Vernetzung ist das Erfolgsrezept einer grünen Logistik

Die neue Montagelinie für Busfahrgestelle in São Bernardo do Campo ist ein Paradebeispiel für die vernetzte Fabrik – und Vorreiter für Nachhaltigkeit in der Logistik. Denn das Konzept der neuen Linie zeigt, wie kurze Wege, komplette Vernetzung und neue Tools dazu beitragen, die Arbeits- und Lieferbedingungen zu verbessern, Ressourcen zu schonen und den CO₂-Verbrauch zu reduzieren.

Als die Corona-Pandemie die Busproduktion im brasilianischen Mercedes-Benz-Werk stoppte, waren Aleksandro Barbosa de Lima und sein Team gerade mitten in der Implementierung einer neuen Produktionslinie. Drei Jahre Entwicklungs- und Vorbereitungszeit lagen bereits hinter ihnen, dann zwang der Rückgang des Produktionsvolumens das Team beinahe zu einem Neustart. Aber nur beinahe. Die Mercedes-Benz Ingenieure und Lieferanten arbeiteten Hand in Hand, um den Start der neuen Linie trotz Pandemiebeschränkungen weiter voranzutreiben. Mit Erfolg. Am 28. September 2020 feierte Mercedes-Benz do Brasil nicht nur sein 64-jähriges Bestehen, sondern auch die Inbetriebnahme einer der modernsten Montagelinien für Omnibusfahrgestelle.

Wenn Barbosa de Lima von seinem Herzensprojekt spricht, klingt es nach Zukunftsmusik: Digitale Technologie, Konnektivität, Daten in der Cloud und das Internet der Dinge. All dies sind Elemente von Industrie 4.0, die in São Bernardo do Campo zum Einsatz kommen. In Verbindung mit klugen Raum- und Lagerkonzepten ermöglichen sie eine höchst effiziente, ressourcenschonende Produktion und Logistik. Denn die 700 Meter lange Montagestraße ist digital vernetzt mit anderen Produktionsbereichen und der Teilelogistik. Das intelligente Produktionsmanagementsystem stellt den Informationsfluss zwischen Mensch und Maschine sicher und sorgt so dafür, dass es weder unnötigen Lieferverkehr mit CO₂-Emissionen noch kostenintensive Wartezeiten auf Material gibt. Ein Blick auf einen der 120 Touchscreen-Monitore entlang der Montagelinie genügt Barbosa de Lima und den Mitarbeitern an der Linie, um zu sehen, wohin die fahrerlosen Transportfahrzeuge gerade steuern. Dass das richtige Teil zum gewünschten Zeitpunkt am richtigen Ort landet, dafür sorgt das Bus Data Center – eine Art digitale Schaltzentrale. Hier laufen alle Informationen zu Produktion und Logistik zusammen, die entweder von Sensoren im Lager, an Werk- und Fahrzeugen gesendet oder von Menschen eingegeben werden.

Überhaupt ist konsequente Vernetzung Dreh- und Angelpunkt für die nachhaltige Logistik im brasilianischen Buswerk. „In der gesamten Logistikausstattung gehören Tablets zum Arbeitsalltag“, erklärt Bruno Fuzetti, verantwortlich für die Produktionsplanung und das Busprogramm. „Wenn sämtliche Funktionen der Logistik digitalisiert sind, reicht zum Beispiel dem Gabelstaplerfahrer ein Blick auf sein Tablet, um den genauen Bestand im Lagerregal vor ihm einzusehen, weil die dort installierten Bewegungs- und Lichtsensoren jeden Warenein- und -ausgang bereits erfasst haben. Er muss das Fahrzeug dafür nicht mehr verlassen“.

Darüber hinaus regelt das in Lateinamerika weit verbreitete Navigationssystem „Waze“ mit Hilfe Künstlicher Intelligenz den Transportverkehr innerhalb des Mercedes-Benz Werks. So hilft es Lieferanten dank aktuellster Verkehrsinformationen unnötige Fahrten von einem Lager zum nächsten zu vermeiden. „Es ist ein bisschen wie Google Maps. Wir können damit das Verkehrsaufkommen überwachen und sehen, welches Lager gerade Material annehmen kann. Waze informiert daraufhin die Lkw-Fahrer unserer Zulieferer, wann und wohin sie ins Werk fahren können“, schwärmt Rodrigo Valverde, verantwortlich für die zentrale Logistik im Werk. Das hilft bei der Einsparung verkehrsbedingter Emissionen. Genauso wie die Tatsache, dass sämtliche Fahrzeuge im Innenbereich wie Gabelstapler oder Schlepperzüge, mit Elektroantrieb unterwegs sind. Und auch in Sachen Stromverbrauch konnte die „Nova Fábrica“ kräftig einsparen: Dank der Umstellung auf LED-Lampen ist der Verbrauch um 67 Prozent gesunken. Sauberere industrielle Prozesse sorgen zudem für eine bessere Luftqualität. Und weil alle Informationen nur noch digital weitergereicht werden, wird kaum noch Papier verwendet. Sämtliche Teileanforderungen für die mehr als 2.000 Busfahrgestellvarianten werden per W-Lan übermittelt. Allein die Menge an Papier, die dieser Prozess bisher benötigt habe, belaufe sich auf bis zu 2,4 Millionen A4-Blätter pro Jahr, schätzt Barbosa de Lima.

Doch zu einer nachhaltigen Inbound-Logistik zählt für Barbosa de Lima und Bruno Fuzetti nicht nur der CO₂-Fußabdruck. „Schnelle Kommunikationswege und maximale Transparenz gehören dazu, wenn wir effizienter werden wollen“, erklärt Fuzetti. Das gelte sowohl für die Kommunikation mit Mitarbeitenden, als auch für die mit Lieferanten. Für den schnellen Informationsaustausch mit Letztgenannten sorgt ein neu eingeführtes System namens eProd: „Bis heute haben wir mehr als 90 Prozent unserer Kommunikation mit Lieferanten in dieses System integriert“, so Rodrigo Valverde. Das habe nicht nur die Dauer des Logistikprozesses und den Aufwand enorm reduziert, sondern schaffe für alle Beteiligten zudem große Transparenz hinsichtlich der Materialläufe.

Transparenz war auch ein Schlüsselfaktor für die Integration von Mitarbeitenden und Lieferanten in die Planung und Umsetzung des Projekts. Das sei anspruchsvoll gewesen, sind sich de Lima und Fuzetti einig, schließlich sollte die Produktion auch während des Umbaus ohne Unterbrechung weiterlaufen. Mit Hilfe virtueller 3D-Simulation wurde jedem das Ziel der Transformation gezeigt. „Wir haben versucht, zu simulieren, wie der Prozess voranschreitet und dafür mehr oder weniger 18 Monate lang alle Abteilungen einbezogen“, so Fuzetti. Ein wichtiger Faktor, denn unter 4.0-Bedingungen werden die Mitarbeitenden vom Nutzer zum Steuernden. „Durch die Integration aller Beteiligten konnten wir Barrieren abbauen und bessere Resultate für eine gemeinsame Zukunft schaffen.“ Und Aleksandro Barbosa de Lima ergänzt: „Die umfassende Vernetzung mit Menschen und Maschinen – das ist nun mal das Erfolgsrezept einer grünen Logistik“.

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