“Wir können die gesellschaftliche Diskussion beflügeln“

Mit Ursula Schwarzenbart, Leiterin Talent Development und Global Diversity Office, haben wir über die vielen Facetten von Gerechtigkeit bei Daimler und über die Unternehmensgrenzen hinaus gesprochen.

Ursula Schwarzenbart hat 2005 das Global Diversity Office von Daimler aufgebaut. Sie verantwortet als Chief Diversity Officer die vielfältigen, weltweiten Diversity-Aktivitäten. Neben dieser Funktion gestaltet Ursula Schwarzenbart seit 2010 die konzernweite Nachwuchsförderung (Talent Management) und in Leadership 2020 ist sie in den Personalentwicklungsthemen tätig – eine Aufgabe, die sie begeistert und die sich ihrer Meinung nach besonders gut mit dem Diversity Management verbinden lässt.

Frau Schwarzenbart, in Ihrer Rolle als Chief Diversity Officer setzen Sie sich dafür ein, Vielfalt im Konzern zu fördern. Was bedeutet für Sie persönlich Gerechtigkeit?

Gerechtigkeit ist ein sehr facettenreicher Begriff – insbesondere wenn wir von sozialer Gerechtigkeit sprechen. Denn: Die große Frage, was denn eigentlich gerecht ist, lässt sich nicht immer so einfach beantworten. Vielleicht gerade deswegen ist das Thema in der Gesellschaft omnipräsent. Das kann beim nüchternen Vergleich von Gehältern sein, aber auch während der 20 Uhr Nachrichten, wenn Krisenbilder uns mitfühlen lassen und der Gedanke „das ist wirklich ungerecht“ aufkommt. Für viele Fragen der Gerechtigkeit kann es nur eine persönliche Antwort geben – was der eine als unfair empfindet, kann ein anderer ganz anders bewerten.

Was heißt das für Ihr Verständnis von Gerechtigkeit?

Soziale Gerechtigkeit wirft viele Fragen auf, die nach einer Antwort suchen. Wir müssen diese Antworten finden, als Individuum, als Unternehmen oder als Gesellschaft. Sonst können wir auch drängende Zukunftsfragen nicht beantworten. Zum Beispiel: Wie schaffen wir gerechte Bildungschancen für unsere Kinder? Aber auch im Unternehmen brauchen wir ein klares gemeinsames Verständnis von Gerechtigkeit. Das regelt den Arbeitsalltag, ganz gleich ob es darum geht, wie die Chancen auf eine Führungsposition für Männer und Frauen gerecht gestaltet werden können, oder um eine gerechte Urlaubsplanung im Team.

Warum sind auch die drängenden gesellschaftlichen Fragen der sozialen Gerechtigkeit für Daimler so bedeutsam?

Weil wir als großes Unternehmen ein Teil der Gesellschaft sind. Wir spiegeln die aktuellen Trends dieser Gesellschaft wider. Es gibt jedoch noch einen weiteren ganz entscheidenden Punkt: Wir können die ein oder andere gesellschaftliche Diskussion beflügeln und etwas bewegen – für mehr soziale Gerechtigkeit.

Wann wird soziale Gerechtigkeit bei Daimler besonders relevant?

Soziale Gerechtigkeit ist für uns immer besonders relevant. Ich glaube soziale Gerechtigkeit ist der Klebstoff, der dieses Unternehmen zusammenhält. Deswegen ist eine klare Haltung für unser Unternehmen wichtig - in Verhandlungsrunden mit den Sozialpartnern, bei der Lohngerechtigkeit, in Führungsfragen, bei Diversity und Inklusion, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und vielem mehr.

Wie hängen soziale Gerechtigkeit und Arbeitgeberattraktivität zusammen?

