Nur wer etwas aus Überzeugung ändert, ist glücklich damit

Samantha Clarke ist Happiness Consultant, übersetzt Glücksberaterin. Weltweit berät die Britin Unternehmen und Privatpersonen zu mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz – auch in Veränderungsprozessen. Warum Glück keine Chefsache ist und sie es liebt, mobil zu sein, erzählte sie uns auf der me Convention 2019.

Frau Clarke, Sie glauben, dass jeder Mensch eine „ultimative Aufgabe“ im Leben hat. Haben Sie Ihre schon gefunden?

Definitiv. Meine Aufgabe ist es, Menschen bei großen Veränderungen zu begleiten: Wenn sie Neues wagen, die ersten Schritte machen und etwas vorangeht. Das macht mich glücklich.

Veränderung kann verunsichern, wie die Forschung zeigt. Die Automobilindustrie befindet sich in einem fundamentalen Wandel. Was heißt das für den „Glückstrend“ in unserer Belegschaft?

Es schwingt natürlich etwas Sorge mit, wenn sich Dinge verändern. In solchen Zeiten hilft es, wenn wir uns mit der Unsicherheit anfreunden. Schauen wir zum Beispiel auf die Erfindung des Internets: Es hat unsere Welt massiv verändert, sie dreht sich trotzdem weiter. Das können wir auf die Mobilität übertragen. Und mehr noch: Unsichere Zeiten können uns sogar antreiben, kreativer und flexibler zu denken, neue Fragen zu stellen und Trends anzustoßen.

Was können Unternehmen zum Glück der Mitarbeiter beitragen?

Oft haben Unternehmen fest im Blick, was sie strategisch und finanziell erreichen wollen. Weniger klar ist manchmal die Perspektive der Mitarbeiter auf dem Weg, der vor dem Unternehmen liegt. Was brauchen die Kollegen, um erfolgreich im Sinne des Unternehmens zu handeln und dabei glücklich zu sein? Das erfährt eine Führungskraft, wenn sie fragt und dann auch in Ruhe zuhört. Es ist nicht richtig, dass hohe Boni zu glücklichen Mitarbeitern führen. Tatsächlich zeigt die Forschung, dass es nachhaltig zufriedene Mitarbeiter dort gibt, wo Veränderung in eine sinnvolle Richtung stattfindet, an der die Mitarbeiter mitgestalten können.

Den eigenen Job mitzudesignen, ist für Samantha Clarke ein wichtiger Glücksfaktor

„Nicht aufhören zu spielen” ist einer Ihrer Ratschläge, um glücklich zu sein. Wie gelingt das im Arbeitsalltag am besten?

Klein anfangen, ist der Erfolgsfaktor. Es kann zum Beispiel ein Weg sein, den eigenen Job spielerisch selbst mitzudesignen. Also quasi sich selbst sinnvolle Ergänzungen zu überlegen, die das Unternehmen voranbringen und die den eigenen Leidenschaften entsprechen. Wenn das Unternehmen von diesen Ergänzungen profitiert, welche Führungskraft sollte sich dann nicht freuen?

Hundertprozentiges Glück im Job – geht das überhaupt?

Nein, ich glaube nicht. Ein Beispiel: Kein Mensch kann alle Bedürfnisse seines Partners in allen Lebensbereichen erfüllen. Jeder wird bestimmte Bedürfnisse zusammen mit Freunden, Eltern, Geschwistern oder jemand ganz anderem ausleben. Bei der Arbeit ist es ähnlich: Kein Job der Welt wird hundertprozentig perfekt sein. Aber es ist wichtig, zu wissen, was genau einem am aktuellen Job gefällt. Vielleicht liebt jemand 80 Prozent seiner Arbeit und bei den weiteren 20 Prozent ist er unsicher. Meine Frage ist dann: Was passiert mit den 20 Prozent? Für mich gilt hier der Grundsatz: love it, change it or leave it.

