Anders gedacht, anders gemacht

Der Künstler Daan Roosegaarde verbindet Design und Kunst mit Technologie und Mathematik, um Wege in eine nachhaltige Zukunft zu weisen. Dazu gestaltet er öffentliche Räume, die ihre Besucher durch Kunstwerke und ihre visuelle Gestaltung inspirieren. Seine Projekte werfen nicht nur Fragen auf, sondern stellen auch Lösungsansätze vor. Wir freuen uns darauf, Daan auf der me Convention (11. bis 13. September auf der IAA in Frankfurt) zu begrüßen, um mehr zu seinen Plänen und Projekten zur Gestaltung einer besseren Zukunft zu hören. Erfahren Sie bis dahin mehr über Daan in unserem Interview, in dem er über Nachhaltigkeit, die Wechselwirkung zwischen Wirtschaft, Kultur und Design, aber auch über Ansätze zur Förderung der Luftreinhaltung.

Herr Roosegaarde, als Künstler, Designer und Innovator ist Ihre Arbeit stark auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Was ist Ihr Verständnis von Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, neue Lösungen für unsere Umwelt zu entwickeln. Die Frage, wie wir die Umweltbelastung reduzieren können, greift allerdings für mich zu kurz. Stattdessen sollten wir von vornherein darüber nachdenken, wie wir negative Einflüsse vermeiden und positive Impulse setzen können. Eine Chance sehe ich persönlich darin, ganze Regionen mithilfe von Design und Technologie lebenswerter zu gestalten.

Sie stehen hinter zahlreichen künstlerischen Projekten zur Förderung von Klimaschutz und Luftreinhaltung. Was motiviert Sie?

Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich Städte mit hoher Verkehrsbelastung, deren Luftqualität beeinträchtigt ist. Ich wohne gerne in der Stadt, aber ich wünsche mir, dass auch hier Umwelt und Leben Hand in Hand gehen. Meine Projekte verkörpern, wie ich die Welt sehe und gestalten möchte.

Daan Roosegaarde ist Künstler und Designer, der sich in seinen Werken mit Landschaften der Zukunft befasst. 2007 hat er in Rotterdam das Roosegaarde Studio gegründet, das lebenswerte Landschaften von morgen entwickelt. Dort erforscht er das Verhältnis zwischen Mensch, Technologie und Raum. Zahlreiche Museen stellen seine vielfach ausgezeichneten Werke aus.

Was kann Kunst tun, um die ökologische Nachhaltigkeit zu fördern?

Unserer Welt mangelt es nicht an Technologie oder Geld – es fehlt uns an Vorstellungskraft. Kunst und Design können uns helfen, den kollektiven Traum einer Welt im Gleichgewicht von Ökonomie und Ökologie auf unterschiedlichen Wegen zu realisieren. Denn: Kreativität begeistert Menschen auf eine andere Art und Weise als Fakten und Technologie. Wir brauchen beide Ebenen, um Menschen mit auf unsere Reise zu nehmen.

Welchen Beitrag kann die Industrie leisten?

Dank ihrer Innovationskraft ist die Industrie ein wesentlicher Treiber des Fortschritts. Ein Wandel braucht jedoch mehr: Industrie, Kunst und Design müssen sich über Ideen für nachhaltiges Handeln austauschen – so schaffen und realisieren sie gemeinsam Visionen.

Wie kommen Sie auf Ihre Ideen – im stillen Kämmerlein oder entstehen Ihre Projekte in Zusammenarbeit mit Partnern?

Jedes Projekt beginnt und endet bei mir: Ich initiiere, begleite und leite es. Über das gesamte Projekt hinweg werde ich von Designern, Ingenieuren und weiteren Experten unterstützt. Das "Wir" und das "Ich" müssen dabei immer im Gleichgewicht sein.

Was liegt Ihnen am meisten am Herzen: die Ästhetik, die Interaktion, die Wirkung – oder etwas anderes?

Die Schönheit einer nachhaltigen Welt – eine Welt, in der auch Technologie und Wissenschaft ihren Beitrag leisten.

Wie können wir Orte schaffen, die poetisch und praktisch zugleich sind?

Die Werke sind so extrem praktisch, dass sie zu Poesie werden. Ein Beispiel: In unserem Projekt „Gates of Light“ erwecken wir die Installation mit dem Licht vorbeifahrender Autos zum Leben. Wir verwandeln etwas Vorhandenes in etwas vollkommen Neues.

Inwiefern kann die Wirtschaft von der Kunst lernen?

Kunst, Design, Architektur und Innovation sind neugierige Disziplinen und folgen ihrer Imagination. Diese Energie brauchen auch Unternehmen – gerade in der dynamischen Mobilitätsbranche.

Smogfreie Türme gehören zu Ihren populärsten Installationen, auch bekannt als Smog-Staubsauger. Was kann man sich darunter vorstellen?

Die Türme erfüllen den Wunsch nach sauberer Luft. Wie Staubsauger befreien sie ihr Umfeld von Schadstoffen, indem Mikropartikel elektrisch aufgeladen und gebunden werden. Mit Erfolg: Die Luftqualität in der Nähe des Filters verbessert sich im Vergleich zum Rest der Stadt um bis zu 70 Prozent. Die herausgefilterten Partikel verarbeiten wir übrigens zu Eheringen weiter. Aus Smog wird Schmuck.

Was antworten Sie Kritikern, die positive Ergebnisse Ihrer Projekte vor dem Hintergrund von Beschaffung, Produktion und Entsorgung hinterfragen?

Wir arbeiten so nachhaltig und effizient wir können – sowohl mit Blick auf die benötigte Energie als auch die Materiealien. Aber um eine Zeichnung zu erstellen, braucht man eben Papier. Gleiches gilt auch für unsere Projekte!

Unser Ziel ist es, die Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette zu verbessern. Wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf?

Ich weiß, dass Daimler gute Erfolge bei den Einsparungen von CO2 pro Fahrzeug über die Jahre hinweg erzielt hat. Es ist nun an der Zeit, einen Schritt weiter zu denken. Gerade Daimler sollte vorweg gehen und mehr CO2 absorbieren, als Daimler selbst benötigt – auch aus wirtschaftlichen Gründen: Umweltbelastung wird in Zukunft tendenziell teurer. Das können wir bereits heute in einigen Ländern beobachten.

Auf welche Bereiche sollten wir in Zukunft besonderes Augenmerk legen?

Daimler muss alle Mitarbeiter und die anderen Stakeholder für den Wandel begeistern. Ich würde daher empfehlen, die Kollegen aus Forschung und Entwicklung und ihre Ideen noch stärker mit den Kollegen aus Marketing und Kommunikation zusammenzubringen. So springt die Begeisterung vom einen zum anderen über und wird auch nach außen getragen.

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