Natürlich ist jeder stolz darauf, für ein Unternehmen zu arbeiten, das tolle Produkte herstellt und wirtschaftlich erfolgreich ist. Aber um gerne zur Arbeit zu gehen, braucht es mehr: Unsere Mitarbeiter sollen sich individuell wahrgenommen fühlen und sich als Teil des Teams erleben. Das sind Themen, die wir mit Leadership 2020 adressiert haben und die mit sozialer Gerechtigkeit einhergehen.

Bei Daimler haben wir das Ziel bis 2020 20 Prozent der leitenden Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Ist denn eine solche Quote gerecht?

Unser 20-Prozent Ziel ist ein Instrument, wie wir viele andere im Einsatz haben bei Daimler. Instrumente benutzen wir, um bestimmte Ziele zu erreichen, in diesem Fall mehr Frauen in Führungspositionen. Das Ziel ist erfolgsentscheidend für Daimler, denn wir brauchen unterschiedliche Perspektiven, um innovative Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen. Diese Vielfalt in der Belegschaft, also Männer, Frauen, Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedenen Alters, ist die Basis, um Mobilität neu zu denken.

Was ist für Sie bei Daimler ein gutes Beispiel dafür, wie Gerechtigkeit in der Unternehmenspraxis aussehen kann?

Ich erinnere mich an eine Zeit, wo nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch hier Status – und Statussymbole – eine sehr große Rolle gespielt haben. Heute sehe ich: Wir haben uns in dieser Hinsicht ganz klar verändert. Wir arbeiten alle auf dasselbe Ziel hin, nämlich mit Daimler erfolgreich die Zukunft zu gestalten und zwar ohne, dass Unterscheidungsmerkmale dabei ins Gewicht fallen.

Was sagen Sie zum Gender Pay Gap?

Bei Daimler gibt es kein Gender Pay Gap: Unsere Auswertungen zeigen, dass das Gehaltsgefüge bei Männern und Frauen absolut vergleichbar ist. Das Gehaltsgefüge nehmen wir regelmäßig unter die Lupe und haben in den letzten Jahren nur marginale Unterschiede feststellen können. Diese Unterschiede haben etwas damit zu tun, wie lange jemand in seiner Funktion ist und wie sich der bisherige Karriereweg gestaltet hat. Trotzdem erlauben wir es uns nicht, uns darauf auszuruhen und bleiben aufmerksam.

Wie erleben Sie denn den gesellschaftlichen Wandel bei der Vereinbarkeit von Beruf & Familie, bei der Möglichkeit zu einer gerechten Aufgabenteilung in der Familie einen Beitrag zu leisten?

Was gerecht ist in Sachen Aufgabenteilung bewertet natürlich jede Familie für sich. Was ich sagen kann ist, dass ich tatsächlich seit über zwölf Jahren einen intensiven Wandel beobachte. Wir haben mit unseren Kinderkrippen einen Beitrag dazu geleistet, dass Väter und Mütter engagiert berufstätig bleiben können und Kinder selbstverständlich zum Leben gehören. An unseren Standorten können wir sehen, dass viele Väter voller Stolz ihre Kinder in die Kita bringen oder sich diesen „Eltern-Job“ teilen. Außerdem ist flexibles Arbeiten längst gelebte Praxis und immer mehr Stellen werden im Job-Sharing besetzt. Das zeigt mir: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Wie kann gerechte Förderung und Einstellung von Talenten aussehen?

Natürlich stellen wir Chancengleichheit sicher. Insgesamt geht es darum, die besten Köpfe und Charaktere mit den verschiedensten Fähigkeiten zu finden, die wir brauchen. Jeder, der sich bei uns beworben hat und eine Absage erhält, fühlt sich am Ende auf eine Art und Weise ungerecht behandelt. Doch wir als Unternehmen achten darauf, dass wir die Fähigkeiten von Personen im Vergleich zu anderen Bewerbungen gewichten. Deshalb ist es schwer, Auswahlverfahren persönlich als gerecht zu empfinden. Es handelt sich dabei ja immer um einen Wettbewerb. Was enorm wichtig ist, ist eine faire und gerechte Rückmeldung zu geben.

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