hat.

Ewa Łabno-Falęcka: Ich habe als Polin 14 Jahre in Deutschland gelebt. Das motiviert, mich für die interkulturellen Beziehungen unseres Unternehmens einzusetzen – nicht nur mit Polen. Wenn man dabei noch erfolgreich ist, sorgt das für persönliche Zufriedenheit und bringt außerdem einen Mehrwert für das Unternehmen. Diese Kombination ist doch das Beste, was passieren kann.

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