Inwieweit macht uns Mobilität glücklich?

Sehr glücklich! Für mich ist Mobilität die Freiheit, dahinzukommen, wo ich hinwill. Dazu muss man wissen: Ich leide an einer Krankheit, die meine Gelenke oft schmerzen lässt. Die Unbeweglichkeit an manchen Tagen beeinträchtigt mich, weil ich gerne unterwegs bin. Das sind die Momente, in denen ich das Auto ganz besonders schätze. Es ermöglicht die Freiheit der Mobilität auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Behinderungen. Mobilität ist für mich ein großer Glücksfaktor.

Wie können wir als Unternehmen zu mehr Glück in der Stadt beitragen?

Wenn nicht Daimler, wer kann dann neue Mobilitätslösungen etablieren, die nachhaltig und effizient zugleich sind? Mobilität macht Spaß! Allein wenn ich an meine eigenen Carsharing-Begegnungen denke, könnte ich Bücher schreiben …

Hatten Sie schon Glücksgefühle bei einer gemeinsamen Fahrt?

Oft! Ich liebe es, meine Fahrt mit anderen zu teilen und dabei verschiedene Menschen kennenzulernen. Ich erinnere mich immer wieder gern an eine Fahrt mit einem aufsteigenden Sushi-Koch, der mein Japan-Faible verstand wie kein anderer und mir seinen absoluten Geheimtipp für die perfekte Sushi-Rolle verraten hat! Nach jeder Fahrt kehren alle zurück in ihr eigenes Leben. Was bleibt ist, dass man ein kleines Stück Leben geteilt hat.

Samantha Clarke schätzt beim Carsharing besonders die Begegnungen mit Menschen.

Was verbindet Nachhaltigkeit und Glück?

Unser Glück hängt davon ab, ob wir unseren Planeten und die Umwelt wertschätzend behandeln. Die Erde und die Natur geben uns so viele Ressourcen, da sollten wir im Gegenzug auch auf unseren Fußabdruck achten und darauf, wie wir uns revanchieren.

Wer sich bewusst für einen nachhaltigen Lebensstil entscheidet, beschränkt sich oft – zum Beispiel mit weniger Reisen, kein Fleisch oder nur Fair-Trade-Kleidung. Wirkt sich das positiv oder negativ auf das Glückskonto aus?

Glück ist unabhängig von jeder Einschränkung. Wichtig sind die innere Haltung und auch die Sprache. Es darf nicht heißen: „Ich kann oder sollte nicht“. Sondern: „Ich ziehe es vor, es nicht zu tun, ich brauche es nicht“. Nur wer etwas aus Überzeugung verändert, ist auch glücklich damit. Das gilt für Privatpersonen genauso, wie für Mitarbeiter in einem Unternehmen, das sich wandelt.

Als Happiness Consultant ist Samantha Clarke eine gefragte Expertin und Keynote Speakerin zum Thema Wohlbefinden und zu nachhaltigem Glück bei der Arbeit. Sie arbeitet weltweit für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dabei unterstützen möchten, bei der Arbeit noch zufriedener zu sein. Darüber hinaus begleitet sie Privatpersonen dabei, herauszufinden, wie sie Leben und Arbeit noch erfüllter gestalten können. Als Gründerin des „Love it or Leave it Movement“ hat sie das erste Online-Training entwickelt, das praktische Lösungen für Privatpersonen bietet, die ihr persönliches Wachstum beeinflussen und ihr Leben glücklicher gestalten möchten, und die auch anderen dabei helfen wollen, das zu tun. Sie ist darüber hinaus Gastgeberin des Podcasts „Conversations with Samantha &“ und Dozentin bei „The School of Life“ und „The Guardian“. Ihr erstes Buch: „Love It Or Leave It: How to Be Happy at Work” wird im März 2020 veröffentlicht.

Wir verwenden Cookies

Damit wollen wir unsere Webseiten nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie die Webseiten weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu.